Post ins Ausland kann teuer werden

Barbara Schmidt

Von Barbara Schmidt

Sa, 04. Mai 2019

Wirtschaft

Wer etwas anderes als Dokumente verschickt, zahlt seit 1. Januar deutlich mehr / Nach Beschwerden bietet DHL nun eine Alternative.

Bei der Bundesnetzagentur häufen sich die Beschwerden: Früher hat die Deutsche Post kleine Geschenke und andere Waren vergleichsweise günstig im Briefumschlag ins Ausland transportiert. Doch seit 1. Januar 2019 dürfen internationale Briefe nur noch Dokumente enthalten. Alles andere muss als Päckchen oder Paket verschickt werden – was deutlich mehr Porto kostet. Verbraucher beschwerten sich, es läuft auch eine Online-Petition. Die Post hat nun reagiert.

"Nach Intervention der Bundesnetzagentur hat die Deutsche Post AG zwischenzeitlich ein neues Päckchen-Produkt für den internationalen Versand entwickelt", sagt Fiete Wulff, Pressesprecher der Aufsichtsbehörde, auf Anfrage der Badischen Zeitung. Das Päckchen XS International hat die Paket-Tochter der Post, DHL, zum 15. April eingeführt. "Damit steht Verbrauchern wieder eine günstigere Möglichkeit des internationalen Warenversands zur Verfügung", so Wulff.

Ein Päckchen XS International darf maximal zwei Kilogramm schwer und höchstens 35x25x3 Zentimeter groß sein. Mindestmaß sind 15x11 Zentimeter. Geht das Päckchen an einen Empfänger in der EU, kostet es 4,89 Euro. Der Preis für den Versand in die übrige Welt beträgt 8,89 Euro. Allerdings bietet DHL dieses günstigste aller Päckchenformate ausschließlich im Internet an. Wer seine Auslandspost in einer Filiale aufgeben will, muss mindestens neun Euro Porto bezahlen. In die Schweiz und den Rest der Welt kostet der internationale Warenversand Privatkunden sogar 16 Euro.

Bis Anfang dieses Jahres war das alles viel günstiger zu haben. 3,70 Euro kostet das Porto für einen Großbrief bis 500 Gramm im internationalen Versand. Der Maxibrief bis 1000 Gramm kostet sieben Euro. Das gilt heute noch – allerdings dürfen in solchen Briefumschlägen jetzt ausschließlich Dokumente stecken. "Waren aller Art müssen als Päckchen oder Paket verschickt werden", erläutert die Post auf ihrer Internetseite. Ausgenommen seien nur Geschäftskunden, die mindestens fünf Sendungen im Quartal verschicken. Sie dürfen das neue Produkt "Warenpost International" nutzen und kommen damit günstiger weg als Privatkunden.

Letztere reagieren empört. "Diese Entgelterhöhungen für Privatkunden haben bei der Bundesnetzagentur zu einem signifikanten Beschwerdeaufkommen geführt", bestätigt Pressesprecher Wulff. Im Internet auf Weact.Campact.de fordert eine Petition, dass die günstigeren Tarife der internationalen Warensendung auch für Privatkunden gelten sollten. Bis Freitagabend hatten 6772 unterzeichnet. "Ein Brief mit kleinen Geschenken an mein Patenkind in Afrika geht nun nicht mehr", begründet eine Unterstützerin ihre Unterschrift. Ein Päckchen koste sie nun 16 Euro und im Empfängerland eventuell hohe Zollgebühren. "Da wird einem eine gute Sache schwer bis unmöglich gemacht", bedauert sie. "Meine Tochter lebt in der Schweiz. Ihr Osterpäckchen beinhaltete einen Wert von 9 Euro und ich habe 16 Euro Porto bezahlt. Ich habe für vieles Verständnis – dafür nicht!", schreibt eine andere Unterstützerin. Eine BZ-Leserin machte ähnliche Erfahrungen mit Warensendungen per Einschreiben in die Russische Föderation: Bis Ende Dezember habe das Porto sieben Euro gekostet, nun seien es 16 Euro oder mit Versicherung 31,99 Euro, schreibt sie.

Ein BZ-Leser berichtet, dass er seit der Umstellung von Bekannten gebeten werde, deren Sendungen ins Ausland zu verschicken, weil er als registrierter Geschäftskunde weniger Porto zahlt. "Ich mache das selbstverständlich gerne, aber dies kann nicht im Sinne des Erfinders sein", meint der Leser.

Die Post begründet die Änderung mit einer "vom Weltpostverein beschlossenen Regelung, wonach internationale Dokumenten- und Warensendungen getrennt bearbeitet werden müssen", wie Hugo Gimber von der Stuttgarter Pressestelle der Deutsche Post DHL Group mitteilt. Zudem verlangten immer mehr Länder bei Sendungen mit Wareninhalt aus Zoll- und Sicherheitsgründen eine elektronische Datenvoranmeldung.

Mit der Änderung ihrer Allgemeinen Geschäftsbedingungen kommt die Post laut Gimber diesen Anforderungen nach und setzt die vom Weltpostverein beschlossene Trennung um. Die Pressestelle des Weltpostvereins weiß auf Anfrage allerdings nichts von einem solchen Beschluss. Verlangt werde von Ländern wie Deutschland seit Januar 2018 eine Trennung der Briefe in drei verschiedene Formate. Die zwingende Trennung betreffe nicht den Inhalt, so die Auskunft.

Kein Geschenk mehr

fürs Patenkind in Afrika

Der Weltpostverein (Universal Postal Union, UPU) in Bern wurde 1874 gegründet und legt die Regeln für den internationalen Postverkehr zwischen den 192 Mitgliedsstaaten fest. Dazu gehört Österreich. Die dortige Post geht mit Auslandsbriefen anders um: Dokumente und Waren werden nur bei Adressaten außerhalb Europas getrennt. "Innerhalb Europas (wohin die absolute Mehrheit all unserer Sendungen geschickt wird) haben wir mit unseren wichtigsten Partnern bilaterale Vereinbarungen, dass Briefsendungen nicht im jeweiligen Bestimmungsland getrennt ankommen müssen", sagt Pressesprecher Michael Homola. Aber auch außerhalb Europas sei eine getrennte Übergabe von Dokumenten- und Warensendungen "nur dann notwendig, wenn auch formatgetrennt übergeben wird. Eine Formattrennung ist erst ab einem bestimmten Volumen notwendig", erläutert Homola. Aufgrund ihrer deutlich größeren Mengen habe die Deutsche Post sicherlich eine höhere Verpflichtung zur Trennung als die Österreichische.

Auch wenn es Verbraucher ärgert: Die Deutsche Post darf den Warenversand ins Ausland einfach verteuern. Eine vorherige Genehmigung durch die Bundesnetzagentur braucht sie nur, wenn sie das Briefporto erhöht – wie es für 1. Juli geplant ist. Das liegt daran, dass die Post bei den Briefdienstleistungen – dazu gehören alle Briefarten bis hin zur Postkarte – den Markt dominiert. Wo Konkurrenz fehlt, bestimmt der Staat den Preis mit, damit es für Verbraucher nicht zu teuer wird. "Derartige Regelungen für den Paketmarkt existieren nicht, da im Paketbereich Wettbewerb herrscht", erläutert Netzagentur-Sprecher Wulff.