Wie ein öffentliches Wohnzimmer

Jutta Jäger-Schenk

Von Jutta Jäger-Schenk

So, 07. Juli 2019

Reute

Der Sonntag Seit 25 Jahren gibt es das Mütterzentrum March-Reute mit Angeboten nicht nur für Mütter.

Seit 25 Jahren gibt es das Mütterzentrum March-Reute – zum Jubiläum am 13. Juli ist der Auftritt des Frauenmusiktheaters "Tri Elles Vocales" im Rahmen der Kulturtage March geplant.

Beim Vorstandstreffen werden die letzten Vorbereitungen getroffen, es herrscht eine lockere und heitere Atmosphäre. "Wir fühlen uns in unserem Kreis wohl und sind zusammengewachsen, die Arbeit ist sinnvoll und macht Freude", sagt Vorsitzende Christine Gförer. Sie ist Sozialarbeiterin und eine der Gründungsfrauen, die 1994 als junge Mütter ihr eigenes Netzwerk gegründet haben.

Startinitiative und -unterstützung gab ihnen der Halbjahreskurs des Bildungswerks der Erzdiözese Freiburg "Familienfrauen können mehr – Schlüsselqualifikation für heute und morgen". "Wir entwickelten in diesem Projekt Visionen zu den Fragen: Wo stehe ich? Was will ich?", erklärt Christine Gförer. Etwas Längerfristiges sollte entstehen, das dem Lebensalltag mit kleinen Kindern entsprach, aber auch Angebote ganz verschiedener Art bereithielt – ein Netzwerk von Frauen für Frauen. Die Idee des Mütterzentrums ist eingebunden in eine Tradition, die es bundesweit über 400 Mal gibt und die auch europaweit existiert. "Uns gefiel die Idee des öffentlichen Wohnzimmers", sagt Helga Horstein, "da trifft man nicht nur diejenigen, die man sowieso schon kennt."

Ein Basis-Baustein des Netzwerks bilden die Angebote für Eltern und Kinder wie Prager-Eltern-Kind-Programm, Wichtel-Club, Eltern-Café oder Baby-Treff. "Uns ist es wichtig, dass Frauen mit kleinem Kind Anschluss an andere Frauen in der gleichen Situation finden und sich austauschen können, das verringert die Gefahr der Vereinsamung und Überforderung", erklärt Christine Gförer.

Auch Angebote für Frauen jeden Alters wie das Offene Frauencafé, das Literaturcafé oder die Gymnastikgruppe gehören zu den Klassikern. Hinzu kommen kulturelle, kreative oder weiterbildende Angebote wie Kräuter- oder Heilkundeseminare, kreatives Gestalten, Entspannungsmethoden oder Ausflüge und Exkursionen.

"Unser Angebot hat sich im Laufe der Jahre gewandelt", stellt Christine Gförer fest. "Wir Frauen haben das Programm unserer Lebenssituation angepasst, die Kinder sind groß, wir sind berufstätig und können nun auch abends oder ganztags etwas unternehmen." Moderne Trends wurden gerne ins Programm übernommen. Da gab es Kurse zum Umgang mit der digitalen Welt in der Familie, zum Strömen oder zum "Hui Chun Gong". "Wir geben neuen Impulsen und Kursleitern, die neu beginnen, gerne ein Forum, sind experimentierfreudig", erklärt Christine Gförer.

Dass viele Mütter kleiner Kinder inzwischen berufstätig sind, nimmt das Mütterzentrum wahr. Die Vormittagskurse für Eltern mit Babys boomen jedoch nach wie vor. Die Frauen berichten, dass sie oft diskutiert haben, ob sie den Namen "Mütterzentrum" ändern sollen, da auch kinderlose Frauen und Männer willkommen seien. Sie hätten sich aber dagegen entschieden. "Es ist eine Marke, die man kennt, und es ist eine Aufwertung der Mütter, denn Mütter haben keine Lobby", sagt Monika Seth.

Jutta Jäger-Schenk
25 Jahre Mütterzentrum March-Reute im Rahmen der Kulturtage March. Jubiläumsprogramm am Samstag, 13. Juli: 18 Uhr Sektempfang, 20 Uhr Frauenmusiktheater "Tri Elles Vocales" im Bürgerhaus March, Sportplatzstraße 14. Eintritt frei, Spenden willkommen. Anmeldung unter: kontakt@muetterzentrum-march-reute.de; http://www.muetterzentrum-march-reute.de