Bankgeheimnis

Wie ein Rentner sein Schwarzgeld zurückholt

Christine Keck

Von Christine Keck

Sa, 27. Dezember 2014

Deutschland

Unterwegs mit einem Rentner, der sein illegal angelegtes Geld aus Luxemburg über die Grenze heimholt – eine Geschichte vom Ende des Bankgeheimnisses.

Vor der letzten Herzoperation sei er aufgeregter gewesen, sagt Ernst Seidel, schwarzer Anzug, grauer Kurzhaarschnitt, und steuert auf die Grenze zu. Er dreht das Radio an und will wissen, ob alle in der Limousine angeschnallt sind. Den Notizzettel mit der Adresse der Bank hat er weggeworfen, in einen Mülleimer an der Tankstelle. Ernst Seidel hat immer genau das gemacht, was ihm sein Bankberater empfohlen hat, und deshalb fährt er an diesem sonnigen Vormittag mit leicht erhöhtem Puls auf der Autobahn zwischen Luxemburg und Saarbrücken. Unter den vier Fußmatten des Mercedes der E-Klasse liegen vier weiße Umschläge, alle ohne Aufdruck, gefüllt mit knitterfreien 500er-Scheinen, lila Bündel, 39 500 Euro.
Der Rentner, der anders heißt, aber anonym bleiben will, holt sein Erspartes nach Hause, mit drei Komplizen im Auto und einem erstaunlich guten Gewissen. "Das machen doch alle", sagt der über 80-Jährige. Bei selbstgebackenem Käsekuchen und Kaffee habe ihm neulich sein Banker erklärt, warum er, Seidel, sein lukratives Auslandsdepot auflösen müsse. "Das mit Luxemburg ist vorbei, Ihr Geld ist dort nicht mehr sicher. Heben Sie es ab." Seidel will die Scheine zu den anderen lila Bündeln legen, er hat viele Verstecke in seinem geräumigen Einfamilienhaus in bester Wohnlage. Erst vor Kurzem hat er ein Bankschließfach eröffnet. Zu oft ist in seiner Gegend eingebrochen worden, und die Alarmanlage vergisst er meist einzuschalten. Seidel ist der Typ Mensch, der Geschenkpapier mehrfach verwendet und Teebeutel zweimal aufgießt. Urlaub macht er nur in Deutschland, ein paar Tage im Allgäu oder so, am liebsten bleibt er ...

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