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Wie halten Sie es mit Frauenquoten in Politik und Wirtschaft?

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 20. September 2017 um 00:01 Uhr

Lörrach

Wir haben die Kandidaten im Wahlkreis Lörrach-Müllheim gefragt: Im Wahlkreis bewirbt sich heuer keine einzige Frau um das Direktmandat. Ist das ein Indiz, dass es in Region an Frauenförderung fehlt?

Armin Schuster, CDU:

"Wir wollen mehr Frauen in Führungspositionen. Mit der Einführung der Frauenquote in Aufsichtsräten haben wir erste Erfolge erzielt, wissen aber auch, dass weitere Anstrengungen notwendig sind – nach Möglichkeit ohne Quote. Wir wollen im öffentlichen Dienst bis 2025 eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen.

Mit Kita-Ausbau und Elterngeld haben wir Grundlagen geschaffen, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Als nächstes wollen wir den Ausbau von Ganztagsschulen fördern. Die CDU in Baden-Württemberg hat übrigens auf 55 Prozent der Listenplätze für die Bundestagswahl Frauen gewählt. Und in Angela Merkel hat die Union seit 2000 eine weibliche Vorsitzende."

Jonas Hoffmann, SPD:

"In der Politik fehlen junge Menschen, die bereit sind sich zu engagieren, und vor allem junge Frauen. Trotzdem zeigt sich hier ein eklatanter Unterschied bei den Parteien. In Baden-Württemberg sind von 38 SPD-Direktkandidaten 18 weiblich, bei der CDU sind es 3 und bei der FDP 4 Frauen.

Die SPD kämpft seit ihrer Gründung für Frauenrechte, gegen die Konservativen. Sie war es, die Frauenwahlrecht, Selbstbestimmung der Frau und Gleichstellung erkämpft hat. Diese Tradition kann man in der SPD an allen Ecken und Enden spüren und sehen. Die gegenteilige Tradition kann man in der CDU erkennen, auch wenn wir eine Kanzlerin haben."

Gerhard Zickenheiner, Die Grünen:

"Das ist ein Armutszeugnis für unsere Region. Chancenungleichheit, Lohnungleichheit, der Mangel an Frauen in Führungspositionen sind aber ein nationales Phänomen. Bis heute setzt die Regierung auf Selbstverpflichtung der Wirtschaft, die Anzahl der Frauen in Vorstandsebenen mit der Anzahl der Männer auszugleichen und muss Jahr für Jahr eingestehen, dass sich dabei nichts bewegt.

Solange die Erfüllung des Kinderwunsches die individuelle berufliche Entwicklung ausbremst, den Weg in Führungspositionen verhindert und Alleinerziehende einem Armutsrisiko ausgesetzt sind, wird sich daran auch nichts ändern. Wir stehen deshalb für Gleichberechtigung auf allen Ebenen."

Christoph Hoffmann, FDP:

"Es liegt sicher nicht an der Region, wir hatten 19 Jahre eine Bundestagsabgeordnete. Grundsätzlich bin ich gegen Quoten, weil die Leistung alleine entscheiden sollte. Wir brauchen die besten Leute am jeweiligen Platz. Das Geschlecht darf nicht den Ausschlag geben. Das Grundgesetz schreibt das Prinzip der Bestenauslese zum Beispiel bei Beamten vor. Demnach darf für einen Posten nur ausgewählt werden, wer nach Eignung und fachlicher Leistung am besten geeignet ist.

Andererseits darf der Good Old Boys Club nicht obsiegen, deshalb ist betriebliche Förderung von Frauen sinnvoll, Betriebe und Verwaltungen müssen Interesse haben, ein ausgeglichenes Verhältnis zu erreichen."

David Trunz, Die Linke:

"Solange Frauen den Großteil der Prekärbeschäftigten stellen, kann man nicht von einer wirklichen Gleichberechtigung sprechen. Anstatt uns immer um die Frauenquote in prestigeträchtigen Positionen zu sorgen, sollten wir uns vornehmlich um die Frauen kümmern, die unter Wert bezahlt werden und unter Stress zu leiden haben.

Deshalb ist diese Quotierung eine Nebelkerze, die dafür herhalten soll die Mehrzahl der Frauen mit einem Trostpreis abzuspeisen. Ich fordere daher bessere Löhne, mehr Anerkennung und Respekt für Frauen im Niedriglohnsektor. In der Frauenbewegung gilt schließlich zu recht: "We don’t fight for flowers"!"

Wolfgang Fuhl, AfD:

"Es ist reiner Zufall, dass in unserem Wahlkreis keine Frau kandidiert. Der Anteil aller Kandidatinnen zur diesjährigen Bundestagswahl in Baden-Württemberg ist weiter angestiegen auf jetzt 33,7 Prozent. Vor vier Jahren waren es 28,9 Prozent. Im Schnitt hätten demnach zwei der sechs Kandidaten im Wahlkreis Frauen sein müssen. Die Zufallsverteilung muss demnach auch Wahlkreise ergeben in welchen die Verteilung ausgeglichen ist, vielleicht sogar mehr Frauen wie Männer kandidieren.

Grundsätzlich ist der Frauenanteil an den Parteimitgliedschaften niedriger als in der Bevölkerung. Es gibt Parteien, die mit Geschlechter-Quoten arbeiten, dies lehnen wir ab. Frauen brauchen keine Quote."



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