Chemieunternehmen

Frühere Rhodia: Cerdia baut in Freiburg 40 bis 80 Stellen ab

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Fr, 14. Juni 2019 um 13:01 Uhr

Wirtschaft

Betriebsversammlungen für die knapp 800 Beschäftigten des Freiburger Filter-Tow-Herstellers Cerdia am Freitag: Das Unternehmen muss sparen – und erwartet Zugeständnisse von der Belegschaft.

Das Freiburger Chemieunternehmen Cerdia (früher Rhodia) plant ein groß angelegtes Sparprogramm. 40 bis 80 Stellen sollen wegfallen. Internen Unterlagen zufolge, die der BZ vorliegen, sollen die laufenden Kosten um 12,5 Millionen Euro pro Jahr gesenkt werden. Zugleich stellt die Unternehmensleitung ein umfangreiches Investitionspaket in Aussicht. Cerdia gehört seit 2016 dem US-Finanzinvestor Blackstone. Am Freitag fanden Betriebsversammlungen für die knapp 800 Beschäftigten in Freiburg statt.

Offenbar knüpft das Management die langfristige Sicherung des Standorts Freiburg an die Umsetzung des Sparprogramms. Wie aus einem Schreiben des Standort-Geschäftsführers Dieter Feldmann hervorgeht, sollen bis 2025 insgesamt 91 Millionen Euro in Freiburg investiert werden. Es gehe dabei um die Modernisierung der Produktionsanlagen, die bessere Qualifizierung der Beschäftigten und die Entwicklung neuer Märkte.

Dem Sparkurs soll ein Investitionspaket folgen

Bisher stellt Cerdia in Freiburg in erster Linie Celluloseacetat-Tow her, auch Filter-Tow genannt, das Ausgangsmaterial für Zigarettenfilter. Künftig wolle man Acetatfasern verstärkt auch für andere Anwendungen produzieren, was aber zunächst mit Forschungs- und Entwicklungsaufwand verbunden sei. Feldmann wünscht sich einen "Schulterschluss zwischen Gesellschafter, Management und Belegschaft". Die Mitarbeiter müssten mit dazu beitragen, dass dieses Investitionspaket tatsächlich umgesetzt werden könne. Der Wettbewerb sei hart.

Konkret heißt das: Die Mitarbeiter sollen Einbußen beim Einkommen hinnehmen und mehr arbeiten. Vorgesehen ist die Streichung oder zumindest spürbare Kürzung von Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie die Erhöhung der Arbeitszeit auf 40 Stunden pro Woche – branchenüblich sind 37,5 Stunden. Auch die Bezüge von Führungskräften sollen gekürzt werden. Außerdem sollen 40 Stellen über Aufhebungsverträge wegfallen.

Zieht der Betriebsrat nicht mit, drohen härtere Einschnitte

Das Unternehmen hofft offenbar, dass der Betriebsrat und die Gewerkschaft IG BCE diese Pläne mittragen. Für den Fall, dass sie sich widersetzen sollten, existiert wohl schon ein Alternativplan. Dabei würde Cerdia aus dem Arbeitnehmerverband austreten, rund 80 Stellen abbauen, 135 weitere Jobs auslagern, die betriebliche Altersvorsorge vermindern, betriebliche Zulagen streichen – und die Investitionen auf den Prüfstand stellen.

Betriebsratsvorsitzende Cornelia Kainz wollte vor den Betriebsversammlungen am Freitag nicht zu den Plänen Stellung nehmen, hat aber ein Statement für Anfang nächster Woche angekündigt. Die Unternehmensleitung ließ BZ-Anfragen zu den Sparplänen bislang unbeantwortet.

Cerdia gehört dem US-Finanzinvestor Blackstone

Cerdia heißt das 1927 gegründete Freiburger Unternehmen erst seit April. Bekannt ist es vielen noch unter dem früheren Namen Rhodia. 2011 hatte der belgische Solvay-Konzern das Unternehmen übernommen, aber schon 2016 wieder verkauft – an die US-Investmentgesellschaft Blackstone, die weltweit eine Vielzahl von Firmenbeteiligungen hält. Insgesamt verwaltet Blackstone ein Anlagevermögen von 512 Milliarden US-Dollar.

2017 wollte Blackstone die Freiburger in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Konkurrenten Celanese einbringen, um das Zelluloseacetat-Geschäft fortan gemeinsam zu betreiben. Doch die EU-Wettbewerbshüter befürchteten eine zu große Marktmacht und machten hohe Auflagen. Daraufhin kippte Celanese die Pläne.

Cerdia wird heute von einer Management-Gesellschaft in Basel gesteuert. Es gibt Standorte in Frankreich, Brasilien, Russland, USA und Singapur. Weltweit arbeiten rund 1300 Menschen für Cerdia. Der Jahresumsatz liegt laut der Firmen-Website bei 500 Millionen Euro.