Freiburger Molkerei

Schwarzwaldmilch will Linie mit veganen Produkten starten

Jörg Buteweg

Von Jörg Buteweg

Mi, 26. Juni 2019 um 20:01 Uhr

Wirtschaft

Die Linie mit pflanzlichen Erzeugnissen soll ab 2020 ein weiteres Standbein des Freiburger Unternehmens werden. Damit reagiert die Molkerei auf einen Trend – denn immer mehr Menschen lehnen Milch ab.

Die Molkerei Schwarzwaldmilch steigt in die Produktion pflanzlicher Lebensmittel ein. Wie Geschäftsführer Andreas Schneider am Mittwoch sagte, sollen vegane Produkte ein weiteres Standbein des Unternehmens werden. Das Geschäftsjahr 2019 verspricht nach Schneiders Worten noch besser zu werden als 2018.

Schon Anfang 2020 soll ein Drink auf Pflanzenbasis auf den Markt kommen, kündigte Schwarzwaldmilch-Geschäftsführer Andreas Schneider an. Milchähnliche Getränke auf Basis von Soja, Hafer, Kokos oder Mandeln dürfen nicht als Milch bezeichnet werden. "Wir tragen damit veränderten Konsumtrends Rechnung", sagte er. Eine wachsende Zahl von Menschen lehne Milch ab. Da gebe es Unverträglichkeiten, aber auch eine Ablehnung von Milch aus ethisch-moralischen Erwägungen, etwa wegen der Tierhaltung oder der Milchproduktion.

Der vegane Drink wird in Offenburg hergestellt

Schneider sagte nicht, welcher Rohstoff für den Pflanzendrink verwendet wird. Nur so viel: Das Produkt werde im Werk Offenburg hergestellt, es sollen weitere vegane Produkte folgen, sie werden nicht unter der Marke Schwarzwaldmilch vermarktet. Man habe bereits eine eigene Gesellschaft gegründet, die Black Forest Nature GmbH. Hergestellt werde der Drink mit vorhandenen Maschinen, deswegen seien die Investitionen sehr klein, es würden vorerst nur drei oder vier Mitarbeiter benötigt. "Das ist eine Ergänzung, keine Konkurrenz", sagte Markus Kaiser, der Aufsichtsratsvorsitzende der Molkerei.

Auch wenn der Einstieg in die vegane Produktion den Charakter einer Firmengründung hat – wenig Kapital, wenige Mitarbeiter –, soll das Feld nach den Vorstellungen von Schneider das vierte Standbein der Molkerei werden. Bisher gibt es die Frischeprodukte Milch, Jog-hurt, Sahne, Quark, die im Werk Freiburg hergestellt werden. Dann erzeugt Schwarzwaldmilch im Werk Offenburg aus Milch, Quark, Sahne oder Joghurt durch Trocknung Pulver, die an die Lebensmittel- und die Pharmaindustrie verkauft werden. Das dritte Standbein wird die Käserei, die in Titisee-Neustadt gebaut wird und Anfang 2022 den ersten Käse liefern soll.

Viele Kunden kaufen Milch in Glasflaschen

Dass sich angesichts der gesellschaftlichen Debatten manche Gewohnheiten ändern, spürt die Molkerei auch bei ihren Verpackungen. Um 40 Prozent sei die Nachfrage nach Milch und Milchprodukten im Glas gestiegen, berichtete Schneider am Mittwoch. In der Abfüllanlage wurde deswegen ein Drei-Schicht-Betrieb eingeführt. Im März/April vergangenen Jahres sei die Nachfrage nach Produkten im Glas sprunghaft gestiegen, sagte Schneider, und der Trend halte unvermindert an. Er führt das auf die Debatte um die Vermüllung der Meere und die Probleme mit der Entsorgung von Kunststoff zurück. Die Molkerei bietet zur Zeit frische Milch in der Flasche an, daneben Sahne, Joghurt und einige Spezialitäten. Schneider kündigte an, weitere Produkte im Glas anzubieten. Man werde aber nicht das gesamte Sortiment auf Glasverpackungen umstellen, das sei praktisch gar nicht möglich. Sieben bis acht Prozent aller Verpackungen seien bei Schwarzwaldmilch aus Glas, im Bundesdurchschnitt lediglich zwei bis drei Prozent, so Schneider.

Geschäftsjahr 2019 hat gut begonnen

Das Geschäftsjahr 2019 hat nach Darstellung von Schneider für die Molkerei gut begonnen: "Wir haben den Schwung von 2018 mitnehmen können." Der Umsatz ist von Januar bis Mai um neun Prozent gewachsen, bei den Markenprodukten sogar um mehr als zehn Prozent. "Wir sind mit den richtigen Produkten unterwegs", so Schneider.

Das Jahr 2018 ist nach seinen Worten das beste in der Geschichte der Molkerei gewesen. Der Umsatz stieg um 9,1 Prozent auf 195 Millionen Euro. Der Auszahlungspreis für konventionell erzeugte Milch, also das, was die Landwirte als Lieferanten für ihre Ware bekommen, sank um etwas mehr als einen Cent, lag aber mit 40,09 Cent pro Kilo Milch (etwa ein Liter) etwa 1,5 Cent über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Wer Biomilch liefert, die inzwischen ein Viertel zum Umsatz beisteuert, bekam wie im Vorjahr rund 55 Cent pro Kilo, knapp ein Cent mehr als im Bundesdurchschnitt.

Derzeit hat die Molkerei noch 1020 Lieferanten, ihre Zahl sinkt stetig. Das Unternehmen beschäftigt 410 Mitarbeiter, Tendenz steigend.