Kommunalwahl

In Wittnau treten zur Kommunalwahl zwei Listen an

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Do, 16. Mai 2019 um 08:24 Uhr

Wittnau

Natürlich Wittnau und die Freie Wählergemeinschaft treten bei der Kommunalwahl an. Schwerpunktthemen sind die Flüchtlingsfrage, die Nachhaltigkeit und das Dorfleben.

Hatten die Wahlberechtigten bei den Kommunalwahlen 2014 ihre Stimmen noch an vier Wählervereinigungen vergeben können, stehen diesmal noch zur Wahl die Freie Wählergemeinschaft (FWG), in der die Freie Bürgervereinigung (FBV) aufgegangen ist, sowie die Gruppierung "Natürlich Wittnau", die vor fünf Jahren noch unter dem Namen "Wittnauer Bürger für Dorferhaltung und Bürgernähe" (WB) angetreten war.

Nachhaltigkeit und ein harmonisch-lebendiges Miteinander im Dorf beschäftigen beide Listen ebenso wie die noch nicht abschließend geklärte Frage der Unterbringung von Geflüchteten in der Gemeinde.

Natürlich Wittnau

Mit knapp 40 Prozent der Stimmen war die WB bei den Kommunalwahlen 2014 Spitzenreiterin und seitdem mit vier Sitzen im Gemeinderat vertreten, blickt der Listenvorsitzende Jürgen Lieser zurück. Abgesehen von Elisabeth Hallensleben treten alle bisherigen WB-Gemeinderäte wieder zur Wahl an. "Wir haben unsere Liste umbenannt, um deutlich zu machen, wofür wir stehen und welche Werte und Ziele uns leiten", sagt Jürgen Lieser über den neuen Namen, der eben auch und vor allem programmatisch sein soll.

Zurückblickend auf die vergangene Legislaturperiode freut sich Lieser insbesondere über das Wiedererstarken des über längere Zeit arg zerrütteten Dorffriedens. "Es wird weniger gestritten und mehr miteinander geredet", konstatiert der Bürgermeisterstellvertreter. Auch seien wichtige und wegweisende Projekte wie beispielsweise der Bestattungswald realisiert worden. "Die größte Herausforderung in der zurückliegenden Amtsperiode war die Aufnahme, Anschlussunterbringung und Integration der vom Landkreis zugeteilten Flüchtlinge in der Gemeinde", findet er. Allein, eine Lösung für den Bau einer gemeindeeigenen Unterbringung sei bisher weder in Sachen Standort noch Finanzierung gefunden worden, bedauert er.

Bezahlbares Wohnen steht ohnehin weit oben auf dem Wahlprogramm von "Natürlich Wittnau", wobei sich Wohnungsbau auf die bestehenden Siedlungsgrenzen beschränken solle. Für das Dorf wünscht man sich zudem eine "einladende Dorfmitte" ebenso, wie "die Stärkung der lokalen Einkaufsmöglichkeiten" auch als Begegnungsstätten. Chancen, gemeinsam etwas für das Dorf zu erreichen, sieht man bei "Natürlich Wittnau" beispielsweise in der Erarbeitung eines Dorfentwicklungsplans "unter Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und Institutionen im Dorf".

Ziel der Gemeinde müsse es zudem sein, für die Bürger eine Vorbildfunktion in Sachen Ökologie und Klimaschutz zu übernehmen. "Wir sind uns bewusst, dass nicht alle der in unserem Programm genannten konkreten Vorhaben in den nächsten fünf Jahren umgesetzt werden können. Aber Anstöße geben und Entwicklungen in die richtige Richtung in Gang setzen, das wollen wir erreichen", ist Jürgen Lieser - auch angesichts der "nicht rosigen Finanzlage" Wittnaus - realistisch.

Freie Wählergemeinschaft

Halb und halb heißt es in Sachen erneut zur Wahl stellen bei den insgesamt sechs Gemeinderatsvertretern der aus FBV und FWG fusionierten FWG. Erneut für einen Sitz im Gremium bewerben sich Listensprecher Klaus-Dieter Trescher, Josef Gutmann und Heribert Höbler. Drei bisherige Räte treten nicht mehr an. "Erfreulicherweise konnten wir drei Frauen und vier Männer neu gewinnen", so Trescher über die Kandidatenliste.

Den Ruhewald wie den reibungslosen Wechsel an der Rathausspitze nennt Trescher als zwei Beispiele auf die Frage, was in den vergangenen fünf Jahren richtig gut gelaufen sei. Viel getan habe sich zudem beim Ausbau der Kinderbetreuung am Ort mit der Schaffung des Waldkindergartens sowie der Anmietung von Räumlichkeiten für Tagesmütter. Was die Unterbringung von Flüchtlingen angeht, für die in der Gemeinde keine Wohnungen mehr angemietet werden könnten, hofft man bei der FWG auf "interkommunale Lösungen".

"Wir machen uns stark für unsere dörfliche Infrastruktur", sagt Klaus-Dieter Trescher zu Themen wie "Stärkung der Vereinskultur" ebenso, wie beispielsweise einer "Wiederbelebung" des Dorfhocks aber auch der Schaffung von Begegnungsstätten im Ort – insbesondere auch für Jugendliche, die zudem stärker in die Lokalpolitik und damit lokale Entscheidungen eingebunden werden sollten.

Ebenfalls auf der Agenda weit oben steht bei der FWG das Thema Nachhaltigkeit und Ökologie. "Der Erhalt und Ausbau von ökologisch wertvollen Flächen wie Wildwiesen für Insekten oder Streuobstwiesen liegt uns am Herzen, ebenso wie die ökologisch sinnvolle Gestaltung unserer Grünflächen und die Nutzung erneuerbarer Energien", nennt er als Beispiele. "Wir wollen Traditionen erhalten und fördern, unser Dorfleben wieder spürbar machen, die Natur erhalten und zusammen Probleme auf fairem Weg lösen", fasst Klaus-Dieter Trescher zusammen.

Die Kandidatinnen und Kandidaten:
Natürlich Wittnau

1. Jürgen Lieser, Jahrgang 1948, Freiberufler Humanitäre Hilfe
2. Christa Kamper, Jahrgang 1949, Apothekerin
3. Klaus Lowka, Jahrgang 1950, Arzt für Handchirurgie
4. Regina Wodtke, Jahrgang 1974, Diplom-Ingenieurin Architektur
5. Stephan Kolberg, Jahrgang 1969, Diplom-Ingenieur Architektur
6. Lilli Steinmann, Jahrgang 1977, Hebamme
7. Josef Pesch, Jahrgang 1958, Genossenschaftsvorstand
8. Barbara Schneider, Jahrgang 1962, Qualitätsbeauftragte Alten- und Eingliederungshilfe
9. Stephan Schwär, Jahrgang 1962,, Religionspädagoge
10. Kai Weyand, Jahrgang 1968, Schriftsteller

Freie Wählergemeinschaft

1. Klaus Dieter Trescher, Jahrgang 1959, Postbeamter
2. Jörg Bleile, Jahrgang 1987, Ingenieur
3. Jakob Engelmann, Jahrgang 1999, Student
4. Josef Gutmann, Jahrgang 1958, Technischer Fachwirt
5. Heribert Höbler, Jahrgang 1966, Medical Manager
6. Sandra Kraft, Jahrgang 1984, Sachbearbeiterin
7. Susanne Kreusel, Jahrgang 1964, Juristin
8. Silke Law, Jahrgang 1972, Kinder- und Jugendärztin
9. Jonathan Schüle, Jahrgang 2000, Schüler
10. Valentin Vetter, Jahrgang 1999, Landmaschinenmechaniker