SC Freiburg

Wohin führt der Weg der SC-Spielerinnen in dieser Saison?

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Sa, 27. März 2021 um 14:15 Uhr

SC Freiburg

Die Freiburgerinnen haben es in dieser Saison nicht einfach. In der Liga stecken sie im Tabellen-Niemandsland, im Pokal läuft es dafür umso besser: Dort wartet das Halbfinale. Eine Zwischenanalyse.

Die Bundesliga-Fußballerinnen des SC Freiburg sind ein Ausbildungsteam. Jedes Jahr wechseln talentierte Spielerinnen zur Konkurrenz. Dennoch will der Verein erfolgreich sein. Das gelingt aktuell: Der Sportclub steht im Halbfinale des DFB-Pokals. Die ersten Abgänge stehen aber schon wieder fest. Wie gehen die Fußballerinnen damit um?

Ob Daniel Kraus sich in seiner Jugend als Kunstturner verdient gemacht hat, ist nicht überliefert. Den Gemütsspagat betreibt er am späten Mittwochvormittag aber gekonnt. Der Trainer der Bundesliga-Fußballerinnen des SC Freiburg sagt: "Für uns ist es im Grunde genommen egal, gegen wen wir spielen, denn als Team haben wir stets das Ziel, uns zu verbessern."

Soweit die Theorie. Wie aber sieht die Praxis aus? Denn aktuell müssen die Bundesliga-Fußballerinnen des SC Freiburg viele unterschiedliche Gefühle unter einen Hut bekommen – ein Frühling zwischen Hoch im Pokal, Tristesse in der Liga, Abschied und Aufbruch.

Freiburgerinnen spielen ordentliche Saison

Aber im Detail: Nach dem großen Umbruch vergangenen Sommer spielt das Team von Cheftrainer Kraus eine ordentliche Saison. Nach zwei Dritteln der Spielzeit stehen die Fußballerinnen im Mittelfeld der Tabelle. Gewissermaßen geht es nur noch um die goldene Ananas. Nach oben und unten geht wenig. Kraus aber sieht die Fortschritte: Defensiv hat sich das Team stabilisiert, und offensiv kreiert es mehr Chancen als in der Hinrunde. Auch wenn es mitunter noch an der Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor mangelt. Deswegen will Kraus die Saison auch nicht einfach nur austrudeln lassen: "Wir wollen in der Liga ja trotzdem unseren Weg weitergehen, vielleicht machen wir in den kommenden Spielen noch ein, zwei Plätze gut", so Kraus.

Im Pokal indes kann der Sportclub noch alles gewinnen. Von einem Saisonendspurt der Gemütlichkeit ist hier keine Spur. Kraus ist mit seinem Team vor einer Woche durch einen spektakulären 6:3-Erfolg gegen Turbine Potsdam ins Halbfinale eingezogen. Am Sonntag, 28. März, spielen beide Teams um 14 Uhr erneut gegeneinander – in der Bundesliga und wieder in Freiburg. Übertragen wird die Partie frei empfangbar auf der Website des SC Freiburg.

Halbfinale im Pokal in Frankfurt

Am Karsamstag, 3. April (13 Uhr), tritt sein Team im Semifinale des DFB-Pokals bei Eintracht Frankfurt an. "Das ist ein Team, mit dem wir mithalten können", findet er. Der Traum vom zweiten Pokalfinale (zuvor 2019 – 0:1 gegen den VfL Wolfsburg): Er lebt. Und wurde vielleicht auch dadurch befeuert, dass das Team jüngst nachträglich zur Freiburger Mannschaft des Jahres 2020 gewählt wurde: mit besonderen Verweis auf den Final-Einzug 2019.

Siegen die Freiburgerinnen tatsächlich in Frankfurt, treffen sie im Finale am 30. Mai auf den Gewinner der Partie Wolfsburg gegen Bayern München, den Schwergewichten im deutschen Frauen-Fußball. Gleichzeitig geht der Blick der Freiburgerinnen ohnehin bereits in Richtung Zukunft. Kraus hat noch einen Vertrag für die kommende Spielzeit. Er bastelt daher schon am Kader für die nächste Saison. Wahrscheinlich ist, dass sich der Umbruch diesen Sommer in Grenzen halten wird.

"Das ist unser Weg, wir freuen uns über jede Spielerin, die von uns den Sprung nach oben schafft" SC-Trainer Daniel Kraus

Allerdings: In Stefanie Sanders und Sandra Starke haben die ersten beiden Leistungsträgerinnen bereits ihren Abschied zum Saisonende bekannt gegeben – oder schon vollzogen. Seit dieser Woche kickt Sanders für den schwedischen Rekordmeister FC Rosengard. Starke wechselt nach acht Jahren in Freiburg diesen Sommer zum VfL Wolfsburg. "Das ist unser Weg, wir freuen uns über jede Spielerin, die von uns den Sprung nach oben schafft", sagt Kraus und ringt mit seinen Äußerungen den Abgängen Positives ab.

Die Verabschiedungen nimmt der Cheftrainer wohl aber vor allem deswegen so locker, weil gleichzeitig in Mia Büchele, Nia Szenk, Cora Zicai und Alina Bantle die nächsten Hoffnungsträgerinnen bereits in den Startlöchern stehen. Besonders auf die 17-jährige Büchele halten sie große Stücke. "Sie war die Kapitänin der Jugend-Nationalmannschaft, ist gehört zu den besten Spielerin ihres Jahrgangs, sie wird hier bei uns ihren Weg gehen", sagt Kraus.

Jana Vojteková verlängert Vertrag

Nur auf die Jugend setzen sie im Möslestadion aber nicht. Trainer Kraus benötigt erfahrene Säulen, die helfen, dass sich die Talente entfalten können. Jana Vojteková hat unter der Woche verlängert. Die 29-jährige slowakische Nationalspielerin, ehemals beim SC Sand in der Ortenau aktiv, spielt seit 2019 für den Sportclub und steht für die erfahrene Riege der Bundesliga-Fußballerinnen in Freiburg. Sie spricht ihrem Trainer aus dem Herzen, wenn sie sagt: "Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass wir uns als Team weiterentwickeln und erfolgreich sind."

Gleichzeitig hegt sie denselben Wunsch wie die gesamte Frauen-Abteilung: Dass die Fußballerinnen das Schwarzwaldstadion weiternutzen dürfen, wenn die Männer in ihre neue Heimstätte beim Flugplatz wechseln. Die Talentschmiede der Freiburgerinnen hätte dann ein neues – wie sie finden –, angemesseneres Zuhause.

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