Wolf und Löwe spielen ohne Murren

Toni Nachbar

Von Toni Nachbar

Mo, 30. November 2020

EHC Freiburg

In der DEL 2 ist durch die Corona-Pandemie Improvisationskunst gefragt – und die Vereine wie der EHC Freiburg machen mit.

. Die DEL 2, die zweite deutsche Eishockey-Liga, versucht eine Menge, um s ich nicht von der Corona-Pandemie in die Knie zwingen zu lassen. Müssen Spiele derzeit wegen Quarantäne-Maßnahmen verlegt werden, werden rasch neue terminiert, um die Zahl der Nachholspiele gering zu halten. Der EHC Freiburg steht voll hinter der Improvisations-Politik der Liga.

"Das war heute ein anderes Spiel", sagte der Trainer der Dresdner Eislöwen, Rico Rossi, nach der 4:5 (1:1, 3:2, 0:2)-Niederlage seiner Mannschaft am Freitagabend in der Freiburger Echte-Helden-Arena. Damit wollte der Coach der Sachsen darauf hinweisen, dass dieses Eishockey-Match unter besonderen Umständen stattgefunden hat: "Am Donnerstag, um 16 Uhr, hatten wir erfahren, dass wir am Freitag nicht nach Bietigheim, sondern nach Freiburg fahren." Weil sich die Steelers aus Bietigheim wegen Corona-Fällen in Quarantäne befinden, schickte die DEL-2-Geschäftsführung die Eislöwen kurzfristig in den Breisgau statt in die Enz-Neckar-Region. Schließlich war den Wölfen vom EHC wegen Corona ebenfalls der Gegner abhanden gekommen – die Tölzer Löwen. "Wir wollen alles akzeptieren und alles tun, damit wir weiter Eishockey spielen können." So erklärte Rossi, wieso bei den Dresdnern kein Verantwortlicher am Donnerstag auf den Gedanken gekommen sei, das Angebot der Liga, nach Freiburg auszuweichen, abzulehnen.

Obwohl EHC-Coach Peter Russell einräumen musste, dass er bei dieser Holterdiepolter-Spielplanung erst am Freitagvormittag dazu kam, die Spielweise der Eislöwen per Video zu analysieren, ging auch die Freiburger Clubführung sofort auf das Angebot der Liga ein, gegen die Dresdner statt die Tölzer zu spielen: Mehr noch: Am späten Donnerstagabend meldete sich DEL-2-Geschäftsführer René Rudorisch nochmals in Freiburg und bot an, der EHC könne am Sonntag anstatt in Weißwasser – die Lausitzer Füchse sind ebenfalls in Quarantäne – bei den Frankfurter Löwen ein vorgezogenes Spiel bestreiten. Auch darauf ging man beim EHC prompt ein, obwohl ein "Nein" akzeptiert worden wäre. "Wir verstehen es, dass die DEL 2 die Anzahl der Nachholspiele so gering wie möglich halten will", sagt EHC-Vorsitzender Werner Karlin: "Eine sonntägige Auswärtsfahrt nach Frankfurt anstelle einer nach Weißwasser ist von der Logistik einfacher als umgekehrt. Man muss bedenken, dass wir für die viel längere Fahrt in die Lausitz drei Busfahrer gebraucht hätten." Trotz der Bereitschaft der Vereine, die kurzfristigen Spiel- und Reiseverlegungen ohne Murren hinzunehmen, plant die DEL-2-Geschäftsführung einen Strategiewechsel zum Spielplan, der mit den Clubs bei einer Videokonferenz am heutigen Montag besprochen werden soll.

Eine denkbare Erwägung ist angeblich, künftig bei Corona-Erkrankungen einiger Spieler nicht mehr den gesamten Kader unter Quarantäne zu stellen, um den DEL-2-Spielplan besser einzuhalten, als dies bisher gelungen ist. Dies setzt wohl ein Entgegenkommen der Gesundheitsämter voraus, die bislang die Quarantäne-Maßnahmen verfügten. Möglicherweise sind aber auch regelmäßige Testungen der DEL-2-Eishockey-Profis eine weitere Voraussetzung dafür. Laut Werner Karlin sei es bisher üblich, dass die Spieler am Spieltag von medizinischem Personal nach Symptomen befragt werden. Gebe es keine und würden auch beim angeordneten Fiebermessen keine Auffälligkeiten zutage treten, sei bisher auf Schnelltests verzichtet worden.

Der EHC Freiburg verlor am Sonntagabend im vorgezogenen Spiel bei den Frankfurter Löwen mit 4:5 (2:2, 0:2, 2:0, 0:1) nach Penaltyschießen. Die Tore der Freiburger in einem hochklassigen Spiel erzielten Nikolas Linsenmaier, Chris Billich, Cam Spiro und Scott Allen.