Youtube-Video als Quelle für Wissenschaft?

dpa

Von dpa

Sa, 20. Februar 2021

Deutschland

Wirbel um Hamburger Studie.

Hamburgs Wissenschaftsbehörde ist bei der umstrittenen Untersuchung zum Ursprung des Coronavirus des Nanowissenschaftlers Professor Roland Wiesendanger vorsichtig auf Distanz gegangen. "Wissenschaftsfreiheit ist ein unverrückbares Gut. Gleichwohl gilt für alle Formen wissenschaftlicher Forschung, dass bei unklarer oder unsicherer Datenlage Zurückhaltung in der Bewertung angebracht ist", sagte ein Sprecher von Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) am Freitag.

Der Nanowissenschaftler Wiesendanger kommt in einem Papier zum Ergebnis, dass sowohl die Zahl als auch die Qualität der Indizien für einen Laborunfall am virologischen Institut der Stadt Wuhan als Ursache der Pandemie sprechen. Seine Quellen sind dabei unter anderem Youtube-Videos – womit er eine Welle der Empörung im Netz ausgelöst hat. Fegebanks Sprecher sagte: "Ein Team der Weltgesundheitsorganisation hat erst vor wenigen Tagen einen umfangreichen Bericht zum Ausbruchsgeschehen in Wuhan vorgelegt und kommt zu anderen möglichen Szenarien." Wann der endgültige Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgelegt wird, ist offen. Dass das Virus aus einem chinesischen Labor entwich, hatte der beteiligte Experte Peter Ben Embarek zum Ende des Besuchs als unwahrscheinlich bezeichnet.

Die Universität wollte die Untersuchung nicht kommentieren. Die Universität Hamburg übe "keine Zensur zu Forschungsgegenständen und -ergebnissen ihrer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus", sagte eine Sprecherin. Auch von Wissenschaftlern wie der Top-Virologin Marylyn Addo, dem Leiter des Bernhard-Nocht-Institut, Jonas Schmidt-Chanasit, oder Universitätspräsident Dieter Lenzen gab es keine Stellungnahme. "Das ist keine Studie für wissenschaftliche Fachpublikationen", sagte Wiesendanger und kündigte an, sie zeitnah in mehreren Sprachen zu veröffentlichen. "Diese wissenschaftliche Kritik und Methodik fehlt in diesem Fall noch komplett", sagte Markus Weißkopf von der Initiative Wissenschaft im Dialog.