Zeitreise zu den Ursprüngen des Basler Münsters

sda, bz

Von sda & BZ-Redaktion

Do, 16. Mai 2019

Basel

Zum 1000-Jahr-Jubiläum wurde in der bisher unzugänglichen Krypta unter der Vierung eine Informationsstelle eingerichtet.

BASEL (sda/BZ). Zum 1000-Jahr-Jubiläum des Basler Münsters hat die archäologische Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt die Vierungs-Krypta für das Publikum geöffnet. Eine multimediale Präsentation vermittelt Einblicke in 1200 Jahre Baugeschichte. Im Jahr 1019 wurde die Kathedrale im Beisein von Kaiser Heinrich II. geweiht. Tatsächlich reicht die Baugeschichte 200 Jahre weiter zurück. In der neu öffentlich zugänglichen Krypta unter der Vierung des Kirchenbaus, also dort, wo Haupt- und Querschiff zusammentreffen, präsentiert die archäologische Bodenforschung nun eine multimediale Zeitreise vom ersten karolingischen Bau 820 bis zum spätgotischen Neubau kurz vor der Reformation.

Das Münster besaß eine zweiteilige Kryptenanlage, bestehend aus der Krypta unter der Vierung und der Ostkrypta. Die Anlage zählte zu den größten ottonischen Krypten. Die Krypta diente ursprünglich als spezieller Andachtsraum, als Grabstätte für Bischöfe und Aufbewahrungsort für Reliquien. Nach der Reformation verloren Krypten ihre Bedeutung. Sie wurden unter anderem als Lagerräume genutzt oder, wie im Falle der Krypta unter der Vierung, abgebrochen und zugeschüttet. Der Abbruch geschah im 19. Jahrhundert, um den öffentlichen Kirchenraum vor der Empore im Chorbereich zu vergrößern, wie der Basler Kantonsarchäologe Guido Lassau erklärte.

1966 wurde die Krypta zwar wieder freigelegt, aber nicht öffentlich zugänglich gemacht. Obwohl es sich um den einzigen Ort im Münster mit Resten aller Vorgängerbauten handelt, wurde die Krypta unter anderem als Heizungsraum genutzt. Zum 1000-Jahr-Jubiläum wurde die Krypta nun restauriert und öffentlich zugänglich gemacht. Originale Baubefunde, 3-D-Rekonstruktionen der vier Hauptbauphasen des Münsters, Exponate aus Bischofsgräbern sowie eine mediale 270-Grad-Inszenierung machen die Geschichte dieses mystischen Ortes erfahrbar. Die Besucher stehen auf einer Plattform im Zentrum der Krypta und tauchen in die szenografisch aufbereitete, wechselvolle Geschichte des Münsters ab. Anhand eines erlebnisorientierten Vermittlungskonzepts wird das Erbe zu einem Erlebnis für alle Altersgruppen. Inszenierung und Informationen sind auf Deutsch, Englisch und Französisch aufbereitet. Die Krypta bleibt auch über 2019 hinaus zugänglich – aber nur in der warmen Jahreszeit.