Kleinbauern und Umwelt schützen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 14. Juni 2019

Zell im Wiesental

Vortrag im Textilmuseum über Nachhaltigkeit bei Anbau und Verarbeitung von Baumwolle.

ZELL (BZ). Der Zeller Verein Frieden und Entwicklung hatte kürzlich ins Textilmuseum eingeladen zu einem Vortrag über Nachhaltigkeit bei Anbau und Verarbeitung von Baumwolle. Andreas Müller vom Vorstand des Textilmuseums war der Referent des Abends.

Müller beleuchtete das Thema von mehreren Seiten, von der Art des Anbaus, der Ernte (ökologischer Aspekt), über die Herstellung der Faser und des Stoffes bis hin zum Nähen der Kleidung (sozialer Aspekt). Manch einem der zahlreichen Besucher schauderte es bei der Aussage, dass konventionelle Baumwollpflanzen bis zu 20 Mal mit Pestiziden und Insektiziden gespritzt werden, sodass für jedes Baumwoll-T-Shirt etwa 125 Gramm Gift auf dem Acker landen. Aufwändiges Ernten mit der Hand, geringe Bezahlung und auch heute noch Kinderarbeit in den Entwicklungsländern machen die Arbeitsbedingungen für diese Menschen unwürdig, sagte Müller.

Für die Menschen, die beim Ernten und Nähen mit der vergifteten Baumwolle in Berührung kommen, sind die gesundheitlichen Schäden vorprogrammiert. Nach Schätzungen der Internationalen Arbeiterorganisation müssen 98 Millionen Kinder weltweit in der Landwirtschaft arbeiten – auch auf den Baumwollfeldern. Müller wies darauf hin, dass es in den großen Textilfabriken weitergeht mit elenden Arbeitsbedingungen – Arbeitstage von bis zu 16 Stunden seien keine Seltenheit, sieben Tage die Woche. Steigen die Löhne in einem Land, wandern die westlichen Firmen in billigere Länder wie Vietnam, Kambodscha, Laos, Myanmar und mittlerweile auch Ostafrika, wo der Lohn pro Tag 1,10 Euro beträgt. Kostet ein T-Shirt hierzulande 5 Euro, gehen etwa 13 Cent an die Näherin.

Müller zeigte in seinem Vortrag auch Alternativen auf: Biologisch angebaute Baumwolle bringt Kleinbauern mehr Verdienst und schont die Umwelt. Auch wenn Bio-Baumwolle nichts über soziale Standards aussagt, bewahrt ein Bio-T-Shirt sieben Quadratmeter Anbaufläche vor Pestiziden und Dünger. Die ökologische Wirtschaftsweise wirkt sich gerade für Kleinbauern in ärmeren Ländern positiv auf die Lebensumstände aus. Der Anteil von Textilien mit dem GOTS-Siegel (Global Organic Textile Standard) macht laut Umweltbundesamt gerade mal 0,6 Prozent aus. Nur etwa ein Prozent der Baumwolle wird biologisch angebaut und hergestellt.