Mit Mozart auf jazzige Kinderreise

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 01. Juni 2019

Zell im Wiesental

Das Fakstheater Augsburg gastiert auf Einladung von Heidi Knoblich mit modernen Tönen an der Gerhard-Jung-Schule Zell.

ZELL (BZ). Wenn das musikalische Wunderkind Wolfgang Amadeus Mozart heute noch lebte, wäre es dann ein Rapper, Rocker oder Techno-Fan? Für das Fakstheater Augsburg gibt es eine klare Antwort: "Mozart wäre ein großartiger Jazzer!" Nach den Pfingstferien wollen die Augsburger mit einer Aufführung der "Wunderkindreise" an der Zeller Gerhard-Jung-Schule den Beweis für diese steile These antreten.

Was ist geplant und warum? Im November jährt sich der Geburtstag von Mozarts Vater, Leopold Mozart, zum 300. Mal. Ihm zu Ehren hat das Fakstheater Augsburg in dessen Geburtsort das Jazzkonzert "Wunderkindreise" produziert. Die Zeller Schriftstellerin Heidi Knoblich konnte das Ensemble mit Unterstützung der Stiftung Landesbank Baden-Württemberg, der Stadt Zell und dem Hotel "Löwen" für eine Aufführung nach den Pfingstferien an der Gerhard-Jung-Schule gewinnen.

Die wahre Wunderkindreise: Mozarts Vater Leopold war ein ehrgeiziger Musikpädagoge und bildete zunächst die Tochter Nannerl zur Pianistin aus. Schon bald entdeckte er, dass die Tintenkleckse, die sein vierjähriger Sohn Wolferl aufs Notenpapier klatschte, Noten waren – und zwar eine richtige Komposition. Die Kunststücke, die Nannerls Bruder im frühen Lebensalter an der Geige und Klavier vollbrachte, versetzten die versiertesten Musiker in ungläubiges Erstaunen. Fortan sah es Leopold Mozart als seine Lebensaufgabe an, der ganzen Welt diese musikalischen Wunder vorzuführen. Als die Familie Mozart am 9. Juni 1763 zur großen, dreieinhalbjährigen Reise durch halb Europa aufbrach, ist Wolfgang gerade sieben Jahre alt. Und während "normale" Kinder in die Grundschule gehen, traten die Mozart-Geschwister vor Königen und Fürsten auf und feierten in Paris, London und Amsterdam Triumphe. Die langen Kutschfahrten nutzte Vater Leopold, um seine Kinder zu unterrichten – Wolfgang Amadeus Mozart hat nie eine Schule besucht. In vielen Sprachen – Französisch, der Opernsprache Italienisch und auch Englisch – konnte er sich verständigen.

Die Augsburger Wunderkindreise: Schauspielerin Karla Andrä nimmt die Schülerinnen und Schüler mit auf eine moderne jazzig-musikalische Reise zu den Schauplätzen. Das Ensemble erzählt von harten Kutschbänken und muffigen Gasthäusern, von umjubelten Konzerten und unsterblicher Musik. Das Jazztrio wird spontan auf Mozarts Lieder improvisieren, die ihnen die kleinen Zuschauer vorsingen. Lieder wie "Komm lieber Mai und mache die Bäume wieder grün" und "In meinem kleinen Apfel, da sieht es niedlich aus". Letztere Melodie entstammt aus Mozarts Oper "Die Zauberflöte".

Was läuft in Zell? Gerhard Bund, Chorleiter der Gerhard-Jung-Schule, übt derzeit die Lieder mit den Schülerinnen und Schülern für diese Vorführung ein. Heidi Knoblich wird die Schüler im Vorfeld auf das spannende Leben der Wunderkinder einstimmen. Bürgermeister Peter Palme ist Schirmherr und hofft: "Dies ist ein weiterer Schritt, Constanze Mozart in Zell noch mehr zu verankern."

Die Autorin: Heidi Knoblich bringt seit Jahren das Leben der in Zell geborenen Mozart-Frau, Constanze Mozart, in vielerlei Formen in Erinnerung. So hat die Zellerin den Roman "Constanze Mozart geb. Weber" veröffentlicht. Zu ihrem Mozart-Engagement sagt sie: "Mir liegt es am Herzen, den Zeller Kindern aufzuzeigen, dass in dem Ort, in dem sie zur Schule gehen, die Ehefrau des Musikgenies W. A. Mozart und deren Schwestern Josepha und Aloysia, die berühmtesten Mozart-Interpretinnen ihrer Zeit, geboren wurden." Um in den Schülern dieses Bewusstsein zu wecken, bringt sie ihnen nun mit der "Wunderkindreise" das Kind Mozart und seine Musik näher.