Interview mit dem Erzbischof

Zollitsch: Da kommt ein Mann, der für eine Wahrheit steht, die über diese Welt hinausweist

Jens Schmitz

Von Jens Schmitz

Sa, 24. September 2011 um 00:06 Uhr

Deutschland

Auch Katholiken tun sich manchmal schwer mit Tradition und Ideenwelt des Papstamts. Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch über die Person und Aufgabe Benedikts XVI. und die Perspektiven seines Deutschlandbesuchs.

BZ: Herr Erzbischof, Sie haben den Papst nach Deutschland eingeladen, dabei war er schon zweimal da. Warum war Ihnen das dritte Mal wichtig?
Robert Zollitsch: Ich darf darauf hinweisen, dass die erste Einladung vom Bundespräsidenten kam, und zwar noch von Horst Köhler. Der neue Bundespräsident Christian Wulff hat das bei mir dann ebenfalls gleich angesprochen: Der Papst solle auch zu einem offiziellen Besuch kommen, nachdem er 2006 seine bayerische Heimat besucht hat und 2005 aus aktuellem Anlass beim Weltjugendtag in Köln war. Natürlich habe ich mich dieser Einladung gern angeschlossen, zumal mein Vorgänger Erzbischof Oskar Saier mehrfach versucht hatte, Johannes Paul II. auch nach Freiburg einzuladen. Als ich meinen Antrittsbesuch bei Johannes Paul II. machte, hat er zwei Anmerkungen gemacht. Die erste war: "Ach, Nachfolger von Oskar Saier." Und dann: "Freiburg – da war ich noch nicht." Das habe ich später natürlich Papst Benedikt erzählt. Da hat er geschmunzelt und gesagt: "Einiges muss ich noch nachholen von dem, was Johannes Paul nicht gemacht hat." Auf diese Weise ist es möglich, dass jetzt erstmals in der fast 1600-jährigen Geschichte des Christentums am Oberrhein ein Papst nach Freiburg kommt.

BZ: Ist das auch eine Auszeichnung für Ihre Arbeit?
Zollitsch: Der Besuch ist sicher auch damit verbunden, dass der Erzbischof von Freiburg auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist.

BZ: Der Besuch ist nicht nur ein Pastoral-, sondern auch ein Staatsbesuch. Warum könnten sich nichtkatholische Bürger dafür interessieren?
Zollitsch: Ich glaube, es gibt viele Neugierige, die sagen, wenn der Papst zu uns nach Deutschland kommt, will ich ihn erleben. Ich habe gerade bei den Anmeldungen im Bistum Erfurt im Osten gemerkt: Viele kommen aus Neugierde. Die Menschen spüren, da kommt ein Mann, der für einen Wert steht. Einer, der nicht unmittelbar für die Werte dieser Welt spricht, der den Horizont aufreißen möchte nach der Frage, wofür zu leben sich lohnt. Den wollen die Menschen hören und erleben.

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