Nachruf

Zum Tod von Dick Dale: Die Kraft der Wellen

Peter Disch

Von Peter Disch

Mo, 18. März 2019 um 17:59 Uhr

Rock & Pop

Er hat den Surfrock mit geprägt, viele Gitarristen nach ihm und spätere Genres beeinflusst. Nun ist Dick Dale im Alter von 81 Jahren gestorben. Eine Würdigung.

Es gibt wesentlich erfolgreichere und damit bekanntere Gitarristen, die den Rock prägten. Trotzdem gehört Dick Dale, der am Samstag im Alter von 81 Jahren gestorben ist, zu den stilbildenden Individualisten auf den sechs Saiten. Zusammen mit Link Wray kreierte er den instrumentalen Surfrock. Das tat er mit einer eigenen, fingerfertigen Spieltechnik und der Neugier eines Forschers. Dale lotete die Möglichkeiten von Verstärkern und Gitarren aus. So schuf er seinen eigenen Sound.

Als der in Boston geborene Dale in den 1950ern mit seiner Familie nach Kalifornien zog, entdeckte er das Wellenreiten. Der Versuch, die neue Leidenschaft mit der bereits vorhandenen, der Musik, zu verbinden, brachte seine Lesart der Surfmusik hervor. Viele verbinden mit dem Surfsound dessen poppige, harmonische Variante – vorneweg die Beach Boys. Während sie mindestens so viel darüber sangen, was vor und nach dem Surfen am Strand läuft, ging es Dale um die Kraft der Wellen und den Rausch des Ritts. Die Urgewalt der Elemente spricht für sich – also machte er Instrumentalmusik. Und weil sie donnern sollte wie die Brandung des aufgewühlten Meeres, spielte er ohrenbetäubend laut, schnell und mit viel Hall.

Bestes Beispiel dafür ist "Misirlou" von 1962 – im Original ein Volkslied aus Griechenland, das Dale in atemberaubender Geschwindigkeit spielte. Dales Wildheit, die sich auch darin äußerte, dass er auf der Bühne Plektren en masse schredderte und Verstärker Rauchsignale sendeten, beeinflusste von Garagen- über Punkrock bis Heavy Metal eine Menge Spielarten des Rock. Dale konnte aber auch langsamer und melodischer – so wie in "Let’s Go Trippin", seinem anderen großen Hit, aus dem seine Liebe für den Rockabilly besonders deutlich spricht.

Dass Quentin Tarantino "Misirlou" 1994 in seinem Film "Pulp Fiction" verwendete, brachte Dale 30 Jahre nach seinen erfolgreichsten Zeiten nochmal einen kurzen Popularitätsschub. Bis zuletzt trat er auf – im kleinen Rahmen, der im krassen Gegensatz zu dem stand, was er für die Musik geleistet hat.