Zuschüsse für flexible Kinderbetreuung

Michael Sträter

Von Michael Sträter

Mi, 26. Juni 2019

Kandern

Ab September bezuschusst die Stadt Kandern Plätze bei Tagesmüttern – ein Hausbesuch in Feuerbach.

KANDERN-FEUERBACH (mor). In Kandern wächst der Bedarf an Krippenplätzen so stark, dass die Kindergärten die Nachfrage nicht mehr befriedigen können. Um dem elterlichen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung nachzukommen, bezuschusst die Stadt Kandern nun die Kosten für Tagesmütter. Ein Hausbesuch.

Mika, Maya, Mila und Johanna machen große Augen. Seit einer Woche schon ist die Rede davon, dass heute der Bürgermeister kommt. Eingeladen hat ihn Ute Bieler, die in ihrem Zuhause in Feuerbach seit 2002 Kinder betreut. Jetzt ist er da. Die Kleinen, allesamt nicht älter als drei Jahre, wissen nicht, was ein Bürgermeister macht. Aber eines ist klar: Dieser Besuch ist etwas Besonderes. Schüchtern beäugen sie die Besucherschar, die sich in dem großen, länglich geschnittenen Spielzimmer mit leuchtend gelben Wänden eingefunden hat.

Cornelia Flury, bei der Stadtverwaltung für die Kinderbetreuung zuständig, hat nicht nur Bürgermeister Christian Renkert, sondern auch die Auszubildende Tamara Bugge sowie drei Pressevertreter mitgebracht. Mit dabei ist außerdem Gabriele Scheidbach samt Tochter, die seit 2017 in Wollbach als Tagesmutter arbeitet. Als dann etwas später Jutta Kübler dazu kommt, haben sich die Kinder schon an die Besucher gewöhnt. Und bereits Freundschaft mit dem mysteriösen Herrn Bürgermeister geschlossen.

Kübler ist die Vertreterin des Weiler Vereins Fachdienst Kindertagespflege "Wunderfitz", mit der die Stadt kürzlich eine Kooperation vereinbart hat. Dies ist der Anlass für den Besuch in Feuerbach. Demnach bezuschusst die Kandern ab September zehn Tagesmutter-Plätze für je maximal 30 Stunden pro Woche. Der Zuschuss beträgt drei Euro pro Stunde, erläutert Cornelia Flury. Hinzu kommt eine Fördermöglichkeit vom Landratsamt in Höhe von 6,50 Euro. Bevorzugt erhalten bedürftige Familien den Zuschuss, wobei die Bedürftigkeit nicht an "harte" Vorgaben geknüpft sei, sondern individuell geprüft werde, sagt Jutta Kübler.

Eine Tagesmutter kostet ihr zufolge im Schnitt 8,50 bis 15 Euro pro Stunde. Ein Krippenplatz kostet in Kandern laut Cornelia Flury monatlich 350 Euro (verlängerte Öffnungszeiten) beziehungsweise 440 Euro (ganztags). Auf den Monat gerechnet ist die Tagesmutter-Betreuung also teurer als ein Krippenplatz. Dafür ermögliche sie mehr Flexibilität, weil sie nicht an die Öffnungszeiten eines Kindergartens gebunden sei, sagt Ute Bieler. Zudem sei die Betreuung familiär, mit einer einzigen Bezugsperson, was vor allem in den ersten drei Lebensjahren wichtig sei. Und für Eltern, die ihr Kind höchstens drei Tage lang nicht selbst betreuen wollten, sei diese Variante sogar günstiger.