Jugend und Beruf

Zwischen Theke und Tiegeln – Pharmazeutisch-technische Assistenten

Amelie Breitenhuber

Von Amelie Breitenhuber (dpa)

Fr, 30. April 2021 um 11:10 Uhr

Anzeige Nicht nur in Zeiten der Corona-Pandemie kommt Apotheken eine wichtige Bedeutung zu. Pharmazeutisch-technische Assistentinnen und Assistenten beraten und stellen Rezepturen her.

Eine kleine Erkältung, ein ziepender Muskel, ein aufgeschürftes Knie: Bei solchen Beschwerden führt oft der erste Gang in die Apotheke. Es sind aber nicht immer Apotheker, die dann weiterhelfen. Genauso bedienen auch Pharmazeutisch-technische Assistenten, kurz PTA, die Kunden.

Information und Beratung der Patienten sei nach der Ausbildung die wichtigste Aufgabe der PTA, bestätigt Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer. Neben einem Realschulabschluss, der Voraussetzung für die Ausbildung ist, sollten sich angehende PTA deshalb nicht nur für Naturwissenschaften interessieren, sondern auch gerne Kontakt zu Menschen haben. Zudem sei ein gewisses Verständnis im Umgang mit Computern wichtig, denn in den Apotheken sind sehr viel mehr Prozesse digitalisiert als Kunden das bei einem Apothekenbesuch wahrnehmen, erklärt Sellerberg, die selbst Apothekerin ist.

PTA sind nicht nur an der Theke tätig: Sie stellen zum Beispiel Salben her oder prüfen Stoffe im Labor. Deshalb sollten sie sehr genau und sorgfältig arbeiten sowie manuelles Geschick mitbringen.

Insgesamt dauert die Ausbildung zweieinhalb Jahre. Zuerst besuchen angehende PTA zwei Jahre lang eine Berufsfachschule, die mit dem ersten Teil ihrer staatlichen Prüfung abschließt. Schließlich geht es in die Apotheke – für sechs Monate Praktikum, auf das der zweite Teil der Prüfung folgt. Wer alles bestanden hat, darf künftig als PTA in der Apotheke arbeiten.

Während ihres Praktikums werden die angehenden PTA Schritt für Schritt an die Information und Beratung der Patienten herangeführt, erklärt Sellerberg. Sie unterstützen auch das kaufmännische Personal der Apotheke, und lernen so die Abläufe und die Fertigarzneimittel kennen. Außerdem "stellen sie individuelle Arzneimittel, wie Cremes oder Zäpfchen – sogenannte Rezepturen – her und prüfen Ausgangsstoffe von Rezepturarzneimitteln." Das Schöne am Beruf ist für viele, dass sie Tag für Tag Menschen bei ihren Problemen oder Beschwerden weiterhelfen können. "Die Beratung der Patienten wird oft als sehr erfüllend wahrgenommen, zum Beispiel wenn man einem Patienten erklären kann, wie er sein Arzneimittel richtig anwendet", erklärt Sellerberg. Wer jeden Tag Menschen zu Fragen rund um ihre Gesundheit berät, erfährt oft auch viel Persönliches. "Die Schicksale, die hinter einigen Patienten stehen, sind manchmal nicht einfach zu bewältigen und erfordern viel Fingerspitzengefühl", sagt Sellerberg zu den Herausforderungen des Berufs.

Weil PTA ihre Ausbildung an einer Berufsfachschule machen, bekommen sie in den ersten zwei Jahren keine Vergütung. Stattdessen mussten sie zum Teil Schulgeld, Aufnahme- und Prüfungsgebühren oder Materialkosten bezahlen. An öffentlichen Schulen ist die Ausbildung für die Schüler und Schülerinnen in der Regel kostenlos, wie die Bundesagentur für Arbeit auf dem Portal Berufenet erklärt. Aber auch bei Schulen in freier Trägerschaft ist das Schulgeld offenbar ein Auslaufmodell. So übernimmt etwa Nordrhein-Westfalen rückwirkend zum Jahresbeginn das Schulgeld für alle PTA-Ausbildungen.

Schülerinnen und Schüler können zudem eine Ausbildungsförderung wie etwa Bafög beantragen. Um den Berufseinstieg müssen sich PTA in der Regel keine Sorgen machen. Sie würden bundesweit gesucht, sagt Sellerberg.
Aktuelle Ausbildungsplätze sind hier gelistet.