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196 Kilometer pro Stunde

Peter Nonnenmacher und AFP

Von & AFP

Sa, 19. Februar 2022

Panorama

Der zweite Wintersturm dieser Woche trifft zuerst die britischen Inseln / Mehrere Menschen sterben.

Auch in London war es stürmisch.  | Foto: TOLGA AKMEN (AFP)
Auch in London war es stürmisch. Foto: TOLGA AKMEN (AFP)

.  Beträchtliches Unheil hat am Freitag zunächst in weiten Teilen Irlands und Großbritanniens ein Orkan angerichtet, der in der Folge als Sturm Zeynep nach Mitteleuropa weitergezogen ist. Der Orkan, der jenseits des Ärmelkanals Eunice hieß, erreichte an der Südküste Englands Rekordgeschwindigkeiten.  In Großbritannien, Irland, Belgien und den Niederlanden starben mindestens sieben Menschen.

In der Gegend von Ballythomas im Südosten Irlands sei ein um die 60 Jahre alter Mann durch einen umstürzenden Baum getötet worden, so die Polizei. Auf der Isle of Wight vor Englands Südküste traf Eunice mit Rekord-Windgeschwindigkeiten von 196 Stundenkilometern auf Land. Dies sei nach vorläufiger Einschätzung "die stärkste jemals in England gemessene Böe", teilte die britische Wetterbehörde Met Office mit.

Während schwere Brecher gegen die Küsten von Wales, Cornwall und Devon schlugen, entwurzelte der Sturm vielerorts Bäume und legte Verkehrswege aller Art lahm. Erstmals in der Geschichte von Wales musste der Bahnbetrieb dort vollkommen eingestellt werden. Auch in England fielen zentrale Bahnstrecken im Laufe des Tages aus.  Dächer und Kirchtürme wurden vom Sturm abgedeckt, und auf Straßen und Autobahnen gab es wegen umgestürzter Lastwagen lange Staus und Wartezeiten.

Wichtige Hochbrücken-Verbindungen, wie die auf der Hauptstrecke zwischen London und Cardiff, wurden zeitweise gesperrt.  Ein Großteil des Fährverkehrs, darunter die Fährverbindung zwischen Dover und Calais, wurde ebenfalls eingestellt. Die größeren Flughäfen strichen am Freitagnachmittag Flüge, nachdem mehrere ankommende Flugzeuge ins Trudeln geraten waren und die Landung abbrechen mussten. Mehr als 500 Flüge wurden abgesagt.  

Zum ersten Mal fand sich auch die Hauptstadt London in der roten Warnzone. Bürgermeister Sadiq Khan hatte seine Mitbürger gebeten, ihre Wohnungen und Häuser nach Möglichkeit nicht zu verlassen.  Krankenhäuser sagten Termine ab. Alle Postauslieferung wurde auf Samstag verschoben. Im Osten Londons wurde das Kuppeldach der O2-Arena – des alten Millenium-Doms – vom Sturm zerrissen. Tausend Besucher mussten aus der Arena in Sicherheit gebracht werden. Das Dach über dem Stadion von Tottenham Hotspurs begann auf und ab zu schwingen. Der Turm eines Kraftwerks in der Grafschaft Kent stürzte um. In der Regierungszentrale in No 10 Downing Street kam der Katastrophenausschuss zusammen, um die Hilfsmaßnahmen zu koordinieren. Das Militär, so erklärte die Regierung, stehe zum Einsatz bereit.

Verweise handelten sich unterdessen abgebrühte Wasserratten ein, die in der Grafschaft Somerset zum Surfen oder zum Schwimmen in die wilde Brandung gestiegen waren. Polizeibeamte beorderten sie an Land zurück.  In Irland blieben alle Schulen geschlossen. In mehr als 80 000 Haushalten und Geschäften fiel der Strom aus. Weite Teile Schottlands fanden sich derweil unter einer Schneedecke und mit vereisten Straßen wieder.

Von England aus zog Eunice nach Dänemark weiter. Züge mussten dort mit verringerter Geschwindigkeit fahren, für die Nacht wurde mit der Sperrung der Brücke über den Großen Belt gerechnet.

Die Deutsche Bahn stellte ihren Regional- und Fernverkehr in Norddeutschland am Nachmittag schrittweise ein. Hier wurde Eunice unter dem Namen Zeynep mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern erwartet. Der Deutsche Wetterdienst gab Unterwetterwarnungen für den Norden, die Mitte und den Osten des Landes heraus.

In den Niederlanden rief die Meteorologiebehörde Warnstufe rot aus. Medienberichten zufolge wurden hunderte Flüge gestrichen, der Zugverkehr sollte am Nachmittag eingestellt werden. Auch in Belgien war der Bahnverkehr beeinträchtigt. Die Behörden riefen die Bürger auf, nur in dringenden Fällen das Haus zu verlassen. In der nordfranzösischen Bretagne verursachte Eunice bis zu vier Meter hohe Wellen und beeinträchtigte den Bahnverkehr.

Bereits am Mittwoch hatte der Sturm Dudley in Großbritannien für Verkehrschaos und Stromausfälle gesorgt, aber keinen größeren Schaden angerichtet. Danach richtete dasselbe Sturmtief unter dem Namen Ylenia in Deutschland und mehreren Nachbarländern Unheil an.

Ressort: Panorama

  • Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der BZ vom Sa, 19. Februar 2022:
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