"Aber es macht trotzdem Spaß"

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Mo, 06. April 2020

Radsport

BZ-INTERVIEW mit Pascal Husterer aus Kippenheim über Radtraining in schwierigen Zeiten.

LAHR. Am Sonntagvormittag ist die Telefon-Verbindung eher schlecht. Pascal Husterer sitzt – natürlich – auf dem Rennrad. Der Himmel ist blau, die Temperaturen nähern sich der 20-Grad- Marke. "Rufen Sie in vier Stunden nochmal an," sagt er. Der 26 Jahre alte Radrennfahrer des Teams Belle Stahlbau (früher Racing Students) nutzt die freie Zeit, um stressfrei zu trainieren. Hinterher hat sich Uwe Schwerer mit dem Mahlberger, der mittlerweile in Kippenheim wohnt, unterhalten.

BZ: Die Saison ist noch nicht in Gang gekommen, Rennen finden derzeit nicht statt. Wie motiviert sind Sie im Training?

Husterer: Ich habe großen Spaß am Radfahren, unabhängig von der aktuellen Lage und von Wettkämpfen. Natürlich fehlt etwas am Wochenende. Aber ich bin trotzdem motiviert. Ich versuche, meine Form bei 80 Prozent zu halten. Wenn es dann losgeht, kann man nochmal etwas drauflegen im Training, damit man auf 90 oder 100 Prozent kommt.

BZ: Sie haben den Vorteil, dass Sie als Radrennfahrer eigentlich fast uneingeschränkt trainieren können.

Husterer: Genau. Ich kann quasi trainieren, wie ich will, aber ich muss eben das Gruppenfahren vermeiden. Ich bin kaum eingeschränkt und kann meinen Trainingsplan verfolgen. Meist trainiere ich allein oder zu zweit.

BZ: Wer ist ihr Trainingspartner, wenn Sie zu zweit unterwegs sind?

Husterer: Mein Teamkollege Manuel Müller, der in Kenzingen-Bombach wohnt. Oft treffen wir uns in der Mitte. Oder einer holt den anderen mal ab.

BZ: Wie lange war die Trainingsrunde heute Morgen und welche Strecke sind Sie gefahren?

Husterer: 120 Kilometer. Erst den Streitberg hoch, dann Geisberg, Elzach, Landwassereck, hinten runter nach Gutach, Hausach, Haslach, Fischerbach, dann auf den Brandenkopf, danach in Richtung Zell am Harmersbach, Prinzbach, Schönberg, Lahr, Langenhard, Sulz und zurück nach Kippenheim.

BZ: Das klingt nicht schlecht. Wie viele Höhenmeter waren das?

Husterer: Rund 2 000.

BZ: Eigentlich sind Sie kein Bergfahrer.

Husterer: Da haben sie recht. Aber es macht trotzdem Spaß. Ich fahre im Training gerne den Berg hoch. Man kommt viel rum und sieht auch mal andere Ecken, wenn man nicht nur in der Rheinebene unterwegs ist. Die Landschaft ist schön, das genieße ich schon.

BZ: Rechnen Sie damit, dass die Rennen irgendwann doch wieder stattfinden?

Husterer: Ich hoffe, dass es schnell wieder losgeht. Man arbeitet den ganzen Winter darauf hin. Ich denke aber, dass die Pause noch eine Weile dauert, sicherlich bis in den Juni.

BZ: Gerade wird diskutiert, ob die Tour de France ohne Zuschauer stattfinden könne. Wie finden sie das?

Husterer: Schlecht. Ohne Fans fehlt etwas. Die lange Steigungen, die Sprintankünfte – ohne Zuschauer kann ich mir das nur schwer vorstellen. Aber besser, als die Tour gar nicht auszutragen, wäre es allemal. Vielleicht gibt es die Chance, die Tour zu verschieben. Da Olympia in diesem Jahr nicht stattfindet, gibt es da ein paar Optionen mehr.

BZ: Wie läuft derzeit die Kommunikation im Team?

Husterer: Wir haben unsere Whatsapp-Gruppe. Aber viel zu erzählen gibt es eigentlich nicht. Jeder kümmert sich darum, sich selbst einigermaßen fit zu halten.

Pascal Husterer hat sein Studium an der Hochschule Offenburg beendet. Er arbeitet als Maschinenbauingenieur bei der Firma Quattro-Form in Ettenheim.