Acht Tage Hitze und Staub in Südafrika

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Fr, 13. März 2020

Mountainbike

Die Hochschwarzwälder Mountainbiker Simon Stiebjahn und Adelheid Morath wollen beim Etappenrennen Cape Epic aufs Podest.

KAPSTADT. Mit der 17. Auflage des Etappenrennens Cape Epic in Südafrika steht für die Hochschwarzwälder Mountainbiker Adelheid Morath und Simon Stiebjahn von Sonntag an der erste Saisonhöhepunkt auf dem Programm. Beide peilen mit ihren jeweiligen Partnern eine Podest-Platzierung an.

Acht Tage Staub, Hitze und Geröll, 647 Kilometer und 15550 Höhenmeter bergauf. Die Prüfung wird auf den acht Etappen von Kapstadt bis zum Val de Vie in Paarl Mensch und Material wieder ans Limit bringen. Aber das macht ja den Reiz dieses "ungezähmten" Mountainbike-Etappenrennens aus. Der Langenordnacher Simon Stiebjahn geht zum zweiten Mal mit dem Schweizer Urs Huber für das Team Bulls ins Rennen. Er habe aus dem vergangenen Jahr gelernt, sagt Stiebjahn. "Durch die neue Team-Konstellation mit Urs wollte ich 2019 früh beweisen, dass ich der Aufgabe an der Seite eines ehemaligen Cape-Epic-Siegers gewachsen bin. Damals war ich schon beim Tankwa Trek vier Wochen vorher sehr fit und das war zu früh", sagt der Langenordnacher, der Ende des Monats 30 Jahre alt wird.

"Das Cape Epic

ist unberechenbar."

Adelheid Morath
Immerhin, es reichte für Stiebjahn vor einem Jahr zum vierten Gesamtrang. Dieses Jahr verzögerte Stiebjahn seinen Formaufbau. "Ich habe auf innere Ruhe gesetzt und auf mein Gefühl vertraut. So konnte ich in den vergangenen Wochen noch mal zulegen und lange Einheiten fahren. Jetzt fühlt es sich ziemlich gut an", zeigt er sich zuversichtlich:"Wir möchten aufs Podest fahren." Dass es da mindestens zwei Teams gibt, die schwer zu knacken sind, ist ihm bewusst. Die Vorjahressieger Nino Schurter und Lars Forster aus der Schweiz gelten als Favoriten, das deutsch-brasilianische Duo Manuel Fumic und Henrique Avancini hat ähnliche Qualitäten. Wenn der Olympiasieger von London, Jaroslav Kulhavy (Tschechien) in Form ist, dann ist er mit dem US-Amerikaner Howard Grotts Topfavorit. Die Streckenführung, die diesmal auf ein Zeitfahren in der Wochenmitte verzichtet, ist für Stiebjahn/Huber von Vorteil. "Prozentual gesehen haben wir da 2019 am meisten verloren", erinnert sich Stiebjahn. In der Landschaft um Wellington, die Schauplatz im letzten Drittel des Etappenrennens sein wird, kennen Stiebjahn und Huber viele Trails. "Zu wissen, was einen erwartet, ist schon ein Vorteil", weiß der Hochschwarzwälder.

Für das Team Bulls gehen zudem das erfahrene Duo Alban Lakata/Karl Platt und die beiden Youngster Martin Frei/Simon Schneller ins Rennen. Die beiden Jungen dienen als Backup für den Fall eines Defekts. Mit einem solchen Backup-Duo kann auch Adelheid Morath zum ersten Mal ins Cape Epic starten. Sie fährt mit der Südafrikanerin Robyn de Groot für das Team Dormakaba-Blue, während die Olympiasiegerin von Peking, Sabine Spitz trotz Rücktritt im Herbst gemeinsam mit Amy McDougall (Südafrika) als Dormakaba-Red ins Rennen geht. Robyn de Groot hat im Vorjahr den Rothaus Bike-Giro im Hochschwarzwald gewonnen und hat mit Morath bereits das viertägige Tankwa Trek bestritten.

"Dormakaba hat mir ein sehr gutes Angebot gemacht und wir werden gut betreut", sagt Adelheid Morath. Bis vor kurzem habe sie noch "viel Stress" damit gehabt, ihr Training und die Prüfungen an der Hochschule unter einen Hut zu bekommen. "Aber ich bin sehr zufrieden und ich bin gut in Schuss", sagt die St. Märgenerin. "Das Podium ist das Ziel. Die Strategie ist es aber, von Tag zu Tag zu schauen und jede Etappe einzeln zu sehen. Wir wollen natürlich von Anfang an versuchen vorne dabei zu sein, aber das Cape Epic ist unberechenbar", weiß die 35-Jährige. Bei den Frauen sticht ein Team heraus. Die fünffache Siegerin Annika Langvad (Dänemark) bildet mit Rio-Olympiasiegerin Jenny Rissveds aus Schweden eine Paarung, die kaum zu besiegen sein wird. Rissveds kam 2019 zurück ins Wettkampf-Geschehen, nachdem sie 2017 wegen einer Depression eine Pause eingelegt hatte. Dahinter scheint alles offen und es ist nicht ausgeschlossen, dass Adelheid Morath ihren zweiten Platz aus dem Vorjahr (mit Candice Lill) wiederholen kann.

Nach dem Cape Epic ist für Morath die Heim-WM in Albstadt Ende Juni der nächste Saisonhöhepunkt. Für die Erfüllung der Olympia-Norm bleiben nur noch die EM und ein Weltcup im Mai. "Da werde ich nicht viel Chancen haben", weiß die St. Märgenerin. Mit Ronja Eibl und Elisabeth Brandau haben zwei Fahrerinnen die Norm schon mehrfach erfüllt. Aber ausgeschlossen ist das Tokio-Ticket für Adelheid Morath trotzdem nicht.