ADAC und ADFC bemängeln Radwege

dpa

Von dpa

Fr, 16. Oktober 2020

Panorama

Jeder dritte Fahrradstreifen in Deutschland erfüllt nicht die erforderlichen Mindestbreiten.

In seltener Einigkeit kritisieren Auto- und Fahrrad-Lobbyisten die Radwege in deutschen Städten. Rund jeder dritte Radweg, 36 Prozent, erfülle nicht einmal die jeweilige Mindestbreite, teilte der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) am Donnerstag unter Berufung auf eine aktuelle Stichprobe mit. "Die Regelbreiten erreichte oder überschritt sogar nur jeder fünfte Radweg."

Der Auto-Club hatte auf 120 Routen in den fünf Landeshauptstädten mit dem höchsten Anteil an Radfahrern sowie den fünf Landeshauptstädten mit dem niedrigsten Anteil am Verkehr überprüft, ob die bestehenden Radwege dem immer größer werdenden Andrang gewachsen sind. Als Maßstab legte der ADAC die geltenden Empfehlungen an, wonach beispielsweise ein nur in einer Richtung zu befahrender Radweg mindestens 1,60 Meter, im Regelfall aber zwei Meter breit sein sollte.

"Selbst die Sollbreite von 2 Metern halten wir noch deutlich für zu schmal. 2,50 Meter sind für uns die Mindestbreite, 3 Meter die Sollbreite", betonte der Bundesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Burkhard Stork. Er bemängelte nicht nur den Platz: "Fast alle Radwege sind nicht in Asphalt ausgeführt, sondern mit Steinen gepflastert. Sie sind oft in ganz, ganz schlechtem Zustand, häufig sind sie von Wurzeln aufgebrochen."

Stork sagte auf Anfrage: "Unseres Wissens nach gibt es keine Stadt in Deutschland, die auf den Radwegen vernünftig Schnee räumt. Und wenn jetzt der Herbst da ist, räumt auch annähernd keine Stadt das Laub vernünftig. Das ist gefährlich, das ist rutschig, man sieht oft gar nicht, wo genau der Radweg ist."

Umso mehr macht sich der fehlende Platz bemerkbar. Laut ADAC-Test erreichte einzig Kiel mit Fokus auf die Breite der Radwege ein gutes Gesamturteil; dort fiel keine einzige Route durch. Bremen, Dresden, Erfurt, München, Saarbrücken, Stuttgart und Wiesbaden erhielten ein "ausreichend". Hannover und Mainz bekamen ein "mangelhaft".

Ob kurzfristig eingerichtete Pop-Up-Radwege sinnvoll sind – darüber sind ADAC und ADFC jedoch uneins. ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand betonte: "Den Verkehrsraum vorschnell, beispielsweise durch Pop-Up-Radwege, umzuverteilen, ist nicht das richtige Mittel, um langfristig den Verkehrsfluss zu verbessern und für mehr Sicherheit zu sorgen." ADFC-Mann Stork hingegen sagte: "Das ist internationaler Standard, dass man solche Projekte mal ein halbes Jahr ausprobiert. Hat es tatsächlich eine Stauwirkung? Wird es akzeptiert? Können die Parkplätze wegfallen? Das ist klug."