Alarmierende Einblicke ins arktische Eis

dpa

Von dpa

Mi, 16. Juni 2021

Panorama

Das Forschungsschiff "Polarstern" war ein Jahr lang im Nordpolarmeer unterwegs.

Während der einjährigen "Mosaic"-Expedition des Forschungsschiffes "Polarstern" in der zentralen Arktis hat sich das Eis schneller zurückgezogen als je zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Ausdehnung des Eises sei im Sommer 2020 nur noch halb so groß wie vor Jahrzehnten gewesen, sagte Expeditionsleiter Markus Rex am Dienstag – acht Monate nach dem Ende der Fahrt.

Zugleich sei das Eis nur noch halb so dick wie vor fast 130 Jahren gewesen. Im Herbst 2020 habe sich das Eis wiederum viel später geschlossen als je zuvor. "Durch die lange eisfreie Zeit im Sommer konnte der Ozean große Mengen an Wärme aufnehmen und speichern", sagte Rex.

Die "Polarstern" war im September 2019 von Bremerhaven aus Richtung Arktis gestartet, im Oktober 2020 kehrte sie zurück. Zehn Monate lang driftete das Schiff angedockt an eine riesige Eisscholle durch das Nordpolarmeer. Wissenschaftler konnten so zum ersten Mal den gesamten Eiszyklus vom Gefrieren bis zur Schmelze messen und dokumentieren.

Rex sagte, es seien mehr als 150 Terabyte Daten und mehrere 10 000 Proben von Eis, Schnee, Wasser und Luft mitgebracht worden. "In etwa 300 derzeit laufenden einzelnen wissenschaftlichen Aktivitäten sind wir dabei, unser Wissen um das arktische Klimasystem Puzzlestück um Puzzlestück aus unseren Messungen zusammenzusetzen", so Rex.

Erst die Auswertung der nächsten Jahre werde zeigen, ob das ganzjährige arktische Meereis noch zu retten sei, sagte Rex. Er warnte, sollte die sommerliche Arktis eisfrei werden, könne dies "unkontrollierte Kaskaden" auslösen. Diese könnten die Erderwärmung immer weiter antreiben. Rex appellierte, die Emissionen von Treibhausgasen wie Kohlendioxid drastisch und schnell zu reduzieren, um die angestrebten Klimaziele noch zu erreichen. "Wir werden womöglich die letzte Generation sein, die eine eisbedeckte Arktis im Sommer erlebt hat", sagte auch Meereis-Physikerin Stefanie Arndt, eine der insgesamt 300 internationalen Forschenden an Bord der "Polarstern".