Priestermangel

Alternativlösungen sind da nicht gewollt

Günther Kaiser

Von Günther Kaiser (Ehrenkirchen)

Mi, 07. April 2021

Leserbriefe

Zu: "Der Priestermangel macht es nötig", Beitrag von Gerhard Kiefer (Politik, 5. März) und "Seelsorger sollen entlastet werden", Beitrag von Gabriele Hennicke (Region Freiburg, 22. März)

"Der Priestermangel sorgt für gewaltige Veränderungen in der Struktur des Erzbistums Freiburg", so lautet der erste Satz des BZ-Artikels vom 22. März. Kernpunkt dieser Veränderungen ist die Bildung von 36 neuen Großpfarreien mit vielen 10 000 Katholiken (66 500 in der neuen Pfarrei Breisach-Neuenburg). Wenn die Verantwortlichen darauf hinweisen, dass die katholische Kirche schon heute 90 Prozent ihrer Mitglieder nicht mehr erreiche, verwundert es schon, dass man diesem Trend mit der Bildung von Großpfarreien begegnen will.

Ehrlicher ist da die Argumentation von Wolfgang Müller, dem Leiter der Hauptabteilung Grundsatzfragen und Strategie im Erzbischöflichen Ordinariat, der in der BZ vom 5. März so zitiert wurde: "Die Zahl der Pfarreien orientiert sich an der Zahl der Priester, die dem Erzbischof zur Verfügung stehen, eine Pfarrei zu leiten." Also, das ganze "Reformwerk" richtet sich in erster Linie danach, wie viele Priester in Zukunft zur Verfügung stehen. Warum ist das so? Die Antwort steht ebenfalls im Artikel vom 5. März: Laut Kurienkardinal Stella, Präfekt der Kleruskongregation im Vatikan, lasse das Kirchenrecht "Pfarrgemeinden ausschließlich von Priestern leiten". Wie aber kann es dann sein, dass es offenbar heute schon katholische Pfarreien in Deutschland gibt, die von einem Laien geleitet werden?

So war am 17. März 2021 auf http://www.katholisch.de ein Interview mit der ersten Pfarrei-Leiterin der Diözese Essen zu lesen. Ein Laie und dazu eine Frau als Leiterin einer Pfarrei, wie geht das? Es gibt im kirchlichen Gesetzbuch die Möglichkeit der Leitung von Pfarreien durch Laien, und zwar erlaubt das Canon 517 Paragraph 2 im Falle des Priestermangels. Das heißt also, der Essener Bischof hat festgestellt, dass er nicht genügend Priester hat, und begründet damit die Leitung der Pfarreien durch Laien.

Der Freiburger Erzbischof Stefan Burger stellt fest, dass er nicht genügend Priester hat und begründet damit, dass ein Priester eben eine Großpfarrei von 50 000 bis 100 000 Katholiken leiten müsse. Alternativlösungen sind nicht gewollt. Günther Kaiser, Ehrenkirchen