Anspruchsvolle Phase

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 28. Februar 2021

USC Eisvögel

Playoffs erreicht, dennoch einige Probleme – die Basketballerinnen des USC Freiburg.

Vor den letzten vier Spielen der Hauptrunde befinden sich die Bundesliga-Basketballerinnen des USC Freiburg in einer entscheidenden Phase: Motiviert die Zufriedenheit über den bisherigen Saisonverlauf für eine Leistungssteigerung oder hemmt sie die Entwicklung?

Hanna Ballhaus besitzt die Fähigkeit, ambivalente Situationen gut auf den Punkt zu bringen: "Wir sind jetzt gerade ein wenig in einer schwierigen Phase", sagt Hanna Ballhaus am frühen Mittwochvormittag. "Nach einem guten Start suchen wir aktuell nach unserer Form." Am Dienstag hat sie mit dem Erstliga-Organisationsteam der Eisvögel einen Nachmittag lang per Zoom ein Strategietreffen hinter sich gebracht. Die Frage, wohin es mit dem Verein gehen soll und welches Leitbild die Eisvögel in Zukunft führen soll: Darum ging es. Und damit passen die übergeordneten Fragen des Treffens zur aktuellen Situation der Trainerin, die gemeinsam mit ihrer Partnerin Isabel Fernandez die Eisvögel durch eine anspruchsvolle Phase coacht.

Starker Beginn, jetzt ein Formtief

"Nachdem es am Anfang sehr gut gelaufen ist, haben wir derzeit etwas Probleme", sagt Ballhaus. Tatsächlich sind die Eisvögel mit ihrem rundum verjüngten Team überraschend stark in die Saison gekommen. Anstatt wie in den zwei Jahrzehnten zuvor mit vier, sind die Basketballerinnen aktuell nur mit drei ausländischen Profis in die Spielzeit gegangen. "Wir haben gezeigt, dass wir trotzdem oben mithalten können, wenn wir am Leistungslimit performen", findet Ballhaus. Nach 18 von 22 Hauptrundenspielen stehen die Eisvögel auf einem gesicherten Mittelfeldplatz. Ballhaus gesteht aber auch: "Wir sind nicht breit genug besetzt, um das auch bei Ausfällen konstant zu schaffen."

Zuletzt hat sich deshalb die Verletzung von Sara Kranzhöfer deutlich bemerkbar gemacht. Die 24-jährige Psychologiestudentin verletzte sich vor einem Monat beim 67:65-Sieg gegen ihren Ex-Club Heidelberg derart schwer am Knie, dass die Co-Kapitänin mindestens für den Rest der Saison ausfällt.

"Sie bringt eine Qualität in die Defensive, die wir so nicht ersetzen können", sagt Ballhaus über die Verteidigungsspezialistin. "Sie ist als sehr ruhige, loyale und integre Spielerin die ideale Spielführerin." Und so wiegt der Ausfall der Heidelbergerin tatsächlich besonders schwer. Seit der Verletzung von Kranzhöfer stottert der Eisvögel-Motor: Von den vergangenen fünf Partien gewann der USC nur eine.

"Uns fehlt noch die Konstanz", sagt die schmerzlich vermisste Kranzhöfer selbst. Sie spielt bereits ihre dritte Saison in Freiburg. Obwohl sie vermutlich mehrere Monate ausfallen wird, freut sich die Vize-Kapitänin auf den Rest der Saison. Trotz einer gerade erst überstandenen Operation ist sie oft bei der Mannschaft. "Wir können bisher sehr zufrieden sein, wir sind als junges Team gestartet und haben uns sehr gut geschlagen", findet Kranzhöfer. Als besondere Stärke beschreibt sie die klare Rollenverteilung im Team. "Das Zusammenspiel klappt super. Jede Spielerin weiß, welche Rolle sie hat."

Bislang liegt das Team über den Erwartungen

Unterm Korb sorgen Cassidy Boensch und Emily Kapitza für Rebounds. Auf der Aufbau-Position hat Pauline Mayer einen enormen Sprung gemacht. Und für die nötige Treffsicherheit sorgt Liga-Topscorerin Daneesha Provo (21 Punkte pro Spiel). "Dadurch sind wir extrem variabel und für den Gegner schwer auszurechnen", findet Kranzhöfer.

Am Ende der Hauptrunde spielt der USC gegen Osnabrück (war am Samstag bei Redaktionsschluss nicht beendet), Marburg, Halle und Herne. Die Playoff-Qualifikation (acht Teams) steht bereits fest. Mit zwei Siegen in den vier Partien könnte Rang fünf oder sechs nach der Hauptrunde erreicht werden. Das wäre mehr, als sie sich vor der Runde zugetraut hatten. Ballhaus: "Das wäre ein unerwartet toller Abschluss der Saison. Den Rest, sprich die Playoffs, könnten wir dann einfach genießen."