Anstieg der Delikte im Drogengeschäft

dpa

Von dpa

Mi, 09. September 2020

Panorama

BKA stellt Lagebild vor / Trotz Corona-Einschränkungen ist der Drogenkonsum konstant geblieben.

Seit neun Jahren steigt in Deutschland die Zahl der Rauschgiftdelikte, die der Polizei bekannt werden. Das Bundeskriminalamt (BKA) geht davon aus, dass dies nicht nur das Ergebnis erfolgreicher Fahndung ist. Vielmehr sieht die Behörde in dem Anstieg auch einen Hinweis darauf, dass hierzulande mehr illegale Drogen konsumiert werden. Denn das Kontrollniveau war 2019 laut BKA-Chef Holger Münch etwa so hoch wie im Jahr zuvor.

Der mit Abstand größte Anstieg (plus 12,2 Prozent) wurde 2019 bei Delikten im Zusammenhang mit Kokain verzeichnet. "Wir stellen fest, dass es keine Elite-Droge mehr ist", erklärte Münch am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des aktuellen Lagebildes zur Drogenkriminalität. Auch junge Menschen griffen vermehrt zu Kokain. Einen leichten Rückgang gab es im Handel mit Crystal Meth. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), sieht darin auch das Ergebnis erfolgreicher Präventionsarbeit. Beispielsweise habe man 2015 begonnen, konsumierende Mütter anzusprechen, Leitlinien für die Behandlung von Abhängigen entwickelt und das Thema an Schulen in besonders betroffenen Gebieten besprochen. Ludwig kündigte an, nun die Kokain-Prävention zu einem neuen Schwerpunkt ihrer Arbeit zu machen.

Obwohl der Drogenschmuggel durch Kuriere und der Straßenverkauf von Rauschgift in diesem Jahr durch Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie erschwert wurden, hat die Polizei in den vergangenen Monaten laut Münch "keine Knappheit auf dem Markt festgestellt". Rauschgift sei weiter hergestellt sowie per Luftfracht und auf dem Seeweg transportiert worden. Auch der Konsum sei wohl konstant geblieben. Die Drogenhändler hätten sich sehr schnell umgestellt: Die Bestellung über Internet-Plattformen und der Versand kleinerer Mengen per Post – bevorzugt an Packstationen – hätten weiter zugenommen.

Dem Rauschgift-Lagebild zufolge wurden 2019 bundesweit 31 Labors zur Herstellung synthetischer Drogen ausgehoben. Das entsprach einem Anstieg von rund 63 Prozent. Deutschland – und insbesondere Nordrhein-Westfalen – kommt laut BKA eine bedeutende Funktion als Zwischenlager und Transitstaat für Chemikalien zu, die zur Rauschgiftherstellung in den Niederlanden bestimmt sind.