Ausbildungssuche ist wie Schuhkauf

Jasmin Radel

Von Jasmin Radel

Mo, 17. Februar 2020

Grenzach-Wyhlen

Sitzt, passt: Trotz der Möglichkeit, sich online über einen Beruf zu informieren, lockt die Börse in Grenzach-Wyhlen viele an.

GRENZACH-WYHLEN. Am Samstag jährte sich nun schon zum 11. Mal die Ausbildungsbörse im Schulzentrum. Großer Andrang und viel Interesse zeigten dem Organisationsteam rund um Tosca Vogt, dass das Konzept und das Motto "Wege zum Beruf" auch in Zeiten von digitalen Informationswegen aufgeht.

Für gewöhnlich ist es an Samstagen gänzlich ruhig im Schulzentrum Grenzach-Wyhlen und der durchschnittliche Schüler der Mittelstufe geht diesen Tag wohl meist eher später an. Doch nicht so am vergangenen Wochenende, denn hier öffnete ab 10 Uhr die elfte Ausbildungsmesse für angehende Berufsanfänger. In der Aula des Lise-Meitner-Gymnasiums sowie über zwei Stockwerke hinweg tummelten sich jede Menge wissbegieriger Schüler und erkundeten mit Freunden, Geschwistern oder den Eltern die verschiedenen Stände der Aussteller. Aus nahezu jeder Berufssparte gab es interessante Angebote, jede Menge Infos und Antworten auf alle Fragen der baldigen Schulabgänger.

Die erste sehr gut besuchte Anlaufstelle im Schulfoyer stellte die Karlsruher Drogeriemarktkette "dm". Tamara Weber, zuständig für die Aus- und Weiterbildung im Südwesten sowie der Grenzacher Filialleiter Sakon Noosang wurden nicht müde, den Beruf des Drogisten anschaulich zu erklären. Noosang, selbst bis Januar 2019 noch Auszubildender bei dm, konnte hier sehr viel aus dem Nähkästchen eines Azubis plaudern. Denn neben dem Verkauf des Warensortiments müssen die Azubis auch fit sein im Umgang mit den Fototheken und Passbildstationen. "Aber grundlegend muss man sich in allen Bereichen der Drogerie auskennen", so Noosang und lachend sagt er weiter "obwohl ja der Bereich Beauty erstmal enorm anziehend bei den Interessentinnen wirkt".

Das sah man auch ganz deutlich am Ansturm auf den kleinen Manufakturbereich, den zwei aktuelle Auszubildende betreuen. Hier konnten Schüler Lippenpeeling selbst herstellen. Weber zog ein durchweg positives Fazit. "Wir sind nun schon das dritte Jahr hier mit dabei und mehr als nur zufrieden. Das entgegengebrachte Interesse am Ausbildungsberuf und die vielen Fragen, wer wir als Ausbilder sind und was wir genau machen, freuen uns sehr".

Wer denkt, dass die Mädchen lieber auch erst einmal "Mädchensachen" wie Drogistin, Friseurin oder Kindergärtnerin ansteuern, der wurde recht schnell eines Besseren belehrt. Grade am Stand des Hauptzollamtes Lörrach war Wolfgang Buttler sehr beschäftigt, seinen Beruf und die damit einhergehenden Chancen und Möglichkeiten ausgiebig auch dem weiblichen Publikum zu erklären. Am Stand der Bundeswehr oder von Schornsteinfegermeister Axel Kiefer schauten ebenfalls nicht nur interessierte Jungs vorbei.

Und genau das ist der Chancenreichtum, welchen Tosca Vogt, die Vorsitzende des Freundeskreises der Realschule und Organisatorin der Messe den Schülern geben möchte. "Ich sehe die Suche nach einer Ausbildung wie Schuhe kaufen", klärt sie. "Natürlich kann man im Netz einfach was anklicken, was gut aussieht und kaufen, aber ob es dann tatsächlich auch passt und die Qualität zwei, drei Jahre taugt, ist fraglich. Besser ist es doch, ich gehe direkt ins Schuhgeschäft. Probiere an, werte aus und habe dann man Ende einen tollen Schuh, der mich später noch glücklich macht. Die Schüler erhalten auf der Ausbildungsmesse passgenaue Infos, mit denen sie was anfangen können".

Auf Augenhöhe kommunzieren ist eine weitere Stärke der Börse. Denn an vielen Ständen nahmen Azubis der jeweiligen Lehrbetriebe teil. Und denen stellten die potenziellen Kollegen insbesondere die Fragen: "Macht es dir Spaß?", dicht gefolgt von: "Wie bewirbt man sich denn so richtig?"

Wie viele der Jugendlichen, besucht die 16-jährige Alina mit ihrem Vater Christian Schmitz die Messe. Was sie später genau machen möchte, da ist sie sich noch nicht sicher. Infos über die Möglichkeiten von weiterführenden Schulen, einem dualen Studium oder ein Jahr im Ausland konnten auf der Messe ebenfalls eingeholt werden. Bei einem sind sich Vater und Tochter aber sehr einig – es muss ein Weg mit beruflicher Sicherheit und Zukunft sein.