Ihr Kinderlein kommet

Wo in Bethlehem Babys geboren werden

Veronika Wulf  und Sascha Montag

Von Veronika Wulf (Text) und Sascha Montag (Fotos)

Sa, 24. Dezember 2016 um 11:37 Uhr

Ausland

Ganz in der Nähe wurde Jesus geboren. Heute hilft eine christliche Geburtsklinik in Bethlehem Frauen, die sich sonst keine Behandlung leisten könnten – egal, welcher Religion sie angehören.

Um kurz nach neun Uhr startet der weiße Van vor dem Haupteingang der Klinik im Herzen von Bethlehem. Der Fahrer steuert aus der Stadt hinaus Richtung Süden über den vor Hitze flimmernden Asphalt, vorbei an sandfarbenen Häusern auf sandfarbenen Hügeln in sandfarbenem Geröll. Dromedare stelzen über Steine, keine Menschenseele weit und breit. Judäische Wüste.
Aus einem Van heraus werden Mütter und Babys versorgt
Nach etwa vierzig Minuten hält der Van auf einer Anhöhe unter einem Wellblechdach. Nathalie Othman öffnet die Fahrzeugtür mit dem weißen Malteserkreuz auf rotem Grund. Sie steigt aus, die Hände in den Taschen ihres Arztkittels vergraben, und lässt den Blick über den wolkenlosen Himmel gleiten. Über die blassen Hügel am Horizont, hinter denen das Tote Meer verschwindet, und die Wellblechhütten im Tal.
Zwischen den Behausungen taucht eine schwarze Gestalt auf, dann noch eine und noch eine. Ein halbes Dutzend verschleierte Frauen erklimmt den Hügel, manche schwanger, manche mit Baby im Arm. Es sind Beduinen, die einst durch die Wüste zogen und heute sesshaft leben – weil das israelische Militär, das dieses Gebiet kontrolliert, sie dazu zwingt. In ihren Hütten haben sie weder Strom, noch fließendes Wasser. Kein Arzt kümmert sich um sie. Aber da ist ja der weiße Van.
Er gehört zum christlichen Krankenhauses Zur Heiligen Familie und kommt jeden Donnerstag aus Bethlehem. Dr. Nathalie, wie sie hier alle nennen, ist Gynäkologin und untersucht die schwangeren Frauen auf einer Liege im Laderaum, tastet Bäuche ab, zeigt kaum zu erkennende Köpfchen und Ärmchen auf dem Monitor des Ultraschallgeräts. Auf der Rückbank horcht Dr. Nivin Hafere, eine zierliche Frau mit schwarzem Bob und nachgezogenen Brauen, den Bauch eines Babys ab. "Viele leiden an Durchfall oder Gelbsucht, durch verunreinigtes Wasser oder schlechte Nahrung", sagt sie.
Nivin Hafere ist zumeist die einzige Ärztin in dieser Klinik
Erst als alle Frauen versorgt sind, fährt der Van weiter. Im nächsten Dorf, wenige Kilometer entfernt, wartet bereits eine Gruppe Beduininnen vor einem kleinen Steinhaus. Ab und zu schickt das Gesundheitsministerium hier Leute vorbei, um die Beduinenkinder ...

Jetzt diesen Artikel lesen!

Entscheiden Sie sich zwischen kostenloser Registrierung und unbegrenztem Zugang, um sofort weiterzulesen.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 5 Artikel/Monat lesen - inkl. BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel
  • Redaktioneller Newsletter mit den wichtigsten Nachrichten aus Südbaden
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten. Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.

Registrieren

kostenlos

  • 5 Artikel pro Monat lesen

  • Redaktioneller Newsletter

  • Nutzung der Kommentarfunktion

Die eingegebene E-Mail Adresse ist bereits registriert.
Hier können Sie sich anmelden
Diese E-Mail-Adresse ist bereits registriert aber nicht aktiv.
Aktivierungslink erneut zuschicken

BZ-Digital Basis

12,40 € / Monat

  • Lesen Sie alle Artikel auf badische-zeitung.de
  • Unbegrenzter Zugang zur News-App mit optionalen Push-Benachrichtigungen
  • Entdecken Sie Südbadens kulinarische Welt mit dem BZ-Straußenführer, BZ-Restaurantführer und BZ-Vesper
  • Abonnenten der gedruckten Zeitung erhalten BZ-Digital Basis zum exklusiven Vorteilspreis

Anmeldung