Bonner Basketballer fristlos gekündigt

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

So, 09. August 2020

Basketball

Joshiko Saibou hielt die Corona-Regeln nicht ein.

Der Fall des Basketballers Joshiko Saibou hat in den vergangenen Tagen erregte Debatten im Internet ausgelöst – und er könnte ein juristisches Nachspiel haben.

Saibou hatte zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Leichtathletin Alexandra Wester, vor einer Woche in Berlin gegen die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie demonstriert. Ein Foto belegt, dass er dabei keine Maske trug. Auch die Abstandsregeln sollen die Beiden angeblich zumindest zeitweise ignoriert haben. Als Saibous Arbeitgeber, der Basketball-Erstligist Bonn, die Fotos im Internet sah, platzte den Verantwortlichen der Kragen. Sie entließen den 30-Jährigen fristlos.

Saibou stelle ein "permanentes Infektionsrisiko" dar, begründete der Verein die Kündigung. Die ganze Basketball-Bundesliga sei gerade dabei, "akribisch an Hygienekonzepten für die Zuschauer in der nächsten Saison und an speziellen Arbeitsschutzrichtlinien für die Aktiven" zu arbeiten, so der Bonner Geschäftsführer Wolfgang Wiedlich. Die Liga kämpft angesichts der Corona-Pandemie wie andere Ballsportarten auch um ihre Existenz. Vor diesem Hintergrund sei es nicht zu verantworten, wenn ein Spieler die Hygieneregeln missachte und seine eigenen Teamkollegen oder andere Teams in Gefahr bringe.

Saibou hatte ebenso wie Weitspringerin Wester schon vor längerer Zeit Verschwörungstheorien im Internet verbreitet. Der Basketballer klagte, man dürfe die staatlichen Maßnahmen selbst dann nicht hinterfragen, wenn man seine Menschenrechte verliere. Die Leichtathletin konstatierte auf Instagram den Verlust ihrer Freiheit. Sie behauptete, es gebe Anwälte und Ärzte, die die Freiheitsrechte verteidigten und deswegen in Gefängnispsychiatrien eingesperrt würden. Darüber hinaus sei ein Impfzwang für die Bevölkerung geplant.

Saibou sieht sich nun als Opfer. Er sprach von einem Schlag gegen die Meinungsfreiheit. Ihm sei nicht gekündigt worden, weil er ein Infektionsrisiko darstelle, sondern weil er eine polarisierende Meinung vertrete. Lebensgefährtin Wester schrieb in den sozialen Netzwerken, man habe bei der Demo niemanden in Gefahr gebracht. Die Kündigung entbehre jeder Grundlage und sei "wirklich heuchlerisch". Basketballer Saibou spielt auch fürs Nationalteam, dort soll es jetzt "ein klärendes Gespräch" geben. Der Deutsche Leichtathletik-Verband wollte mit Wester ebenfalls sprechen – auch um zu klären, ob sie sich an die geltenden Regeln gehalten habe und halte. Arbeitsrechtler zweifeln daran, dass die fristlose Kündigung Saibous vor Gericht Bestand haben könne. Der Bonner Clubpräsident Wolfgang Wiedlich räumte nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung ein, dass ein Vergleich vor Gericht den Verein Geld kosten könne. Aber das ist es ihm offenbar wert.