Das arme Schwein

Hans Bahmer

Von Hans Bahmer

Sa, 08. Januar 2011

Neues für Kinder

Saukalt, saublöd, saugrob – warum wir die Vorsilbe "sau" verwenden, obwohl wir nur "sehr" meinen.

Wenn es saukalt ist, wie Anfang des Jahres, fühlen sich viele Menschen sauschlecht. Das bedeutet, dass es vielen bei extremer Kälte besonders schlecht geht.

Das Wort "sau" ist sozusagen eine Steigerung des nachfolgenden Wortes. Es meint nichts anderes als sehr. Saudumm, saudoof, saublöd, saugrob und saubillig sind weitere Beispiele. Nur was hat die gute alte Sau, die uns so viele leckere Sachen liefert, damit zu tun?

Eigentlich nichts. Und das ist die Sauerei. Ein Wildschwein ist selbstverständlich weder dumm, doof noch blöd. Wäre es das, könnte es ja gar nicht überleben. Und Wildschweine existieren schon wesentlich länger auf der Erde als Menschen. Diese haben das wilde Schwein aber schon vor Tausenden von Jahren zum zahmen Haustier gemacht. Dabei hat das intelligente Tier einige seiner natürlichen Fähigkeiten der wilden Vorfahren eingebüßt. Es macht daher heute auf den Menschen einen etwas dümmlichen Eindruck. Die Geringschätzung des Tieres hat dann zu Begriffen wie saudumm geführt. Jemand ist also nicht einfach dumm, sondern so dumm wie eine Sau.

Extreme Kälte macht den Wildschweinen überhaupt nichts aus. Wenn es saukalt ist, sind sie sogar besonders aktiv. Denn in der Zeit von November bis Januar geht man unter Wildschweinen auf Brautschau. Da ist mächtig was los im Wald, und die Keiler machen ihrem Namen aller Ehre. Es gibt so manche Keilerei, um eine Wildschweinbraut zu erobern. Dabei gehen sie schon einmal saugrob miteinander um.

Bei klirrender Kälte, zu der man auch Saukälte sagen könnte, fühlen sich die Wildschweine sauwohl. Das heißt, dass sie in dieser Zeit besonders ausgelassen sind. Ihr Fell und ihre Speckschwarte schützen sie ganz gut vor eisigen Temperaturen. Es gibt aber noch eine andere Erklärung für die Saukälte. Früher, als es noch keine Kühlschränke gab, wurden die Schweine im Winter geschlachtet. Durch die Kälte hatte man mehr Zeit, das Fleisch zu verarbeiten, ohne dass es gleich verdarb. So wurde die Kälte im Winter zur Saukälte. Bei Saukälte war also Schlachttag angesagt.

Die Sau fühlt sich dabei alles andere als sauwohl, während es sich der Mensch mit frischer Blut- und Leberwurst saugut gehen lässt und den Tag als sauschön in Erinnerung behält. Inzwischen werden die armen Schweine das ganze Jahr über geschlachtet, aber die Saukälte gibt es noch immer, bei der sich viele Menschen saumiserabel fühlen.