Zisch-Schreibwettbewerbgewinner Frühjahr 2021 I

Das Geheimnis der Zahnabdrücke

Mi, 31. März 2021 um 10:40 Uhr

Schreibwettbewerb

Von Finn Boderius, Klasse 4a, Tunibergschule, Freiburg-Opfingen

An einem sonnigen Samstagmorgen im Herbst wird Emil unsanft aus dem Schlaf gerissen. Die Mitarbeiter der städtischen Müllabfuhr machten mit den Mülleimern vor seinem gekippten Fenster einen riesen Lärm.
Nachdem er sich in seinem Bett umgedreht hatte, um weiterzuschlafen, kam zu allem Überfluss auch noch seine Mutter in das Zimmer gerumpelt. Widerwillig öffnete Emil seine Augen.

Dann hört er das Auto des Postmannes in die Straße des Bauernhauses einbiegen, in dem er lebte. Plötzlich fiel ihm wieder ein, dass heute sein lang ersehntes Buch kommen müsste, auf welches er sich schon lange freute. Auf das, was Emil dann aber erwartete, war er nicht vorbereitet.

Vor lauter Aufregung hielt es Emil nicht mehr in seinem Bett aus. Er zog sich schnell eine Jogginghose über und rannte die Treppen zur Haustüre hinunter. Dabei nahm er immer zwei Stufen auf einmal. Das ganze Haus wackelte bei jedem Sprung und Opa Mark fiel vor lauter Schreck seine Zahnprothese in seinen Früchtetee. Emil riss die Haustüre auf, noch bevor der Postbote überhaupt die Chance hatte, die Klingel zu drücken. Erwartungsvoll schaute Emil den Postmann an und fragte: "Hast du ein Paket für mich?" Darauf zog der Postmann ein kleines Päckchen aus seiner Tasche und hielt es Emil hin. Nachdem er den Empfang der Sendung unterschrieben hatte, riss er noch an der Eingangstür das Päckchen auf. Zu seiner Freude war es das ersehnte Buch mit dem Titel "Das Lachen aus dem geheimnisvollen Gespensterschloss."

Sofort ging Emil in den Keller, in dem er sich eine kleine Leseecke eingerichtet hatte, und begann das Buch zu lesen. Durch die ersten Seiten flog er nur so durch. Das Buch war gruselig und lustig zugleich. Doch dann bemerkte er auf den Buchseiten und dem Einband kleine und große Zahnabdrücke. Emil fand das doof und überlegte, woher die Zahnabdrücke denn stammen konnten. Er dachte an Drachen, Vampire und Trolle, die die Abdrücke hinterlassen haben konnten. Aber diese passten alle nicht zu den Zahnabdrücken auf seinen Buchseiten und dem Einband.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, lief Emil zu seinem Opa, der gerade damit beschäftigt war, sein Gebiss wieder mit einer Haftcreme in seinem Mund zu platzieren. Emil zeigte seinem Opa die Zahnabdrücke auf den Buchseiten und dem Einband und sagte: "Hey Opa, schau dir mal die Abdrücke hier an. Weißt du vielleicht, von wem die Zahnabdrücke sein könnten?" Opa Mark verglich zunächst die Zahnabdrücke mit seinem Gebiss. Dann kam er zum Ergebnis: "Also von einem Menschen stammen sie auf jeden Fall nicht. Aber mehr kann ich dir dazu auch nicht sagen. An deiner Stelle, würde ich mal im Stall schauen, vielleicht findest du dort einen Hinweis."

Emil fand die Idee seines Opas gut und lief mit seinem Buch in den Stall. Dort ging er zunächst zu den Kühen. Um ihnen ins Maul schauen zu können, hielt er ein Büschel frisches Gras in der Hand. Die Kuh Emma kam sofort zu Emil gelaufen, um sich das Gras zu holen. Am Gitter stellte sich Emil auf einen Stuhl und hielt das Gras in die Luft. Die Kuh streckte ihren Kopf nach oben zum Gras und öffnet dabei das Maul. Diesen Moment nutze Emil und hielt ihr das Buch in den Mund. Doch der Mund und auch die Zähne waren viel zu groß.

Im Anschluss besuchte er die Schweine. Beim Betreten des Schweinestalls hielt sich Emil die Nase zu, weil er den Geruch der Schweine nicht besonders mochte. Auch hier lockte er die Schweine mit etwas Essen an und versucht ihnen, das Buch in den Mund zu stecken. Als das nicht gelang, nahm er ein Stück Brot, in das eines der Schweine gebissen hatte und verglich so die Zahnabdrücke mit denen auf dem Buch. Emil konnte auch hier keine Übereinstimmungen erkennen.

Er wollte schon wieder ins Haus gehen, als ihm der Teich in den Kopf kam. Er überlegte, welche Tiere denn alle am Teich lebten. Aber weder die Zahnabdrücke der Enten, noch der Schwäne würden zu denen auf seinem Buch passen. Enttäuscht ging er ins Haus.

Mittags war er mit seinem Freund Bernie verabredet. Da dieser auch auf einem Bauernhof lebte und ein ausgewiesener Experte für Tiere war, wie er selber sagte, nahm Emil das Buch mit zu ihm. Als er bei Bernie angekommen war, zeigte Emil ihm das Buch mit den Zahnabdrücken und erzählte, an welchen Tieren er es schon überprüft hatte. Bernie begann, die Zahnabdrücke auf dem Buch anzuschauen, dabei fiel ihm auf, dass bei den Zahnabdrücken ein Zahn fehlte. Er grübelt eine Weile, welche Tiere in Frage kommen könnten. Dann hatte Bernie plötzlich einen bösen Verdacht.

Ohne weiter auf seinen Freund zu achten, machte sich Bernie auf den Weg zum Stall, in dem seine Ziegenfamilie lebte. Dort angekommen lief er direkt zu seiner Ziege Karl und öffnete ihr gekonnt das Maul. Sein Verdacht war richtig. Bernie war bei der Fütterungsrunde am Morgen aufgefallen, dass Karl ganz frisch ein Zahn verloren hatte. An der gleichen Stelle, wo Karl der Zahn fehlte, war eine Lücke im Abdruck auf dem Buch zu sehen.

Bernie erinnerte sich, dass er die Ziege kurz vor der Fütterung im Bereich des Postautos gesehen hatte, als der Postmann seiner Familie die Post brachte. Die Türen zum Laderaum standen offen und der Postmann lud gerade das Ziegenfutter aus, welches Bernies Vater bestellt hatte. In dieser Verpackung waren bereits Karls Zahnabdrücke deutlich zu sehen, und die Tüte hatte ein kleines Loch. Die beiden Freunde überlegten, was passiert sein konnte. Sie kamen zum Schluss, dass sich die Ziege Karl ins Postauto geschlichen hatte und auf der Suche nach dem Ziegenfutter auch das Buch von Emil angeknabbert haben musste. So kamen die Zahnabdrücke auf den Bucheinband.

Abends lag Emil mit seinem neuen Buch im Bett und schaute sich die Zahnabdrücke noch mal an. Er hätte sich gewünscht, dass die Geschichte hinter den Zahnabdrücken etwas spannender gewesen wäre. So dass zum Beispiel eine wütende Ziegenfamilie die Druckerei überfallen hätte und dort alle Bücher und Zeitungen aufgefressen hätte. Aber zumindest wusste Emil jetzt, warum sein Buch die Abdrücke hatte. Er überlegte, der Druckerei einen Brief zu schreiben und sie zu bitten, die Verpackung der Bücher zukünftig ziegensicher zu machen. Dann schlief Emil ein.