Hat die Schule in Simbabwe eine Zukunft?

Gabriele Fässler

Von Gabriele Fässler

Mi, 15. Juli 2020

Denzlingen

Projekt der Denzlinger Rosi und Manfred Giese leidet unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie.

. Rund um den Globus treten auf vielfältige Weise die Folgen der Corona-Pandemie zutage. Doch am unmittelbarsten und in ihrer leiblichen Existenz bedroht sind vor allem die Menschen, die zuvor schon von der Hand in den Mund oder noch weniger leben mussten. Betroffen ist auch ein Schulprojekt der Stiftung Brücke in Simbabwe, das von dem Denzlinger Ehepaar Rosi und Manfred Giese ins Leben gerufen wurde.

Zweimal pro Woche hat Rosi Giese Kontakt zu einer Lehrerin des Child Development Center (CDC), um sich über die aktuelle Lage zu informieren. Sie und ihr Ehemann haben die Einrichtung 2017 nach ihrer Pensionierung in Chitungwiza, einem Vorort von Simbabwes Hauptstadt Harare, aufgebaut. Im Januar 2018 startete der Schulbetrieb mit zwei Vorschul- und zwei Grundschulklassen. Heute bekommen am CDC insgesamt 160 Kinder aus armen Familien in neun Klassen eine Grundausbildung. Zur Schule gehört ein Feld, auf dem Gemüse fürs Mittagessen angebaut wird. Eltern, die sich das jährliche Schulgeld von umgerechnet 45 Euro nicht leisten können, bewirtschaften das Gelände.

Doch seit 1. April ist das CDC Corona-bedingt geschlossen. Deswegen erhalten die Schüler derzeit kein Schulessen, das für die Kinder der vier unteren Klassen kostenlos ist. Weil die Einkommensquellen zusehends versiegen, die ohnehin schon hohe Arbeitslosigkeit sich verschärft und die aktuelle Inflationsrate von mehr als 900 Prozent Nahrungsmittel praktisch unbezahlbar macht, reicht es für die Familien oft nicht einmal für eine Mahlzeit am Tag. Auch für das Schulteam aus sechs Lehrerinnen und zwei Angestellten, ist die Situation prekär. Um sich über Wasser halten zu können, werden die beiden Angestellten weiterhin bezahlt. "Außerdem haben wir den Lehrerinnen und den Angestellten die Ernte des Schulfelds zur Verfügung gestellt", sagt Manfred Giese. Doch für zwei Lehrerinnen scheitere dieses Angebot daran, dass die Schule unerreichbar ist, weil die Frauen auf die aktuell verbotenen Minibusse angewiesen wären.

Eine weitere Sorge bereitet die Situation der Schüler in der Abschlussklasse. Laut Bericht von Rosi Gieses Ansprechpartnerin aus Simbabwe befürchten die Eltern, dass ihre Kinder aufgrund des abgebrochenen Unterrichts die Abschlussprüfung nicht bestehen. Um dem entgegenzuwirken, wollten die Lehrerinnen Aufgaben per WhatsApp an die Schüler versenden. Doch viele besitzen kein Smartphone und der Nachrichtendienst ist in Simbabwe sehr teuer.

Zweimal pro Jahr reisen Rosi und Manfred Giese für zwei bis drei Monate nach Simbabwe, um nach dem Rechten zu sehen. "Das gespendete Geld geht eins zu eins ins Projekt", betont Rosi Giese. Insgesamt verbrachten das Ehepaar und seine vier Kinder rund 20 Jahre in Afrika, wo Manfred Giese als Ingenieur bei Entwicklungshilfeprojekten in verschiedenen Ländern arbeitete. Rosi Giese unterrichtete zuletzt bis zu ihrer Pensionierung an der Grundschule in Sexau. Die dortigen Schulkinder unterstützten das Projekt mit Geld- und Sachspenden ebenso wie die Windenreutener Grundschüler mit der Aktion "Kinder laufen für Kinder".

Um das Schulprojekt in Simbabwe zu unterstützen, bittet die Stiftung Brücke um Spenden. Spendenkonto Stiftung Brücke

IBAN: DE12 1002 0500 0003 2474 04

BIC: BFSWDE33BER. Verwendungszweck: Simbabwe. Weitere Informationen zum Schulprojekt in Simbabwe gibt’s online unter http://www.stiftung-bruecke.de