Interview

Markus Nübling: "Die größte Herausforderung ist, rentable Projekte zu finden"

Claudia Bachmann-Goronzy

Von Claudia Bachmann-Goronzy

Do, 13. Juni 2019 um 14:00 Uhr

Denzlingen

Die Denzlinger Bürgerenergiegenossenschaft stellt ihre Zahlen vor. Vorab spricht der Vorstand über deren Entwicklung und wagt einen Ausblick, wie es mit dem Klimaschutz weitergehen könnte.

Die Denzlinger Bürgerenergiegenossenschaft (DEnG) lädt ein zu ihrer Generalversammlung – um die Zahlen für das Geschäftsjahr 2018 vorzustellen. Zuvor beantwortete Vorstand Markus Nübling im Gespräch mit Claudia Bachmann-Goronzy einige Fragen.

"Die wirtschaftliche Lage ist sehr gut."

BZ: Wie ist die wirtschaftliche Lage der Bürgerenergiegenossenschaft?
Nübling: Die wirtschaftliche Lage ist sehr gut. Durch die sorgfältige Auswahl der Investments hat die DEnG seit ihrer Gründung in jedem Geschäftsjahr ein positives Jahresergebnis erwirtschaftet, das jeweils als Dividende an die Mitglieder ausgeschüttet wurde. Darüber hinaus entsteht durch die steuerrechtlichen Abschreibungen jedes Jahr ein zusätzlicher Liquiditätsüberschuss, der sich inzwischen auf mehr als 200.000 Euro summiert. Diese Mittel wurden kontinuierlich in neue Projekte investiert.

BZ: Welchen Investitionen stehen an?
Nübling: Anfang 2019 hat sich die DEnG mit 100.000 Euro an einem Windpark in Biederbach beteiligt. Aktuell prüft der Vorstand eine Investition in eine Photovoltaikanlage mit circa 45 Kilowatt peak.

"Die Fluktuation der Mitglieder ist sehr gering."

BZ: Wie viele Mitglieder hat die Genossenschaft mittlerweile?

Nübling: Die Genossenschaft hat aktuell 327 Mitglieder. Die Fluktuation der Mitglieder ist sehr gering. Seit der Gründung sind nur zwölf Mitglieder ausgetreten, dazu kamen leider vier Todesfälle. Die frei werdenden Anteile wurden jeweils kurzfristig von anderen Mitgliedern übernommen, so dass in keinem Fall die zweijährige Kündigungsfrist abgewartet werden musste. Neue Mitglieder kamen in der Vergangenheit auch nur wenige hinzu, weil der Vorstand bei größeren Investitionen zunächst den bestehenden Mitgliedern die Zeichnung neuer Anteile anbietet. Die von den bestehenden Mitgliedern eingeworbenen Mittel haben zusammen mit den Liquiditätsüberschüssen der Bestandsprojekte weitgehend gereicht, um neue Investitionen zu finanzieren.

BZ: Wie hoch sind die Dividenden?
Nübling: In den vergangenen Jahren lag die Dividende bei 2,5 bis drei Prozent. Für das Geschäftsjahr 2018 hat der Vorstand eine Dividende in Höhe von 3,25 Prozent vorgeschlagen, die vom Aufsichtsrat befürwortet wird. Endgültig beschlossen wird die Dividende in der Mitgliederversammlung am 13. Juni.

"Insgesamt war das Jahr 2018 das bisher wirtschaftlich erfolgreichste der DEnG."

BZ: Wie ertragreich sind die Anlagen?
Nübling: Die Erträge der größten Windkraftinvestition der DEnG – auf dem Weißmoos in Freiamt – lagen 2018 knapp über der Prognose. Die Erträge der Anlage auf dem Tännlebühl lagen leider deutlich darunter. Die Erträge der Solaranlagen waren aufgrund des sonnenreichen Jahres deutlich über den Prognosen. Dafür waren die Erträge der Wasserkraft wegen der Wasserknappheit unter denen der Vorjahre. Derartige Ertragsschwankungen sind normal und werden bei der DEnG durch die Streuung der Investments auf verschiedene Anlagen und erneuerbare Energieträger ausgeglichen. Insgesamt war das Jahr 2018 das bisher wirtschaftlich erfolgreichste der DEnG.

BZ: Vor welchen Herausforderungen steht die DEnG?
Nübling: Die größte Herausforderung besteht darin, rentable Projekte zu finden. Bei den Windkraftanlagen sind die Genehmigungszeiten extrem lang, so dass nur selten Gelegenheit für Investments besteht. Im Bereich der Photovoltaik fehlt es an geeigneten Dach- und Freilandflächen.

"Schnellere Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen und die Ausweisung weiterer Flächen für Freiland-Photovoltaikanlagen wären hilfreich."

BZ: Wie geht’s weiter mit dem Klima – und vor allem dem Klimaschutz?
Nübling: Wie es mit dem Klima weiter geht, entscheidet die Politik. Aufgrund der in den letzten Monaten zu beobachtenden Machtverschiebungen erwarte ich eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien. Damit meine ich nicht die Erhöhung der Fördermittel. Solarstrom kann heute auf geeigneten Flächen für vier Cent pro Kilowattstunde erzeugt werden. Aber schnellere Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen und die Ausweisung weiterer Flächen für Freiland-Photovoltaikanlagen wären hilfreich. Die DEnG wird weiterhin ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten, indem sie – wie in der Vergangenheit – eigene Projekte umsetzt oder sich an Projekten externer Entwickler beteiligt.
Markus Nübling (55) ist verheiratet und wohnt in Denzlingen. Der Elektrotechnikingenieur und geschäftsführende Gesellschafter eines IT-Unternehmens ist Vorstand der Bürgerenergiegenossenschaft.
Die Generalversammlung findet am Donnerstag, 13. Juni, 19.30 Uhr, im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus statt.