Der Aufsteiger

dpa

Von dpa

Mi, 28. September 2022

Tischtennis

Tischtennis-Europameister Dang Qiu und die Team-Weltmeisterschaft im Land seiner Eltern.

Seine Mutter ist eine ehemalige chinesische Nationalspielerin, die 1989 in die Tischtennis-Bundesliga wechselte. Sein Vater ist ein ehemaliger chinesischer Nationalspieler, der damals den gleichen Weg ging und dazu noch ein erfolgreicher Trainer in Deutschland und in Japan wurde. Mehr als 30 Jahre später legt ihr Sohn Dang Qiu gerade einen der steilsten Aufstiege des deutschen Tischtennis-Sports hin. Vom Perspektivspieler hinter Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll arbeitete er sich in nur einem Jahr zur deutschen Nummer eins für die am Freitag beginnende Team-WM hoch. Dass dieses Turnier auch noch in China stattfindet, ist die nächste besondere Geschichte in diesem ohnehin schon besonderen Jahr des neuen Europameisters.

"Es fühlt sich alles ein bisschen surreal an", sagte der 25-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. "Für mich ist es unabhängig davon, dass meine Eltern dort geboren wurden, etwas ganz Besonderes, eine WM in China zu spielen. Denn China ist das Nonplusultra im Tischtennis – noch mehr als es Deutschland im Fußball jemals war. Wir genießen dort einen anderen Stellenwert als in jedem anderen Land der Welt."

Dang Qiu wurde in Nürtingen geboren, ging dort zur Schule, machte sein Abitur. Sein Vater Qiu Jianxin führte den Nachbarclub TTC Frickenhausen als Trainer zu zwei deutschen Meisterschaften, zwei Pokalsiegen und einem Eurocup-Triumph. Die Familie blieb auch dann in Württemberg, als der Vater 2016 die Nationalmannschaft Japans übernahm. Mittlerweile betreibt er in dem Land eine eigene Akademie. Dang bekam von seinen Eltern das Talent, die Begeisterung – und was ihm besonders wichtig ist – "das Know-how für Tischtennis" mit auf den Weg. Trotzdem wurde er als Einzelspieler noch im Sommer 2021 nicht für die Europameisterschaft in Warschau und für die Olympischen Spiele in Tokio nominiert. Sein Aufstieg begann erst danach.

Innerhalb eines Jahres gewann Dang den EM-Titel in München, die deutsche Meisterschaft mit Borussia Düsseldorf und sein erstes Turnier der weltweiten WTT-Serie. In der Weltrangliste kletterte er an Rekord-Europameister Boll und dem Olympia-Dritten Ovtcharov vorbei auf Platz neun. Weil die beiden mit Abstand besten deutschen Spieler dieses Jahrtausends nach langen Verletzungspausen fehlen, übernimmt Dang Qiu gleich bei seiner ersten Team-WM auch ihre Führungsrolle. "Ich habe über Jahre hinweg hart gearbeitet. Aber dass es jetzt so steil ausfällt?", sagte er, als könne er das selbst kaum glauben. Jörg Roßkopf ist von dieser Entwicklung nicht überrascht. "Dang hat die Corona-Zeit perfekt genutzt, in dem er sehr viel und sehr hart trainiert hat", sagte der Bundestrainer. "Er will immer trainieren, er ist immer heiß."

Die WM in China ist der nächste Karriereschritt. Der große Haken daran: die strengen Corona-Regeln. Die Spieler dürfen Hotel und Spielstätte nicht verlassen. Und wer als Zuschauer nach Chengdu reisen will, muss dort erst einmal in Quarantäne. Für Dang Qius Familie bedeutet dies: Sie wird nicht live dabei sein Die Tipps kommen dann eben per WhatsApp.