Parteien

Der Außenpolitik wird viel zu wenig Raum gegeben

Dieter Eiermann

Von Dieter Eiermann (Müllheim)

Di, 07. September 2021

Leserbriefe

Zu: "Eine Sehnsucht nach Charisma", Leitartikel von Sebastian Kaiser (Kommentar & Analyse, 1. September)

Es gibt viele Leute, die buchstäblich ratlos sind. Sie sind eigentlich mit keiner der aufgestellten Parteien einverstanden. In Ihrem Artikel äußern Sie die Meinung, dass dies am mangelnden Charisma der Spitzenleute liegt. Legt man den Begriff Charisma streng aus, nämlich als "göttlich" oder "von Gott eingesetzt", oder weniger streng, "berufen", so trifft das nur auf wenige Leute zu. Dass Maßanzüge allein keinen Bestand haben, selbst nicht bei wenig politisch Interessierten, leuchtet ein. Leider mischen sich fähige Wirtschaftsführer oder Intellektuelle zu wenig in die Politik. Falls von außen vielversprechende Leute kommen, scheitern sie an der Fünf-Prozent-Hürde.

Ihr Rat, sich an den Parteiprogrammen zu orientieren, stößt auch auf Skepsis, weil zwischen Ankündigung/Versprechen und Realisierung erfahrungsgemäß Welten liegen. Ich bin der Meinung, dass der Außen- beziehungsweise Militärpolitik, die ein wesentliches Element für unsere Zukunftserwartung darstellt, viel zu wenig Raum gegeben wird. Hier sind die Programme der Parteien CDU, SPD, Grüne und FDP nahezu deckungsgleich. Keine dieser vier erwägt, die alte These "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen" endlich für immer zu begraben.

Statt einer strengen Ausrichtung, auch mit aller Kraft innerhalb der Nato, auf tatsächliche Abwehr einer militärischen Bedrohung beabsichtigt unsere bereits in anderen Positionen versagt habende Ministerin, wie Kaiser Wilhelm Kanonenboote ins chinesische Meer zu schicken. Auf den Minister Müller zu hören und das viele Geld sinnvoll für die Strukturverbesserung zum Beispiel in Afrika zu verwenden, kommt selbst seiner eigenen Partei nicht in den Sinn.

Eine überzeugende Aussage zum Beispiel der Verantwortlichen über Afghanistan würde auch nicht lauten: "Wir haben vermutlich einen Fehler begangen". Sondern: "Wir hatten und haben in Afghanistan weder militärisch noch sonst etwas verloren". Dieter Eiermann, Müllheim