Neuer Kurs

Der Kinder- und Jugendhospizdienst Lörrach-Hochrhein sucht Ehrenamtliche

Kathrin Ganter

Von Kathrin Ganter

Mo, 09. Dezember 2019 um 20:01 Uhr

Steinen

Im Januar startet ein neuer Kurs für Menschen, die Familien begleiten wollen, in denen ein Kind an einer lebensbedrohlichen Krankheit leidet. Und so ein wenig Erleichterung schaffen.

Seit Juni 2017 gibt es den Kinder- und Jugendhospizdienst Lörrach-Hochrhein des Malteser Hilfsdienstes. Die Nachfrage wächst, so dass die bislang zwölf Ehrenamtlichen an ihre Kapazitätsgrenzen kommen, berichtet die hauptamtliche Koordinatorin Simone Frache. Im Januar soll eine neue Schulung beginnen für die ehrenamtliche Arbeit, die zwar äußerst herausfordernd ist, aber auch äußerst viel Hilfe und Zuversicht vermitteln kann.

Manchmal gibt es ein Missverständnis, das Eltern davon abhält, die Hilfe des Kinder- und Jugendhospizdienstes in Anspruch zu nehmen. Nämlich, dass sich die Ehrenamtlichen nur um sterbende Kinder kümmerten. "Wir begleiten die Familien schon ab der Diagnosestellung einer lebensbedrohlichen Krankheit", erklärt Simone Frache. "Wir sind mehr im Leben als im Sterben." Die Familien werden im Alltag begleitet, die Ehrenamtlichen bringen etwas wichtiges mit, das in der medizinischen und therapeutischen Behandlung oft auf der Strecke bleibt: Zeit. "Wir wollen unser Gegenüber nicht retten oder verändern", sagt Frache, "sondern da sein, mitfühlen und bleiben".

Vertrauenspersonen, die ganz nah an den Familien sind

Mit ihrer Zeit entlasten sie die Familien. Sei es, dass sie sich um das kranke Kind kümmern, damit Eltern und Geschwisterkinder etwas Zeit für sich finden. Sei es, etwas mit den Geschwisterkindern zu unternehmen: "Wir haben die gesamten Familien im Blick, nicht nur das kranke Kind." Durch die Unterstützung soll die Familie Kraft schöpfen können und auch mal eine Zeit genießen können, die nicht durch die Krankheit dominiert und getaktet ist.

Medizinisch-Pflegerische Aufgaben müssen die Ehrenamtlichen nicht erledigen. Darum kümmern sich Dienste; im Endstadium der Krankheit werden die Kinder vom mobilen Palliative Care Team vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Freiburg betreut. Die Ehrenamtlichen seien Vertrauenspersonen, die ganz nah an den Familien dran sind, sagt Simone Frache. Diese befinden sich oft unter der alles dominierenden Krankheit in einem sozialen Vakuum, Kontakte können kaum noch gepflegt werden, Freunde ziehen sich oft aus Unsicherheit zurück.

Angesprochen werden alle Altersschichten

Die Eltern hätten häufig das Gefühl, sie stünden alleine da, schildert Frache: "Aber sie wünschen sich, angenommen zu werden." Bekommt ein Kind eine lebensbedrohende Diagnose, komme sofort eine Trauer in die Familie, sagt Frache. "Aber man erkennt im Laufe der Zeit, dass sich das Lebensglück wieder einstellen kann, wenn auch mit anderer Sichtweise." Gerade Kinder lebten im Hier und Jetzt, auch wenn sie schwer krank sind. Der Kinder- und Jugendhospizdienst kümmert sich auch um Kinder in Familien, in denen ein Elternteil lebensbedrohlich erkrankt ist.
Kontakt: Telefon 0151/65531220, E-Mail kinderhospizdienst.loerrach@malteser.org

Für die alltagsnahe Unterstützung werden weitere Ehrenamtliche gesucht. Angesprochen werden alle Altersschichten. "Auch junge Leute bringen ein starkes Engagement und eine gute Lebensbejahung mit", sagt Simone Frache. Interessenten brauchen Mitmenschlichkeit, Empathie und die Bereitschaft, sich auf jemanden einzulassen. Andererseits muss ihnen klar sein, dass sie auch eine Distanz wahren müssen. "Sie dürfen das Leid der Familie nicht zu ihrem eigenen machen."

Umfangreicher Kurs zur Vorbereitung

Das bedeute, im eigenen Leben weiterzuleben, sagt Frache, und auch dankbar zu sein, für das, was man hat. Sie erklärt, dass sich Ehrenamtliche keine Vorteile vom Einsatz beim Hospizdienst erwarten dürften. Was nicht bedeutet, dass man nichts bekomme: "Einen größeren Vertrauensbeweis gibt es nicht, als wenn Eltern einem einen Einblick in das Familienleben gebeben, einem ihr Kind in Obhut geben." Wenn Fürsorge angenommen werde, dann ermutige das, sagt Simone Frache auch aus eigener Erfahrung: "Da kommt ganz viel zurück."

Um für die Aufgabe gut vorbereitet zu sein, gibt es für die Ehrenamtlichen einen Kurs mit 100 Stunden Theorie und 20 Stunden Praktikum in einer sozialen Einrichtung, beispielsweise einer Kinderklinik. "Der Kurs zielt darauf ab, eine hospizliche Haltung einzunehmen." Vermittelt werden dabei das richtige Zuhören, bestimmte Gesprächstechniken, das Verhältnis von Nähe und Distanz, um nur einige Beispiele zu nennen. Alles in allem sind viele Kenntnisse und Fähigkeiten darunter, die nicht nur im Umgang mit den betreuten Familien, sondern im gesamten Leben wertvoll sind.

Darüber hinaus müssen die Ehrenamtlichen bereit sein, an Supervisionen, Fallbesprechungen, Teambesprechungen und regelmäßigen Fortbildungen teilzunehmen. Dass die ehrenamtliche Arbeit eine Bereicherung ist, das zeigt sich im jetzigen Team. Von den zwölf Ehrenamtlichen sind alle von Anfang an dabei, freut sich Simone Frache: "Das sind Kostbarkeiten an Menschen, die ich in meinem Team habe."