Torhaus

Der Zustand des Malterdinger Wahrzeichens ist schlimmer als befürchtet

Michael Haberer

Von Michael Haberer

Fr, 13. Mai 2022 um 12:52 Uhr

Malterdingen

Die Sanierung des Malterdinger Torhauses offenbart immer größere Schäden am Wahrzeichen: Grund sind offenbar Versäumnisse bei der letzten Sanierung vor genau 100 Jahren.

Die Sanierung des Torhauses nimmt immer problematischere Züge an. Der Gemeinderat schaute sich vor der öffentlichen Sitzung am Dienstag die Schäden in den freigelegten Mauern an. Architekt Bernd Schmidt präsentierte morsche Balken und Leerstellen, wo eigentlich Balken sein sollten. "Wir sehen ein erschreckendes Schadensbild, das schlimmer ist, als befürchtet", kommentierte Bürgermeister Hartwig Bußhardt seine Eindrücke.

Kosten schon jetzt über 300 000 Euro

"Aber es steht außer Frage, dass das Wahrzeichen von 1567 erhalten bleiben muss", fügte er an. Im November waren die geschätzten Kosten von 150 000 auf 300 000 Euro angehoben worden. Das war allerdings nicht für den schlimmsten Fall berechnet.

"Was die Malterdinger 1922 getan haben, holt uns 100 Jahre später ein", erklärt Architekt Schmidt. Die Malterdinger mussten damals das historische Gebäude sanieren. Die Regierung hatte sie gezwungen, zumindest das letzte der ursprünglich fünf Torhäuser zu erhalten. Doch die Malterdinger Landwirte sahen damals das Torhaus vor allem als Hindernis. So haben sie einen Heuwagen unter der Durchfahrt in Brand gesetzt, um das Gebäude loszuwerden, erinnerte Bußhardt. Aber der Staat zwang sie, das ungeliebte Gebäude instand zu setzen. Ihr Ungehorsam bestand darin, dass sie statt 83 000 Reichsmark nur rund 12 000 Reichsmark für das Torhaus ausgaben.

Holzstücke im Mauerwerk

Was das im Kleinen bedeutet, sehen die Gemeinderäte beim Vororttermin, weil nun der Putz runter ist und die Baumängel nicht mehr kaschiert sind. Wo noch Mauer zwischen dem Fachwerk besteht, können sie die Holzstücke, von damaligen Maurern in die Fehlstellen gesteckt, herausziehen. Vor 100 Jahren bekam das Gebäude auch ein neues Dach. Manches werde derzeit nur noch durch das Gewicht des Daches zusammengehalten, kommentiert der Architekt die Besonderheit, dass an manchen Stellen die nötigen Verbindungen der Balken einfach fehlen und man an anderen Stellen den Schlüssel in das morsche Gebälk stecken kann.

Zum Pfusch kam noch die Findigkeit der Bauherren. "Die haben damals ein Gewölbe reingetrickst", sagt Schmidt. Nun steht ein Teil der Fachwerkwände auf dem Gewölbe, das die Last trägt. Wie das künftig geschehen wird, zeigt sich, wenn das komplette Dach abgebaut ist.

Eigentlich ist das Torhaus schon einmal in den zurückliegenden Jahrzehnten saniert worden. Damals wurde das Ganze aber vor allem aufgehübscht. Nun liegen die grundlegenden Schäden frei und der Architekt kann sich Gedanken machen, wie er das historische Gemäuer bis zum anvisierten Termin im Juni nächsten Jahres restauriert bekommt.