Berlin

Giftstoffe auf Schießständen von Elitepolizisten?

Katja Bauer

Von Katja Bauer

Sa, 04. Juni 2016 um 00:00 Uhr

Deutschland

Der Feind in der Waffe: Auf Schießständen atmeten Berliner Elitepolizisten offenbar über Jahre giftige Stoffe ein – sie fühlen sich alleingelassen von dem Staat, den sie mit ihrem Leben beschützen.

Im SEK lernt man eines sehr schnell: Im Ernstfall muss ein Schuss treffen. Schneller und präziser zu sein als der Gegner kann Leben retten – das eigene, das der Kollegen, das von ganz normalen Bürgern. Wenn Martin Beier (Name geändert) und seine Männer also trainierten, dann wussten alle: Als Schütze musst du perfekt funktionieren. Sie rannten durch die Schießhalle. Sie duckten sich, ließen sich fallen und robbten auf dem Boden. Sie feuerten. Und sie husteten. Kriegten keine Luft, hatten rote Augen, juckende Arme. Blaue Schwaden standen im Raum. Manchmal spuckte einer aus oder schnäuzte sich. Alles schwarz. Irgendwann traute sich immer einer, die Seitentür für ein bisschen frische Luft aufzumachen, obwohl das verboten war.
Geredet haben die harten Männer darüber nicht. Auch nicht über die Husterei zu Hause. Oder andere Beschwerden. "Da sagt man sich: Das steckst du weg", sagt Beier. "Ich habe es aber nicht weggesteckt." Immer öfter wurde er krank. Bronchitis, Schwindel, Magen-Darm-Probleme. Wenn es mit Blaulicht zum Einsatz ging, achtete er darauf, dass er der Fahrer war, damit ihm nicht schlecht wurde. Hubschrauberflüge – nicht mehr möglich. Dazu Müdigkeit, Antriebslosigkeit. "Wie sich jetzt herausstellte, klassische Symptome einer Vergiftung."
Beier ist knapp 40, er arbeitet seit mehr als zehn Jahren im SEK. Sein Traumberuf. Nun sitzt der dreifache Vater in seinem Einfamilienhaus am Berliner Stadtrand, vor sich einen Stapel Unterlagen. Seit einigen Wochen weiß er: Sein Blut enthält Schwermetall – viel zu viel. Vor allem das ...

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