Die Abenteurer sind zurück

dpa

Von dpa

Sa, 17. April 2021

Panorama

Neue Regeln, alte Probleme: Nach einer Pause 2020 nimmt der Betrieb am Mount Everest wieder zu.

Trotz der Corona-Pandemie wollen jetzt Dutzende Bergsteigerinnen und Bergsteiger auf den höchsten Punkt der Erde. Unter ihnen ist auch ein Prinz aus dem Königreich Bahrain und eine Katarerin, die als erste Frau ihres Landes die 8848,86 Meter hohe Spitze des Mount Everests erklimmen will. Jetzt im Frühling ist Hauptsaison mit den besten Wetterbedingungen und damit den größten Chancen, es nach einigen Wochen Akklimatisierung an die dünne Luft nach oben zu schaffen.

Noch vor einem Jahr hatte die Regierung Nepals den Everest kurz vor Saisonbeginn dicht gemacht – wegen Corona. Doch nun sind die Abenteurerinnen und Abenteurer aus dem Ausland wieder sehr willkommen. Ihr Geld ist für den Himalaya-Staat wichtig, Nepal ist nach Angaben der Vereinten Nationen eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt.

So hat Nepal inzwischen 65 Ausländerinnen und 256 Ausländern die Bewilligung zur Besteigung für jeweils 11 000 Dollar (rund 9100 Euro) ausgestellt. Das sind etwas weniger als im Frühling 2019, als es ganz oben in der Todeszone, wo der menschliche Körper abbaut und sich nicht erholen kann, einen Stau gegeben hatte. Elf Menschen starben damals. Ein Foto des Staus ging um die Welt – und brachte der nepalesischen Regierung Kritik, dass sie zu viele Menschen nach oben ließ, die nicht geeignet für das Abenteuer waren.

Seither hat das nepalesische Tourismusministerium mehrere Regeln verkündet. Eine davon ist, dass die Wagemutigen zwar Fotos und Videos von sich und ihrer Gruppe machen könnten – nicht aber von anderen Menschen auf dem Berg. Die zuständige Chefin Mira Acharya sagte, dass es sich dabei um eine alte Regel handle, an die sich bislang nur niemand gehalten habe. Es gebe jetzt eine Strafe, sagte sie, ohne diese auf Nachfrage zu konkretisieren.

Für den erfahrenen amerikanischen Bergsteiger Alan Arnette ist diese Regel nicht durchsetzbar, da auf den meisten Fotos andere Leute zu sehen seien. Er sei seit 1997 immer wieder dort gewesen – bislang habe ihn noch nie jemand darauf hingewiesen. Außerdem müssen Alpinisten Fotos von sich machen, wenn sie ein Aufstiegszertifikat erhalten wollen. So gilt unter anderem ein Foto nepalesischen Behörden gegenüber als Beweis. Und oben ist man selten allein.

Nepals Tourismusministerium hat seit der Verbreitung des Stau-Fotos auch andere Regeln bekanntgegeben. So müssen die Bergsteigerinnen und Bergsteiger vor dem Aufstieg ein medizinisches Attest einreichen und eine Bergungs- und eine Corona-Versicherung abschließen. Werden sie geborgen, müssten sie in gut ausgerüstete Krankenhäuser geflogen werden. Zudem sollen alle Einreisenden gegen Corona geimpft sein oder einen negativen PCR-Test vorlegen.

Doch Bergsteiger Arnette bezweifelt, dass diese Regeln viel änderten. Teils seien die verkündeten Maßnahmen auch nicht neu. Das Problem sei vielmehr, dass die Regeln oft nicht genau eingehalten werden. Einige Expeditionsunternehmen würden davon sprechen, ihre Gruppen von anderen Menschen zu isolieren. Tatsächlich sei dies aber schwierig, da Mitglieder der Sherpa-Helferteams gewöhnlich vor dem Gipfelaufstieg ihre Familie in den Bergdörfern besuchten.