Schulwahl

Die beruflichen Schulen sind die Schulen des sozialen Aufstiegs

Veronika Kaiser

Von Veronika Kaiser (Merzhausen)

Mi, 21. April 2021

Leserbriefe

Zu: "Schulen und Unis schauen nur auf die Noten", Zuschrift von Tobias Kuechen (Forum, 14. April)

Nicht die Schule entscheidet, sondern eine Rechtsverordnung regelt die Aufnahmevoraussetzungen in ein berufliches Gymnasium. Zur Aufnahme in ein berufliches Gymnasium brauchen Realschülerinnen und Realschüler in den Fächern Deutsch, Mathematik und in der ersten Fremdsprache einen Durchschnitt von 3,0. Dabei darf keine der drei Noten schlechter als 4,0 sein. Das seit einigen Jahren erfolgreich praktizierte zentrale Online-Verfahren der Zuteilung der Schulplätze an den beruflichen Gymnasien stellt sicher, dass alle Bewerberinnen bereits kurz nach Abschluss der Anmeldung wissen, ob und wo sie einen Schulplatz bekommen. Dadurch wird eine absolute Transparenz über das Verfahren hergestellt. Gibt es mehr Bewerberinnen und Bewerber als vorhandene Schulplätze, dann entscheidet der Notendurchschnitt der Hauptfächer. Im konkreten Fall sind die Plätze an der GHSE Emmendingen zum jetzigen Zeitpunkt vergeben. An der beruflichen Schule in Bad Krozingen gibt es noch Plätze. Die junge Frau hat – sollten sich ihre Noten nicht wesentlich verschlechtern – auf jeden Fall einen Schulplatz. Sie weiß, sie muss sich nicht um eine Alternative, zum Beispiel eine berufliche Ausbildung, kümmern. Mit dieser Sicherheit im Rücken kann sie sich auf die anstehenden Abschlussprüfungen konzentrieren.

Der Übergang von der Realschule in die gymnasiale Oberstufe stellt einen Sprung dar – inhaltlich, methodisch und sozial, der jedoch von den Realschülerinnen und Realschülern gut zu schaffen ist. Der 11. Klasse kommt die Scharnierfunktion zu: Sie führt die Schülerinnen und Schüler aus den verschiedenen Schulen zusammen, um auf die Jahrgangsstufen 12 und 13 vorzubereiten. Darin liegt das Erfolgsrezept der beruflichen Gymnasien. Gerade deshalb sind sie die Schulart, die das Durchhaltevermögen jener Schülerinnen und Schüler belohnt, für die nicht bereits seit der ersten Klasse der Weg zum Abitur vorgezeichnet ist. Die beruflichen Schulen sind die Schulen des sozialen Aufstiegs. Bis heute bin ich als ehemalige Lehrerin und Schulleiterin an einer beruflichen Schule stolz darauf, dass wir vielen Realschülerinnen und Realschülern die Chance zum Abitur ermöglicht haben. Nicht wenige davon sind jeden Schultag 30 und mehr Kilometer nach Freiburg gefahren. Veronika Kaiser, Merzhausen