Die GLU bleibt ihren Linien treu

Bastian Bernhardt

Von Bastian Bernhardt

Do, 02. Mai 2019

Friesenheim

Grüne Liste Umweltschutz setzt auf traditionell grüne Themen .

FRIESENHEIM. Das Wahlprogramm der Friesenheimer Grünen Liste Umweltschutz (GLU) für die Gemeinderatswahl besetzt die klassischen grünen Themen in sechs Schwerpunktfeldern. Die Wählervereinigung will ihre vier Sitze in einem um zwei Sitze verkleinerten Gemeinderat verteidigen.

Bei der Vorstellung des Wahlprogramms im Gasthaus Krone weilten die GLU-Kandidaten unter sich. Durch das Wahlprogramm führte Dietmar Kairies, der GLU- und Fraktionsvorsitzende, seine Kollegen erläuterten jeweils die Positionen im Schwerpunktbereich Natur und Umwelt, Energie, Verkehr, Soziales, Finanzen und Trinkwasser. Eingangs verwies Kairies auf die aktuelle gesellschaftliche Relevanz von Umweltthemen, vor allem mit Blick auf die Schülerdemonstrationen für mehr Engagement gegen den Klimawandel. "Der Klimawandel ist auch bei uns in Friesenheim spürbar", so Kairies. Als großes Ziel gab er aus, die Gemeinde Friesenheim CO2-neutral machen zu wollen. Er zeigte sich optimistisch, dass die GLU ihre vier Mandate halten könne, selbst wenn der neue Gemeinderat künftig nur noch 22 statt jetzt 24 Mitglieder umfasse. "Die anderen Fraktionen müssen wohl diese zwei Sitze abgeben", so Kairies.
» Bei Natur und Umwelt strebt die GLU einen sparsameren Umgang mit Flächen an, vor allem beim Ausweisen von Neubaugebieten. "Die Innenverdichtung wird favorisiert." Es sollen mehr Biotope geschaffen, Naturdenkmäler geschützt und die Landwirtschaft diversifiziert werden. Bei der Energie wünscht sie sich einen Wandel hin zur Nutzung erneuerbarer Energien seitens der Gemeinde. Windkraft an windreichen Standorten in Friesenheim befürwortet die GLU ebenso wie intelligente Straßenbeleuchtung, die sich etwa nur bei Bedarf einschaltet.
Im Verkehr setzt die GLU auf die Förderung des Fahrrad- und des Öffentlichen Personennahverkehrs. Radwege sollen ausgebaut und vernetzt, der Radwegübergang beim Bahnhof überhaupt erst ermöglicht werden. Auf dem Flugplatz sieht die GLU die Flächenverwertung verfehlt. "Die einseitige Ausrichtung auf verkehrsintensive Betriebe hat unsere Region zu einem Verkehrs-Eldorado gemacht", heißt es im Wahlprogramm. "In Schuttern kommen schon heute die Lastwagen teils nicht mehr aneinander vorbei und müssen auf den Gehweg ausweichen", klagte Joseph Hugelmann. Das von Lahr angestrebte Güterverkehrszentrum lehnt die GLU ab. Der Flächenverbrauch sei gigantisch, der Nutzen für die Region, vor allem mit Blick auf Arbeitsplätze, sehr überschaubar. "Damit würde ein ganzer Landstrich auf Jahrzehnte verschandelt und verbraucht", so Hugelmann.
» Bei Soziales spricht sich die GLU für eine offene Ganztagsschule aus. Die Vereinigung begrüßt es, dass mit der kommunalen Kita im Kloster Heiligenzell eine erste Einrichtung in Gemeinde-Trägerschaft entsteht. "Die Kirchen können und wollen immer weniger Aufgaben schultern, sie nehmen auch immer weniger Einfluss – was ja vielleicht auch nicht so schlecht ist", sagte Michael Walter. Die Arbeit im Jugendclub lobt die GLU. Für ältere und behinderte Menschen wünscht sie sich mehr Barrierefreiheit, im neuen Ortszentrum eine öffentliche Toilette.
Bei den Finanzen wird ein klares Ziel ausgegeben: ein ausgeglichener Haushalt. "Hier hat die Gemeinde seit 2015 Probleme, obwohl die Konjunktur brummt", sagte Kairies. Er plädierte für eine Abschaffung der Ortschaftsverfassungen, womit rund eine halbe Million Euro jährlich eingespart werden könne.
Die künftige Trinkwasserversorgung von Friesenheim sieht die GLU kritisch. Mehr und mehr werde kalk- und nitrathaltiges Wasser aus der Ebene ins Netz gespeist, weil die Quellschüttung der Friesenheimer Quellen zurückgehe – auch wegen des Klimawandels. Die Wählervereinigung plädiert dafür, Trinkwasser aus den Quellen nicht mehr für Sportstätten, Blumenschmuck oder Friedhof zu nutzen, sondern gerade hier das Wasser aus den Tiefbrunnen zu nehmen.