"Die Kamera ist ein super Türöffner"

Linn Kolberg und Carla Lerch, Klasse 4, Franz-Xaver-Klinger-Grundschule

Von Linn Kolberg und Carla Lerch, Klasse 4, Franz-Xaver-Klinger-Grundschule (Wittnau)

Fr, 27. März 2020

Zisch-Texte

ZISCH-INTERVIEW mit Olga von Plate über ihren Umzug mit dem Gleitschirm und zu Fuß von Berchtesgaden nach Freiburg.

Olga von Plate ist schon sehr lange Fotografin und macht sehr gute Fotos. Sie fliegt leidenschaftlich Gleitschirm und geht gerne in die Berge. Deswegen kam Olga von Plate auf die Idee, ihren Umzug im Sommer 2019 mit dem Gleitschirm und zu Fuß zu machen. Darüber haben die Zisch-Reporterinnen Miriam Broß, Linn Kolberg und Carla Lerch aus der Klasse 4 der Franz-Xaver-Klinger-Grundschule in Wittnau ein Interview mit der Fotografin geführt.

Zisch: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Fotografin zu werden?
Olga v. Plate: Ich habe mit ungefähr zehn Jahren angefangen zu fotografieren. Damals habe ich gemerkt, dass mir Fotografieren sehr viel Spaß macht. Nach dem Abitur habe ich als erstes Grafikdesign studiert, da meine Eltern der Meinung waren, dass man mit Fotografie kein Geld verdienen könne. Später habe ich gemerkt, dass es doch möglich ist, und so hat sich das Fotografieren zu meinem Beruf entwickelt.
Zisch: Wie schön ist die Arbeit als Fotografin?
Olga v. Plate: Ich finde die Arbeit als Fotografin sehr schön, weil man viele Leute kennenlernt und ich viel in Europa und sogar in der ganzen Welt herumkomme. Als Fotografin reise ich sehr viel. Die Kamera ist ein gutes Mittel, um Menschen besser kennenzulernen. Man schaut die Menschen durch die Kamera anders an, als wenn man einfach nur vor ihnen sitzt. Außerdem ist die Kamera auch ein super Türöffner. Die Leute fangen an, Fragen zu stellen, wenn man eine Kamera in der Hand hat.
Zisch: Was ist ein gutes Foto?
Olga v. Plate: Neben den technischen Details, wie Schärfe und Farbe gehört zu einem guten Foto für mich, wenn es jemand anders anschaut und sagt: Das Bild interessiert mich, das ist nicht eins von hundert, das man schon oft gesehen hat, sondern ein Bild, was mich sozusagen fängt, da muss ich hingucken!
Zisch: Was fotografieren Sie am liebsten und warum?
Olga v. Plate: Am liebsten fotografiere ich draußen in den Bergen, weil ich selber gerne in den Bergen wandere und Gleitschirm fliege.
Zisch: Wie sind sie auf die Idee gekommen, mit dem Gleitschirm umzuziehen?
Olga v. Plate: Da ich fand, dass es viel zu schnell ist, nur an einem Tag umzuziehen, kam ich auf die Idee, zu Fuß und mit dem Gleitschirm umzuziehen.
Zisch: Wie oft sind Sie beim Umzug mit dem Gleitschirm geflogen?
Olga v. Plate: Ich bin ungefähr 15 Mal mit dem Gleitschirm geflogen.
Zisch: Wie viele Kilometer sind Sie beim Umzug gelaufen?
Olga v. Plate: Zwischen 700 und 800 Kilometer. Ich konnte nicht so oft fliegen, weil der Wind oft viel zu stark war oder ich keine Thermik hatte.
Zisch: Wie lange haben Sie für den Umzug von Berchtesgaden nach Freiburg gebraucht?
Olga v. Plate: Ich habe 42 Tage gebraucht. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich viel schneller sein können, aber ich wollte mir Zeit lassen. Effizient und schnell muss ich schon den Rest des Jahres sein.
Zisch: Wie viel Gepäck hatten Sie dabei?
Olga v. Plate: Ich hatte nur meinen Rucksack mit meiner Ausrüstung zum Fliegen und Wechselkleidung dabei. Ich hatte keinen Schlafsack dabei, sondern habe mich immer nur in meinen Gleitschirm eingewickelt. Wenn Regen angesagt war, habe ich mir einen Unterschlupf gesucht, weil mein Gleitschirm nicht nass werden darf.
Zisch: Ist ihnen der Gleitschirm auf dem Umzug einmal nass geworden?
Olga v. Plate: Ja, er ist mir tatsächlich einmal nass geworden. Der Regenradar hatte keinen Regen angesagt, aber nachts kam doch Regen. Am nächsten Tag musste ich dann den ganzen Tag am gleichen Ort bleiben, da der Gleitschirm und der Reserveschirm getrocknet werden mussten.
Zisch: Hatten Sie am Anfang vor den Flügen Angst?
Olga v. Plate: Ich war schon manchmal ein bisschen aufgeregt. Hätte ich richtig Angst, dürfte ich nicht fliegen, weil dann stimmt was nicht. Das Bauchgefühl ist beim Fliegen ganz wichtig.
Zisch: Was war die gefährlichste Stelle beim Umzug?
Olga v. Plate: Ich musste einmal vor einem Gewitter davon fliegen. Ich hatte gedacht, ich schaffe das locker, doch das Gewitter ist ziemlich schnell groß geworden.
Zisch: Hat Ihnen der Umzug Spaß gemacht?
Olga v. Plate: Ja, er hat mir großen Spaß gemacht, da man, wenn man so lange wandert, ganz ruhig wird und keinen Stress hat.
Zisch: Wie haben die Leute reagiert, die Sie getroffen haben?
Olga v. Plate: Die Leute waren immer sehr interessiert und haben gedacht, dass ich nicht nur mal kurz auf eine Tageswanderung gehe, wenn ich mit so einem großen Rucksack komme. Wenn sie dann gehört haben, dass in dem Rucksack ein ganzer Gleitschirm und Gepäck für anderthalb Monte ist, fanden sie ihn aber eher klein. Die Leute haben auch versucht zu helfen und mir zum Beispiel etwas zu Essen geschenkt.
Zisch: Wie viele Blasen hatten Sie an den Füßen?
Olga v. Plate: Ich hatte gar keine Blasen an den Füßen, da ich langsam gegangen bin, und immer, wenn mir die Füße wehgetan haben, habe ich geschlafen, wo ich war.
Zisch: Haben Sie so eine Reise noch einmal vor?
Olga v. Plate: Ja, aber diesmal keinen Umzug, sondern einfach eine längere Tour. Für August plane ich eine Tour, aber dieses Mal mit zwei Freunden.