Ausbildung

Die Lage auf dem südbadischen Ausbildungsmarkt hat sich entspannt

Barbara Schmidt

Von Barbara Schmidt

So, 15. November 2020 um 10:20 Uhr

Wirtschaft (regional)

Der Sonntag Wegen der Corona-Krise sinkt die Zahl der Lehrstellen in der Region – auch wenn es für die Azubis schwieriger geworden ist, etwas zu finden, bleiben die Chancen für die Jugendlichen gut.

Im Frühjahr hatte es nach einem verheerenden Einbruch auf dem Ausbildungsmarkt in Südbaden ausgesehen. Inzwischen hat sich die Lage deutlich entspannt. Dennoch ist es für angehende Azubis durch die Corona-Krise etwas schwieriger geworden, eine Lehrstelle zu finden. Auf dem Markt herrscht aber noch viel Bewegung.

"Viele Ausbildungsverträge werden noch geschlossen und viele in der Probezeit aufgelöst. Wir hatten noch nie so viel Bewegung nach Beginn des Ausbildungsjahres" Simon Kaiser

"Viele Ausbildungsverträge werden noch geschlossen und viele in der Probezeit aufgelöst. Wir hatten noch nie so viel Bewegung nach Beginn des Ausbildungsjahres", sagt Simon Kaiser, der Leiter des Geschäftsbereichs Aus- und Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein. Viele Betriebe hätten sich wegen der unsicheren Perspektiven erst sehr spät entschlossen, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen.

Außerdem konnten viele Angebote zur Berufsorientierung pandemiebedingt nur verspätet oder gar nicht stattfinden. Auch seien "in wirtschaftlich schwierigen Zeiten vollzeitschulische Bildungsangebote als vermeintlich sicherer Hafen bei Schulabgängern besonders beliebt", weiß Kaiser. Die duale Ausbildung in einem Betrieb hat dann oft das Nachsehen. Daher beklagten viele Unternehmen "einen Mangel an geeigneten Bewerbern, so dass teilweise bis in den Herbst hinein noch kurzfristig eingestellt wurde und wird."

"Nach den alarmierenden Zahlen im späten Frühjahr haben die Handwerksunternehmen noch eine regelrechte Aufholjagd bei den Ausbildungsverträgen hingelegt" Johannes Ullrich

Ähnliches berichtet die Handwerkskammer Freiburg. "Nach den alarmierenden Zahlen im späten Frühjahr haben die Handwerksunternehmen noch eine regelrechte Aufholjagd bei den Ausbildungsverträgen hingelegt", sagt Präsident Johannes Ullrich. Und diese Aufholjagd halte nach wie vor an.

Bis zum 30. September verzeichnete das südbadische Handwerk 2 284 neu eingetragene Ausbildungsverträge und damit 4,9 Prozent oder 118 Verträge weniger als im Vorjahr. Besonders stark war der Rückgang in der Stadt Freiburg (minus 16,5 Prozent) und im Kreis Lörrach (minus 15,6 Prozent). Hingegen gaben die Zahlen im Landkreis Emmendingen nur leicht nach, die Ortenau blieb stabil und der Kreis Breisgau-Hochschwarzwald meldete sogar ein Plus von 4,9 Prozent. "Städtische Ballungsgebiete und der Süden des Kammerbezirks sind deutlich stärker von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen als der Rest", betont Ullrich.

Krise macht sich sehr unterschiedlich bemerkbar

Nicht nur regional, sondern auch in den einzelnen Branchen schlägt sich die Krise sehr unterschiedlich nieder. So ist die Zahl der Lehrstellen etwa bei Kraftfahrzeugmechatronikern und Friseuren besonders stark zurückgegangen. "Die Krise wirkt wie ein Brennglas", sagt Ullrich. "Die Auswirkungen struktureller Veränderungen, wie etwa in der Kfz-Branche, treten in dieser Krise noch deutlicher zu Tage und wirken sich dementsprechend auch akut auf die Ausbildungszahlen aus." Für viele kleinere Friseure sei die Ausbildung aufgrund der Hygienevorschriften nahezu unmöglich.

Anders als das Handwerk verzeichnet die IHK Südlicher Oberrhein in fast allen Berufsgruppen Rückgänge. Stabil bleiben einzig die Elektroberufe sowie kleinere Berufsgruppen in den Bereichen Bau, Holz und Versicherung. Dem entsprechend hat die Gesamtzahl der neuen Ausbildungsverträge mit minus 11,5 Prozent stärker abgenommen als im Handwerk. Bis zum 30. September wurden 3 874 Verträge abgeschlossen, das sind 501 weniger als im Vorjahr. Fast die Hälfte davon entfällt auf die Metalltechnik.

Hier waren allerdings die Zuwächse in den vergangenen Jahren auch besonders groß. "Die Luft wurde dünner", sagt Kaiser und macht deutlich, dass der Absturz nicht alleine auf Corona zurückzuführen ist. "Bereits vor der Pandemie war absehbar, dass sich in der für unsere Region sehr wichtigen Gruppe der Metallberufe nach jahrelangen deutlichen Zuwächsen ein Rückgang abzeichnet, der maßgeblich durch den Strukturwandel in der Automobilindustrie getrieben ist. Die Pandemie verschärft diesen Trend nun deutlich."

Betriebe sehr breit aufgestellt

Im Vergleich zu anderen IHK-Bezirken, die stärker industriell geprägt sind, wie Stuttgart oder Pforzheim, steht der Südliche Oberrhein noch gut da. Bei der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg beispielsweise beträgt das Minus 22,1 Prozent, an Hochrhein und Bodensee 15,7 Prozent. "Zu verdanken hat die Region diesen Umstand der Tatsache, dass die Betriebe am südlichen Oberrhein sehr breit aufgestellt sind. Zwar fällt ein Hoch dann nicht so hoch aus, aber wir fallen auch nicht so tief", erläutert IHK-Präsident Steffen Auer.

In den vergangenen Jahren war der Überhang an Lehrstellen in der Region riesig, viele Unternehmen suchten Azubis und fanden keine. Dieses Ungleichgewicht hat sich nun verringert. Einen Mangel an Ausbildungsplätzen gebe es aber nicht, betont Auer, "Angebot und Nachfrage sind in unserer Region in etwa ausgeglichen". Bei der Agentur für Arbeit Freiburg waren am 30. September sogar noch viel mehr unbesetzte Lehrstellen (489) als unversorgte Bewerber (89) gemeldet. Insgesamt sank die Zahl der Ausbildungsplätze gegenüber 2019 zwar um 22 Prozent auf 3 147. Jedoch seien "die Chancen für Jugendliche, in der Wirtschaftsregion Freiburg einen Ausbildungsplatz zu finden, trotz der aktuellen Krise weiter gut", betont Arbeitsagentur-Chef Andreas Finke.