Die neue Schulheizung wird geleast

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Do, 23. Mai 2019

Hartheim

Gemeinderat Hartheim beschließt, die Anlage für das Wärmenetz mit der Rheinhalle im Contracting-Verfahren auszuschreiben.

HARTHEIM. Rundum-Sorglos-Lösung oder Eigeninvest und Eigenverantwortung? Neue fossile Gasheizung oder energieeffizientes Blockheizkraftwerk? Kontrovers diskutierte der Hartheimer Gemeinderat über die Frage, wie die kaputte Heizungsanlage und das Wärmenetz von Alemannenschule, Rheinhalle und Lehrerwohnhaus erneuert und wie finanziert werden sollen. Vor allem aufgrund der schnelleren Umsetzung entschied man sich schließlich für das Rundumpaket und ein Blockheizkraftwerk mit Gas-Brennwertkessel im sogenannten Contracting-Verfahren.

Kaum war die Sanierung der Alemannenschule beendet und im Oktober letzten Jahres die Einweihung der frisch sanierten und umgebauten Grundschule in Hartheim gefeiert worden, ging auch schon die Heizung kaputt. Die Heizung, die über zwei Gas-Heizkessel aus den Jahren 1994 und 2009 erfolgt, war nämlich im Zuge der 2,2 Millionen Euro teuren Sanierung nicht saniert worden. "Wir wussten zwar, dass wir uns irgendwann auch um die Heizung kümmern müssen, dass sie aber schon so kurz nach der Einweihung ausfallen würde, damit hatten wir nicht gerechnet", sagt Bauamtsleiter Uwe Linsenmeier rückblickend. Inzwischen ist richtig Druck da, denn nachdem zunächst nur einer der beiden Kessel defekt war, leckte auch der zweite und die Heizungsanlage funktioniert jetzt nur noch unter Volllast und kann jederzeit komplett ausfallen.

Schule, Rheinhalle und das sogenannte Lehrerwohnhaus, ein Zwei-Familienhaus im Besitz der Gemeinde, sind über ein Wärmenetz aus den 1970er-Jahren verbunden und werden zentral gesteuert. Die Gemeinde hatte vor wenigen Monaten durch das Unternehmen Endura kommunal ein Quartierskonzept samt Varianten zur Erneuerung von Heizungsanlage und Wärmenetz nach den Kriterien Wirtschaftlichkeit und CO2-Einsparung erstellen lassen.

Maximilian Schmid von der Beratungsfirma präsentierte verschiedene Lösungen. Schnell war klar, dass keiner der Gemeinderäte die Erneuerung der Gaskessel will, weil diese hinsichtlich der gesetzlichen Vorgaben und hinsichtlich der CO2-Emissionen nicht mehr zeitgemäß wären.

Blockheizkraftwerk mit Gas-Brennwertkessel

Auch die als zweite Möglichkeit vorgeschlagene Variante mit einem Gas-Brennwert-Kessel sowie einer Solarthermieanlage von 200 Quadratmetern im Eigenbetrieb fand keine Anhänger. Die Gemeinderäte Johannes Link von der CDU und Karlheinz Grathwol von der Liste FuD stellten fest, dass Heißwasser in solchen Mengen, wie sie eine 200 Quadratmeter große Solarthermie-Anlage liefern würde, nicht benötigt wird. Es bestand Einigkeit darin, dass man auf ein Blockheizkraftwerk, das das Prinzip Kraft-Wärme-Kopplung nutzt und neben Wärme auch elektrische Energie liefert, setzen möchte. Ein weiterer Vorteil dieser Variante ist die Möglichkeit einer Notstromversorgung für Schule und Halle, die bei einer Notlage mit Evakuierung in Schule und Halle zum Tragen käme.

Der Berater schlug vor, diese im sogenannten Contracting-Verfahren umzusetzen. Dabei übernimmt der Dienstleister die Wärmeerzeugungsanlage und das Wärmenetz und erneuert sie. Der Contractor tätigt sämtliche Investition und übernimmt die technische und wirtschaftliche Betriebsführung. Die Gemeinde zahlt einen festen Wärmepreis mit monatlichen Abschlagszahlungen und jährlicher Endabrechnung. Die Laufzeit eines entsprechenden Vertrages beträgt zehn bis 20 Jahre, wobei der Vertrag zunächst über zehn Jahre läuft und um zweimal fünf Jahre verlängert wird. Anschließend geht die Anlage in den Besitz der Gemeinde über. Wird der Vertrag nach zehn oder 15 Jahren nicht verlängert, ist der Zeitwert der Anlage zu bezahlen. "Das Ganze ähnelt einem Leasingvertrag", erläuterte Bauamtschef Linsenmeier, der sich wie auch Bürgermeister Stefan Ostermaier für die Contracting-Lösung aussprach. Sein Hauptargument, das auch vom Bürgermeister geteilt wurde: Die Gemeinde verfügt nicht über das technisch versierte Personal, das nötig wäre, um eine solch komplexe Anlage zu steuern und zu warten. Der Berater hatte zwar von der Firma Energiedienst Kosten für das Contracting berechnen lassen, es fehlte jedoch eine Gegenüberstellung der Kosten des Betriebs eines Blockheizkraftwerks in Eigenregie und im Contracting, was mehrere Gemeinderäte bemängelten.

Gemeinderat Christian Link (FWV) schlug vor, erst diese Kosten zu ermitteln und parallel dazu Angebote mehrerer Contracting-Firmen einzuholen. Seinen Antrag unterstützten jedoch lediglich der Bürgermeister sowie Iris Weymann und Werner Imm (FWV) sowie Karlheinz Grathwol (FuD). Die Mehrheit von elf Räten sprach sich dafür aus, gleich im Contracting-Verfahren ein Blockheizkraftwerk mit Gas-Brennwertkessel erstellen und betreiben zu lassen. Die Ausschreibung soll so schnell wie möglich erfolgen.