"Die vielen Eindrücke waren enorm"

Julian Buschmann, Carlos Ihringer und Max Rohrbeck, Klasse 4, Grundschule Holzhausen

Von Julian Buschmann, Carlos Ihringer und Max Rohrbeck, Klasse 4, Grundschule Holzhausen (March)

Fr, 27. März 2020

Zisch-Texte

ZISCH-INTERVIEW mit Baseball-Schiedsrichter Stefan Rohrbeck, der an der Little League World Series teilgenommen hat .

Für den Baseball-Schiedsrichter Stefan Rohrbeck ging sein Traum in Erfüllung, als Schiedsrichter in den USA bei der Little League World Series zu arbeiten. Die Zisch-Reporter Julian Buschmann, Carlos Ihringer und Max Rohrbeck, Stefan Rohrbecks Sohn, aus der Klasse 4 der Grundschule March-Holzhausen haben ihn interviewt.

Zisch: Wie sind Sie zum Baseball-Schiedsrichter geworden?
Rohrbeck: Ich habe selbst einmal Baseball gespielt. Dabei habe ich Gefallen am Schiedsrichtersein gefunden und habe selbst 1994 die Schiedsrichterlizenz erworben. Seit 2008 bin ich in der Ersten Bundesliga und international aktiv. Daneben habe ich 1996 die Little-League-Lizenz erworben.

Zisch: Wie ist es als Schiedsrichter?
Rohrbeck: Es ist sehr spannend, weil ich immer konzentriert sein muss und schnelle Entscheidungen treffen muss. Besonders toll ist es, dass die Schiedsrichter im Baseball noch respektiert werden und die Entscheidungen ohne Meckerei akzeptiert werden.

Zisch: Was gefällt Ihnen daran, Baseball-Schiedsrichter zu sein?
Rohrbeck: Baseball ist viel von Taktik geprägt und es gibt sehr viele verschiedene Spielsituationen, auf die ich mich als Schiedsrichter einstellen muss. Es ist etwa vergleichbar mit Brennball, wer das aus der Schule kennt. Es gibt kein Unentschieden, das heißt, es wird manchmal länger gespielt, bis ein Sieger feststeht. Und es gibt keine Zeitregel, sodass ein Spiel unterschiedlich lange dauert, mal zwei Stunden, manchmal aber auch über vier Stunden.

Zisch: In welchen Ländern waren Sie schon Schiedsrichter?
Rohrbeck: Ich bin meistens in Deutschland in der ersten und Zweiten Bundesliga im Einsatz, war aber auch schon in der Schweiz, in Österreich, in den Niederlanden und in Polen bei der Little League im Einsatz und habe auch schon einige Spiele der deutschen Baseball-Nationalmannschaft geleitet.

Zisch: Wir haben erfahren, dass beim Baseball nicht gepfiffen wird. Können Sie uns sagen, wie das funktioniert, wenn Sie Entscheidungen treffen?
Rohrbeck: Alle Entscheidungen werden lautstark mit Stimme, aber ohne Mikrofon verkündet. Dazu werden bestimmte Handzeichen gegeben, damit alle Zuschauer und Spieler erkennen, welche Entscheidung getroffen wurde, auch wenn sie die Stimme nicht gehört haben.

Zisch: Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie von der Nominierung zur Little League World Series erfahren haben?
Rohrbeck: Das war was ganz Besonderes und Einzigartiges, weil es schon lange ein Traum war und ich mich schon lange dafür beworben habe. Pro Jahr bewerben sich über 15 000 Schiedsrichter und es werden 16 Schiedsrichter nominiert. Die Nominierung erfolgt nur einmal im Leben. Ich war der einzige Schiedsrichter aus der Region Europa-Afrika und erst der fünfte deutsche Schiedsrichter seit Beginn der World Series 1947, der dazu berufen wurde.

Zisch: Wie waren die Vorbereitungen auf die Little League World Series?
Rohrbeck: Zuerst durfte ich im Mai zu einem Vorbereitungstraining nach Williamsport in den USA fliegen, wo die Little League gegründet wurde und jedes Jahr die Weltmeisterschaft stattfindet. Dabei wurden Regeln vertieft, Trockenübungen gemacht, bei Testspielen einige Situationen besprochen, der ganze Umgang mit den Medien abgesprochen, weil alle Spiele live im US-TV übertragen werden. Es wurden Kurzinterviews für einen Einspieler im TV geführt, Kleidergrößen für die Uniformen abgenommen und das Gelände inklusive der eigenen geräumigen Schiedsrichterumkleidekabinen besichtigt. Und vor allem wurde der Umgang mit dem Videobeweis geübt, der bei dem Großereignis zum Einsatz kommt. Und das alles ausschließlich auf Englisch.

Zisch: Wie viele Mannschaften haben teilgenommen, wo kamen diese her und wie oft waren Sie im Einsatz?
Rohrbeck: Es haben 16 Mannschaften teilgenommen, die sich zuvor in verschiedenen regionalen Meisterschaften dafür qualifizieren mussten. Acht Mannschaften aus den USA und acht Mannschaften aus internationalen Regionen, unter anderem Italien als Vertreter für Europa-Afrika. Ich selbst hatte elf Einsätze, unter anderem im kleinen Finale – Spiel um Platz 3 – als Hauptschiedsrichter (Plate Umpire).

Zisch: Was hat Sie am meisten beeindruckt?
Rohrbeck: Am meisten beeindruckt hat mich die angenehme und vor allem familienfreundliche Atmosphäre. Die Kinder standen immer im Vordergrund. Auch der Respekt vor der Leistung der Schiedsrichter hat mich beeindruckt. Dass sie allesamt ehrenamtlich tätig sind und alle Kosten selber tragen, war allen Beteiligten bewusst und das fand ich besonders bemerkenswert. Zudem hat mich die Vorstellung vor jedem Spiel und die Anerkennung seitens der Spieler, Trainer und Zuschauer auch nach den Spielen beeindruckt. Und auch die professionelle und reibungslose Organisation der gesamten Veranstaltung.

Zisch: Wie war es, als Ihr Lebenstraum in Erfüllung ging?
Rohrbeck: Es war damals schon vor Ort unbeschreiblich und ist es immer noch. Die Zeit verging viel zu schnell, die vielen Eindrücke waren enorm. Bei jedem Bericht, Foto oder Erzählungen kommen die ausschließlich positiven Erinnerungen wieder hoch. Es haben sich mit den anderen Schiedsrichterkollegen neue Freundschaften gebildet, wir 16 Schiedsrichter waren eine tolle Gemeinschaft. Und auch Angehörigen, die dabei waren, haben sich sehr gut verstanden und angefreundet. Schön für mich war, dass ich meine Familie dabeihaben konnte, die Erlebnisse und Eindrücke mit ihr teilen und auch zwischen den Einsätzen viel Zeit mit ihr verbringen konnte. Das macht das Ereignis nochmals zu etwas ganz Besonderem.