Die Welt eines Comiczeichners

bex

Von bex

Fr, 26. November 2021

Zisch-Texte

ZISCH-INTERVIEW mit Zeichner und Szenarist Ferdinand Lutz über sein Leben, seinen Beruf und darüber, woher er die Inspiration für seine Geschichten nimmt.

Q-R-T ist blond, klein und sieht süß aus. Doch sein Äußeres trügt, denn in Wirklichkeit ist der Junge über 100 Jahre alt und kommt aus dem Weltraum – sein Haustier ist ein schwebendes Auge. Der Schöpfer der beiden Aliens ist der Kölner Comiczeichner und Szenarist Ferdinand Lutz. Er zeigte anlässlich des Lirum-Larum-Lesefestes im Literaturhaus Freiburg Kindern die kosmische Welt von Q-R-T. Die Zisch-Nachwuchsreporter durften dem Zeichner Fragen stellen. Geführt haben das Gespräch: Moya Moenig, Silas Popov und Lennon Graf aus der Klasse F9. Sophia Rösslein, Viyan Sobil, Jakob Beckmann und Olaf Nädelin aus der Klasse F4. Und Silas Linder, Samuel Operan, Nina Huberich und Zain-Ahmad aus der Klasse F6 der Clara-Grunwald-Schule in Freiburg.

Zisch: Wie kamen Sie auf die Idee, das Comic Q-R-T zu schreiben?
Lutz: Meine Comics haben auch immer etwas mit mir selbst zu tun. Q-R-T handelt von einem Außerirdischen – natürlich bin ich kein Außerirdischer, aber ich fühle mich manchmal wie einer. Q-R-T bleibt im Comic als Außerirdischer immer Kind, und als ich Kind war, habe ich oft die Erwachsenen nicht richtig verstanden. Ich habe mich oft gefragt: "Was machen die da eigentlich?" Ich versuche, in meine Geschichten immer etwas Eigenes reinzubringen, was mir selbst auch gefällt.

Zisch: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Comics zu schreiben?
Lutz: Alles fing in meiner Heimat in der Stadtbibliothek an. Ich komme aus einer Familie, in der sich keiner für Comics interessiert hatte. Ich musste also erst in die Bibliothek, um auf Comics zu stoßen. Mein erster Comic, den ich gelesen habe, war Lucky Luke und ich war so fasziniert davon, dass ich selbst angefangen habe, Comics zu entwerfen. Ich durfte sogar in meiner Schule für ein ganzes Jahr Lucky-Luke-Comics schreiben. Ich hatte einen ganzen Ordner voller Lucky-Luke-Comics, bis ich auf die Idee gekommen bin, dass ich eigentlich auch über etwas Anderes erzählen könnte.

Zisch: Warum heißt Ihr Comic Q-R-T?
Lutz: Zum einen habe ich nach einem Namen gesucht, der irgendwie außerirdisch klingt, der aber auch gleichzeitig missverstanden werden kann. Wenn man Q-R-T zusammenhängend spricht, klingt das wie "Kurt" und da Q-R T nach außen aussieht wie ein ganz gewöhnlicher Junge, passt Kurt ganz gut.

Zisch: Wie gehen Sie vor, wenn Sie einen Comic schreiben wollen?
Lutz: Ich schreibe meist drauf los und zeichne gar nicht allzu viel. Mein Schwerpunkt liegt zuerst auf den Dialogen. Oft habe ich dann alles auf einem großen Schmierpapier, bevor ich ans Zeichnen gehe. Dann setze ich mich an den Computer und schreibe so eine Art Drehbuch. Beim Schreiben merke ich schnell, was ich alles verändern möchte, was beim Zeichnen ja nicht möglich ist. Manchmal mache ich dann beispielsweise aus einem Bus einen Heißluftballon. Und schon verändert sich meine Geschichte. So mache ich das immer mal wieder. Wenn ich zuerst zeichnen würde, müsste ich immer wieder neu anfangen.

Zisch: Macht Ihnen Ihr Beruf Spaß?
Lutz: Ja, es macht mir Spaß. Das ist generell eine Sache, die ich euch mitgeben kann: Dass es sich immer empfiehlt, später die Sache im Leben zu machen, die euch Spaß macht. Denn es ist ja so: Wenn euch etwas Spaß macht, und das muss ja nicht Zeichnen sein, das kann auch Tanzen, Fußballspielen oder Rasenmäherreparieren sein, dann habt ihr Lust, das immer wieder zu machen, und dadurch werdet ihr auch immer besser. Mir hat das Zeichnen sehr viel Spaß gemacht und es fällt mir leicht, Geschichten zu erfinden. Da war es naheliegend, genau das zu meinem Beruf zu machen.

Zisch: Wie sieht Ihr Alltag aus?
Lutz: Jeder Tag ist anders bei mir, aber dadurch, dass ich ein Kind habe, ist der Tag relativ strukturiert. Aber ich habe keinen Chef. Ich schaue einfach, dass meine Frau und mein Kind gut aus dem Haus kommen, und dann schreibe ich meine Geschichten. Wenn ich dabei bin, mir eine Geschichte auszudenken, dann sitze ich den ganzen Nachmittag daran und mache nichts anderes. An einem anderen Tag verziere ich die Zeichnungen. Wenn ich jeden Tag das Gleiche machen müsste, dann wäre das nichts für mich.

Zisch: Können Sie von der Schriftstellerei leben?
Lutz: Das ist eine gute Frage, denn das ist nicht selbstverständlich. Wenn du konkret fragen würdest: "Können Sie nur von den Büchern leben?", dann müsste ich antworten: "Nein!" Denn wenn ein Buch im Laden ungefähr 15 Euro kostet, bekomme ich davon etwa 80 Cent oder einen Euro. Dann müsste ich richtig viele Bücher verkaufen, damit ich die Miete bezahlen und den Kühlschrank füllen könnte. Aber meine Comics werden jede Woche in die Zeitung gestellt und ich habe mir verschiedene Geschichten ausgedacht, die auch übersetzt werden. Dann mache ich Lesungen wie hier in Freiburg und gebe Workshops. Das gehört alles zum Schriftstellern und Zeichnen dazu und davon kann ich dann leben.

Zisch: Was macht man als Szenarist?
Lutz: Ein Szenarist ist jemand, der sich das Szenario, also die Geschichte, ausdenkt, wie ein Drehbuch. Was könnte passieren? Wer sagt was? Was ist in jedem einzelnen Bild zu sehen? Eine Serie wie Lucky Luke oder Asterix wird meistens von zwei Personen gemacht, da stehen immer zwei Namen auf dem Titel. Bei Asterix war zum Beispiel René Goscinny der Szenarist, der hat sich die Geschichte ausgedacht und der Zeichner Albert Uderzo hat dann dieses Szenario, den Text, bekommen und hat das dann eben gezeichnet, also umgesetzt. Ich selber bin auch Szenarist für Käpt’n Blaubär zum Beispiel, da habe ich nicht gezeichnet, sondern mir nur Geschichten ausgedacht. Bei meinen Büchern bin ich aber beides.

Zisch: Wie alt waren Sie, als Sie mit dem Comic-Schreiben angefangen haben?
Lutz: Strenggenommen sieben Jahre alt, als ich diesen Lucky-Luke-Comic ausgeliehen habe und selber auch Lucky-Luke-Comics gemacht habe. Aber vom Comiczeichnen leben konnte ich erst, als ich vor zehn Jahren mein Studium beendet habe. Jetzt bin ich 34 Jahre alt.

Zisch: Was inspiriert Sie?
Lutz: Ich setze mich an den Schreibtisch und denke darüber nach, was ich interessant fände und wie die Geschichte laufen könnte. Ich nehme das, was mich gerade beschäftigt, und das ist mein Ausgangspunkt. Meine Inspiration kann alles sein.

Zisch: Wie lange sitzen Sie an einem Comic?
Lutz: Vier Monate. Pro Seite brauche ich etwa einen Tag. Moya Moenig, Silas Popov und Lennon Graf der Klasse F9. Sophia Rösslein, Viyan Sobil, Jakob Beckmann und Olaf Nädelin der Klasse F4. Und Silas Linder, Samuel Operan, Nina Huberich und Zain-Ahmad der Klasse F6, Clara-Grunwaldschule (Freiburg)