Die Wirklichkeit liefert die Ideen

Karin Steinebrunner

Von Karin Steinebrunner

Sa, 25. Mai 2019

Dachsberg

Der Kinderbuchautor Josef Koller hat in der Grundschule Dachsberg-Ibach aus einem seiner Bücher gelesen.

DACHSBERG. Erstmals begrüßte die Grundschule Dachsberg-Ibach einen Kinderbuchautor zu einer Lesestunde. Die Vorfreude der Grundschüler war enorm, und sie hatten sich viele Fragen zur Person und zum Schaffen des Autors notiert, die sie ihm im Anschluss an seinen Vortrag stellen wollten. Der in der Nähe von Augsburg geborene und inzwischen an der Nordsee lebende Josef Koller hatte gerade für drei Wochen Urlaub im Schwarzwald gemacht und freute sich seinerseits auf seine erste Lesung in einer so kleinen Schule.

Er würde sich und seinen Schülern gerne die Zeit nehmen, solche Veranstaltungen öfters anzubieten, meinte Rektor Daniel Dierenbach, sofern das Budget dies erlaube. Schließlich sei das Lesen im Stundenplan der Grundschüler fest verankert, angefangen vom Einstieg der Erstklässler in Form der Materialien, die man von der Stiftung Lesen beziehen könne.

Vor Kurzem hatten die Grundschüler die kleine Rathausbibliothek in Wittenschwand besichtigt, um das Grundmaterial eines Buches mit allen Sinnen zu erfassen hatten sie geschöpft. Dierenbach bezeichnete das Lesen als Schlüssel zur Welt, und um darin so recht einzutauchen, veranstaltet die Schule auch regelmäßig Lesenächte, die immer auch ein kleines Abenteuer darstellen.

Die erste und zweite Klasse hat als Freiarbeitsmaterial die sogenannten Lies-mal-Hefte, mit denen die Kinder schnell selbständig zu arbeiten beginnen, und zwei Mal innerhalb ihrer Grundschulzeit sollen sie auch ein eigenes Lieblingsbuch vorstellen und ihre Klassenkameraden dazu animieren, es ebenfalls kennenzulernen. Dabei, so Dierenbach, kämen dann mitunter ganz unterschiedliche Interessen zutage. Er habe durchaus auch schon erlebt, dass Grundschüler bereits Sachbücher vorstellen wollen. Auch habe er den Eindruck, dass hier in der Gegend das Lesen noch einen eigenen Platz habe, dass Eltern und Großeltern selbst noch zum Buch greifen und die Kinder es sich dann auch auf der Chunscht oder im Sessel der Oma mit einem Buch gemütlich machen.

An die Notwendigkeit der Einrichtung von Lesepaten oder die Teilnahme an Lesewettbewerben habe er daher noch nicht gedacht. Josef Koller erwies sich dann als wahrer Glücksgriff, denn seine Art von Lesestunde hat mit Sicherheit Lust gemacht, die angedeuteten Geschichten, die er immer gekonnt an der spannendsten Stelle abbrach, bis zum Ende weiter zu verfolgen. Koller las nur ganz wenig, erzählte dafür umso mehr über die Protagonisten seiner Bücher und deren Erlebnisse, wobei er sich als schauspielerische Begabung entpuppte und die Kinder immer wieder zum Lachen brachte.

Seine Geschichten seien meist aus tatsächlichen Begebenheiten entstanden, verriet er, und er habe zu schreiben begonnen, um den Kopf wieder frei zu bekommen, der ständig voll war mit diesen Begebenheiten und damit, wie er sie für seine Erzählungen umsetzen könnte.

In seinem ersten Buch "Joko und die kleine Fee" habe er seine eigene Kindheit verarbeitet, aus seinen riskanten Fahrradtouren beispielsweise sei dabei der Ritt auf dem Hexenbesen geworden, bei dem ihn die kleine Fee beschützt habe. Und in seinen jüngsten Büchern porträtiere er Kinder, die er bei seinen Lesereisen kennengelernt habe und von denen jedes eine ganz besondere Begabung besitze. Entsprechend nennt Koller sie "Die Spezialisten". Während seines Schwarzwaldurlaubs sei er richtig gut vorangekommen, meinte er am Ende noch, so dass bald schon der dritte Band der Spezialisten in den Druck gehen könne , immer liebevoll mit originalen Aquarellen bebildert von Agnes Rupp .