E-Sound of Silence

dpa

Von dpa

Mi, 03. März 2021

Auto & Mobilität

Stille ist auch keine Lösung: Was Sounddesigner berücksichtigen müssen, wenn sie E-Autos hörbar machen.

Elektrofahrzeuge fahren leise, der Gesetzgeber schreibt ein Geräusch jedoch vor. Wie das klingt, ist den Soundingenieuren der Hersteller überlassen, deren Kreativität gefordert ist.

Ein leises Pfeifen rollt auf der Straße heran, ein völlig ungewohntes Geräusch. Wie von einer fliegenden Untertasse wirkt es oder wie das Raumschiff Enterprise aus "Star Trek". E-Autos klingen anders als konventionelle, und das ist durchaus gewollt. "Jahrelang haben Hersteller versucht, ihre Fahrzeuge leiser zu machen. Jetzt müssen sie sie absichtlich mit einem Klang versehen", sagt Stefan Sentpali, Professor für Akustik, Dynamik und Fahrzeugtechnik an der Hochschule München.

E-Autos fahren so leise an, dass Unfälle passieren können. Daher verlangt der Gesetzgeber eine akustische Signalwirkung, das sogenannte Approaching Vehicle Alert System (Avas), für neu typenzugelassene Hybrid- und Elektrofahrzeuge. Innerhalb der EU müssen alle Fahrzeuge bis 20 km/h sowie beim Rückwärtsfahren einen Geräuschpegel von mindestens 56 dB und maximal 75 dB produzieren, der Schall muss dabei kontinuierlich sein. Nur so können andere Verkehrsteilnehmer, auch Sehbehinderte, die Fahrzeuge verorten.

"Wie die Autos klingen, obliegt den Herstellern. Das kann emotional oder nüchtern sein; wichtig ist nur, dass es sich nach einem Fahrzeug anhört", so Sentpali. Die Frage sei nur, wie sich E-Fahrzeuge anhören sollten, denn Erfahrungswerte gab es bisher nicht. "Menschen wissen, wie Fahrzeuge in Science-Fiction-Filmen klingen, daran werden sie sich auch bei E-Fahrzeugen orientieren. Die klingen bis zu zwei Oktaven höher, wie ein leises, angenehmes Pfeifen", sagt er.

Indra Kögler ist Sound-Designerin bei Volkswagen. Mit Klaus Zyciora, Leiter des Designs für den VW-Konzern, und dem Musiker Leslie Mandoki hat VW in den vergangenen Jahren einen futuristischen Sound für seine Elektro-Reihe ID entwickelt. Die Kunst sei es, einen Sound für verschiedene Gruppen zu schaffen, den alle als angenehm und nicht störend empfänden: "E-Mobilität fühlt sich anders an und fährt sich anders, deshalb kann sie auch anders klingen", stellt Zyciora fest.

Künftige ID-Modellreihen werden sich bei den Klängen unterscheiden: "Je nach Größe des Modells hören sich die Fahrzeuge anders an. Ein Kleinwagen macht heute auch andere Geräusche als eine große Limousine", erklärt Kögler. Auch im Innenraum klingen die E-Autos neuartig, etwa bei Warnklängen und Rückmeldungen der Sprachsteuerung.

Für Thomas Küppers muss ein E-Fahrzeug vor allem innen anders klingen: "E-Maschinen arbeiten leise, das kommt dem Innenraum zugute. Das schönste Geräusch im Auto ist doch die absolute Ruhe", sagt der Mercedes-Sounddesigner. Mercedes legt daher Wert auf einen nahezu geräuschfreien Antrieb. In künftigen Modellen wie EQS und EQE soll es aber auch Fahrsounds geben, die sich beim Beschleunigen verändern.

Zur Soundfamilie im E-Auto gehören die Begrüßung, das Starten, die Fahrbereitschaft, Fahrstufe einlegen, Fahrprogrammwechsel und die Antriebsstranggeräusche. Die Fahrgeräusche sind keine fertigen MP3- oder Wave-Dateien, sondern individuelle Klänge einer Echtzeitberechnung. "Je nach Fahrzustand ändert sich der Sound. Dahinter steckt eine große Rechenleistung", so Küppers.