"Ein bisschen das falsche Signal"

dpa

Von dpa

Do, 24. September 2020

Radsport

Der FC Bayern tritt gegen Sevilla im Supercup-Finale an – ausgerechnet im Corona-Hotspot Budapest vor rund 20.000 Zuschauern.

Manuel Neuer saß in der noch leeren Puskas Arena und rätselte, was den FC Bayern beim Supercup-Finale gegen den FC Sevilla erwarten könnte. Seit Monaten sehnen sich die Münchner Stars nach Fußball vor Fans. Und jetzt erfüllt sich dieser Wunsch ausgerechnet in einem Corona-Hotspot. "Wir wissen nicht, was uns erwartet", sagte der Kapitän des Champions-League-Siegers vor dem Kampf um die nächste internationale Trophäe am Donnerstag (21 Uhr/Sky und DAZN): "Unser Augenmerk liegt auf dem Spiel. Wie es im Stadion sein wird, werden wir sehen. Wir nehmen es an, wie es kommt."

In Budapest dürfen – oder besser gesagt sollen – die Münchner Triple-Champions nach dem Willen der UEFA und des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban vor bis zu 20 000 Zuschauern antreten, was vielen an einem Ort mit sehr hohen Infektionswerten fragwürdig erscheint. Auch einige hundert Bayern-Fans wollen trotz verschärfter Quarantäne-Auflagen bei der Rückkehr aus Ungarn und eindringlicher Appelle des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) zu einem Reiseverzicht ihr Team unbedingt vor Ort in der über 60 000 Besucher fassenden Puskas Arena anfeuern.
Hansi Flick äußerte sich dazu pragmatisch: "Wir sind hierhergekommen, um Fußball zu spielen, Entscheidungen werden woanders gefällt. Wir haben ein Ziel: den UEFA Super Cup zu holen", sagte der Trainer. Die irrwitzig anmutende Mission des streng abgeschirmten Teams lautet, Titel Nummer vier im Erfolgsjahr 2020 zu holen. Leicht wird das nicht. "Sevilla ist eine starke Mannschaft. Die sind sehr gut mit dem Ball", sagte Leroy Sané, der nach seinem tollen Debüt beim 8:0 gegen Schalke auch auf Europas Bühne zusammen mit Flügelpartner Serge Gnabry auftrumpfen will.

Flick hofft, dass er das bestmögliche Team aufbieten kann. Ein Fragezeichen stand am Mittwochabend noch hinter Torjäger Robert Lewandowski, der nach einer Blessur am Fuß beim Abschlusstraining einen Härtetest absolvieren sollte. Mit dabei ist auch nochmal Javi Martínez (32), obwohl der Spanier vor einer Rückkehr zu Athletic Bilbao steht.

Das Kopfschütteln über die an ihrem "Pilottest" mit Zuschauern festhaltende UEFA ist indes groß. "Ich halte es grundsätzlich ein bisschen für das falsche Signal, dass man da in einem Risikogebiet jetzt so viele Zuschauer zulässt", sagte Bundestrainer Joachim Löw. Söder fürchtet, Bayern-Fans könnten infiziert zurückkehren und eine Gefahr darstellen. Er warnte vor einem "Fußball-Ischgl". "Wir haben uns entschlossen, nur mit der absoluten Minimalbesetzung nach Budapest zu gehen", sagte Bayern-Präsident Herbert Hainer. Der 66-Jährige stornierte den Trip auch für sich. Budapests OB Gergely Karacsony votierte wegen der Corona-Lage vergeblich für ein Geisterspiel. "Hätte ich die rechtlichen Möglichkeiten, das zu entscheiden, würde ich das Match hinter geschlossenen Toren stattfinden lassen", sagte er. Die Uefa will mit einer 30-Prozent-Auslastung der Stadionsitze den Supercup als Probelauf für ihre anderen Wettbewerbe nutzen. In vier Wochen beginnt die neue Champions-League-Saison. "Die Uefa will wieder ein Stück Normalität in den Fußball bringen", sagte Hainer. Eine Absage oder Spielverlegung wäre "nicht einfach" gewesen.