Zisch-Schreibwettbewerbgewinnerin Herbst 2020

Ein bunter Traum wird wahr

Do, 03. Dezember 2020 um 17:11 Uhr

Schreibwettbewerb

Von Luna-Marie Lâm, Klasse 4a, Fridolinschule, Lörrach

"Autsch!", rief Pitt der Pinguin, "alle fünf Minuten rutsche ich auf dem Eis aus!" Der ungeschickte Pinguinjunge klopfte sich den Schnee aus seinen Federn. "Ich habe langsam genug von der Antarktis!", schnaubte er.

Pitt war ein sehr besonderer Pinguin. Er glaubte fest daran, dass es andere Farben gab als Schneeweiß, Wasserblau und das Rot der auf- und untergehenden Sonne. Die anderen Pinguine lachten ihn deshalb aus. Außerdem mochte er eigentlich keinen Fisch, den es aber jeden Tag zu essen gab. Und Pitt wollte gerne wissen, wie es sich woanders lebte.

Verträumt saß Pitt neben seinem Freund, dem Albatros, und unterhielt sich mit ihm. Pitt fragte ihn neugierig: "Hast du schon einmal Farben gesehen, die es hier nicht gibt?" "Ja", antwortete der Albatros, "aber das ist eine lange Geschichte." "Oh bitte, erzähle sie mir", bat Pitt. "Also", begann der Albatros: "Ich wurde einmal für ein Experiment eingefangen. Die Menschen haben mich in eine dunkle Kiste gesetzt und sie dann in ein Blechding gestellt. Ich glaube, sie haben gesagt, dass das ein Flugtaxi nach Italien ist. Plötzlich setzte sich das Blechding in Bewegung. Es war laut und ich wurde hin- und hergeschleudert. Als das Geruckel nach Stunden aufhörte, war ich kaputt, müde und wütend. Ich habe gespürt, wie sie mich ausgeladen und irgendwohin getragen haben. Die Kiste wurde hingestellt und der Deckel aufgemacht. So schnell es ging, rappelte ich mich auf und flog davon. Aber weit konnte ich nicht fliehen, ich war zu erschöpft. Ich ließ mich auf einem Balkon nieder. Ein Kind entdeckte mich und holte mich in sein Haus. Drinnen wurde ich mit Spaghetti gefüttert. Die sehen aus wie lange gelbe Gräten. Ich sage dir, das war das beste Essen, das ich je gegessen habe! Danach haben mir die Menschen das Fenster aufgemacht und gestärkt flog ich den langen Weg wieder nach Hause. Auf dem Rückweg sah ich dann seltsame Landschaften mit unterschiedlichsten Farben, die ich nie zuvor gesehen hatte!"

Pitt hatte die ganze Zeit mit offenem Mund und großen Augen dagesessen und staunte: "Wow, das würde ich auch gerne mal sehen!" Er überlegte, wie er dort hinkommen könnte. Da kam ihm eine Idee und er fragte seinen Freund hoffnungsvoll: "Kannst du für mich Flugtaxi spielen und mich nach Italien fliegen? Der Albatros überlegte eine Weile und antwortete schließlich: "Meinetwegen, aber nur, wenn wir einen Zwischenstopp machen, okay?" "Okay!", antwortete Pitt voller Vorfreude, "wann geht"s los? Jetzt sofort?""Na gut, steig auf meinen Rücken und los geht's!", meinte der Seevogel. Pitt kletterte glücklich auf den Rücken seines Freundes, der nach wenigen Sekunden auch schon abhob.

Das Meer schien kein Ende zu haben, als doch endlich Land in Sicht kam. Sie landeten und guckten sich um, als ein kleines Pinguinmädchen auf sie zu rannte und sie freundlich fragte: "Wo kommt ihr denn plötzlich her?" Pitt stellte sich und seinen Freund vor und erzählte ihr die ganze Geschichte. Als er fertig war, fragte sie, ob sie Hunger hätten. Die beiden nickten und folgten ihr zu einer Hütte. Unterwegs erklärte das kleine Pinguinmädchen: "Übrigens – ihr seid hier in Südafrika zwischengelandet. Ich heiße Malaika und nur zur Info: Ihr braucht keine Angst vor den Menschen hier zu haben. Sie pflegen und füttern uns."

Sie hatten die Hütte erreicht, gingen hinein und sahen neben einem leckeren Buffet Menschen in bunten Kleidern tanzen. Pitt staunte: "Oooh, die Farben sehen wunderschön aus!" Pitt kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und freute sich: "Ich habe es gewusst – es gibt andere Farben als bei uns in der Antarktis!" Sofort war ihm klar: "Hier bleibe ich!" Nach einem ausgiebigen Essen flog sein Freund wieder nach Hause.

Zwei Jahre später bekam der Albatros Post aus Südafrika. Neben einem Brief von Pitt lag eine Zeitung im Umschlag. Die Schlagzeile auf der Titelseite las er mit großer Freude: "Brillenpinguin und Kaiserpinguin haben Nachwuchs bekommen".