Ein Horrorsturz überschattet das Frauen-Zeitfahren

dpa

Von dpa

Fr, 25. September 2020

Radsport

Titelverteidigerin Chloé Dygert ist auf Goldkurs, ehe sie über eine Leitplanke fällt / Lisa Brennauer aus dem Allgäu wird Vierte.

Ein schwerer Sturz von Titelverteidigerin Chloé Dygert hat den Auftakt der Straßenrad-WM im italienischen Imola überschattet. Die 23 Jahre alte US-Amerikanerin befand sich am Donnerstag im Einzelzeitfahren über 31,7 Kilometer mit deutlicher Bestzeit auf Goldkurs, als sie in einer Kurve von der Fahrbahn abkam und mit hoher Geschwindigkeit über eine Leitplanke stürzte.

Die später veröffentlichten Bilder zeigten schwere Verletzungen: Dygert hatte sich das komplette linke Knie aufgeschlitzt, knieabwärts lief das Blut in Mengen hinunter. "Sie ist bei Bewusstsein und spricht", schrieb der US-Verband bei Twitter. Dies sei alles, was man bisher wisse. Genauere Angaben zum Gesundheitszustand der Favoritin gab es bis zum Abend nicht.

Dygert wurde im Graben an der Kurve von mehreren Notfallkräften versorgt und anschließend mit einer Trage in einen Krankenwagen gebracht. Im Zielraum der Formel-1-Rennstrecke von Imola und bei der folgenden Siegerehrung war die Stimmung dementsprechend gedämpft. Dygert war im Anschluss an ihren Sturz minutenlang nicht im TV-Bild zu sehen, das internationale Signal zeigte fortan nur noch die aktiven Fahrerinnen.
"Das Schlimmste, was passieren kann, ist so ein Sturz. Es tut mir sehr leid für sie, so etwas ist wirklich schlimm", sagte Anna van der Breggen, die das Rennen gewonnen hatte. Der erste Zeitfahr-WM-Titel der Niederländerin und die nur um 14 Sekunden verpasste Medaille für Ex-Weltmeisterin Lisa Brennauer aus dem Allgäu gerieten im "Autodromo Enzo e Dino Ferrari" so zur Nebensache. "Es war noch kurz die Enttäuschung da, ich wollte so gerne eine Medaille gewinnen, gerade wenn man so nah dran ist", sagte Brennauer. Die Rivalinnen hatten zunächst nichts vom schweren Sturz der Titelverteidigerin bekommen.

Brennauer hatte schon bei der Zwischenzeit auf Rang vier gelegen. Nach Dygerts Unfall hatte es kurzzeitig so ausgesehen, als ob es für die Bronze-Medaille reichen könnte, doch am Ende lag auch Ellen van Dijk (Niederlande) vor der Deutschen. "Ich freue mich aber, dass ich endlich mal wieder soweit vorne reinfahren konnte. Ich bin total happy und das zählt", sagte Brennauer, die 2014 WM-Gold und 2015 WM-Bronze im Einzelzeitfahren eingefahren hatte. Ihre deutsche Teamkollegin Mieke Kröger erreichte mit Rang acht ebenfalls ein achtbares Ergebnis, Silber holte sich die Schweizerin Marlen Reusser.

Ohne den viermaligen Weltmeister Tony Martin gehen die deutschen Radprofis nur als Außenseiter in das WM-Einzelzeitfahren im italienischen Imola. Die beiden deutschen Starter Jasha Sütterlin (27) und Max Walscheid (27) zählen an diesem Freitag (14.25 Uhr/Eurosport/ZDF Livestream) nicht zum erweiterten Favoritenkreis.

"Wenn ich unter den ersten 20 landen würde, wäre ich damit sehr zufrieden", sagte Tour-de-France-Starter Walscheid, der auf dem 31,7 Kilometer langen Kurs kurzfristig den erkrankten Nikias Arndt (28) ersetzt.

Der Freiburger Zeitfahrspezialist Jasha Sütterlin steckt sich die Ziele etwas höher: "So wie ich in Form bin, will ich unter die Top 15 fahren.